AltersvorsorgeWarum die Riester-Rente besser als ihr Ruf ist

Riester-Rente: Namensgeber Walter Riester ist längst selbst im Ruhestand
Riester-Rente: Namensgeber Walter Riester ist längst selbst im Ruhestanddpa

Als Vorbild für eine kluge Vermögensbildung und Altersvorsorge taugt Finanzminister Olaf Scholz schon mal nicht. Auf die Frage, wie er sein Geld anlegt, gestand der spröde Hamburger jüngst, er beschäftige sich damit kaum: „Es liegt einfach auf dem Sparbuch.“

Ein Ansporn für junge Leute, sich um ihre Finanzen zu kümmern, ist so ein Satz nicht gerade. Dabei sollen doch vor allem die Jüngeren auch nach Lesart der neuen Bundesregierung noch stärker selbst fürs Alter vorsorgen – wenigstens mit einer Riester-Rente.

Die staatlich geförderte Zusatzvorsorge ist seit ihrer Einführung 2002 unter dem damaligen Arbeits- und Sozialminister Walter Riester eine Dauerbaustelle, ihr Ruf hat arg gelitten. Rund 16,6 Millionen Deutsche haben heute einen solchen Vorsorgevertrag, der staatliche Zuschüsse dafür verspricht, dass sie privat für den Ruhestand sparen. Doch neue Verträge verkaufen die Finanzdienstleister kaum noch, 2017 kamen unterm Strich nur 23.000 neue Riester-Renten hinzu.

Berufseinsteiger möchte die Bundesregierung ganz besonders zu einem Abschluss motivieren: Wer seinen Vertrag vor dem Alter von 25 abschließt, erhält einen Einsteigerbonus von einmalig 200 Euro. Außerdem spendiert der Staat jedem Sparer seit Neuestem statt 154 nun 175 Euro Zuschuss jährlich.

„Junge Leute sollten einen Riester-Vertrag als erste Anlageoption fürs Alter prüfen“

Thorsten Saal

Solche Geldgeschenke klingen verlockend, aber machen sie auch die Nachteile von Riester-Renten gegenüber ungeförderten Alternativen wie einem ETF-Sparplan wett? Ja, heißt die Antwort für viele. Denn Riester-Renten helfen bei der Spardisziplin und liegen auch mit Blick auf die Renditen nicht schlecht im Rennen – immer vorausgesetzt, man ist ein Sicherheitsfan und will sein Geld zum Renteneintritt auf jeden Fall zurück.

Diesen Punkt sichert die Riester-Garantie: Alle eingezahlten Beiträge inklusive staatlicher Zuschüsse müssen vom Anbieter garantiert werden, das heißt, der Sparer kann zu Rentenbeginn mindestens über die Einzahlungen verfügen. Allerdings gibt es das Kapital dann nicht auf einen Schlag, sondern der größte Teil muss tatsächlich als Rente fließen.

Zuschüsse steigern die Rendite

Dank des staatlichen Bonusprogramms kann sich die Entwicklung des angesparten Vermögens selbst für Singles sehen lassen. Aus Anlagen mit einer Rendite von drei Prozent holt ein 27-jähriger Single (Einkommen: 30.000 Euro) dank staatlicher Zuschüsse bis zur Rente einen Ertrag von 3,6 Prozent heraus. Experten wie Thorsten Saal vom unabhängigen Analysehaus Morgen & Morgen empfehlen daher: „Junge Leute sollten einen Riester-Vertrag als erste Anlageoption fürs Alter prüfen.“

Noch attraktiver ist die staatlich geförderte Vorsorge aber für all jene, die zwar noch keinen Gedanken an den Ruhestand verschwenden wollen, sich aber gleichwohl mit dem Gedanken an Kinder anfreunden können. Denn für jedes Neugeborene packt der Staat pro Jahr 300 Euro obendrauf. Bei zwei oder drei Kindern kommt so einiges an Bonus zusammen. Nicht von ungefähr zahlt der Staat inzwischen jedes Jahr rund 3 Mrd. Euro an Zuschüssen.