KolumneWarum der Merz-Vorschlag zur Altersvorsorge nicht weit genug geht

Friedrich Merz
Friedrich Merzdpa

Friedrich Merz hat Recht. Die Deutschen sind faul, wenn es um Aktien geht, sie haben die Aktie nie richtig verstanden als Beteiligung an einem Unternehmen und sind zudem fast immer pro-zyklisch unterwegs. Der Durchschnittsbürger parkt sein Geld dazu vergleichsweise sinnfrei bei Volksbanken oder Sparkassen. Wenig zielführend ist dies vor allem seit die EZB klargemacht hat, dass sich auch deutsche Sparer für lange, wenn nicht gar für immer, von Zinsen verabschieden müssen. Doch es gibt noch einen großen Denkfehler – 40 Prozent der Deutschen haben gar kein Vermögen, mit dem sie in Aktien investieren könnten oder sie können es sich schlicht nicht leisten, 5 Euro am Tag abzuknapsen. So hatte es Merz vorgeschlagen.

Dabei ist die Beteiligung an Unternehmen zur Altersvorsorge gar keine schlechte Idee. Man muss sich nur den Dax ansehen oder einen passenden ETF wie den Lyxor Dax ETF und stellt fest, dass Aktien breit gestreut im Schnitt etwa sieben Prozent pro Jahr abwerfen. Ein Aktienkorb über 20 oder 30 Jahre beständig gepflegt und kontinuierlich angelegt wirft in der Tat schon bei wenigen Euro am Tag eine erhebliche Rendite und Auszahlung am Ende ab.

Merz jedoch dachte bei einem Investment in Aktien und der gleichsamen Förderung primär an jene, die sich dies jetzt schon leisten können. Diese Anleger will er steuerlich fördern. Der beste Ansatz würde aber anders herum funktionieren. Eine Beteiligung an Firmen und final einen zweiten Rentenbaustein könnten genau die gebrauchen, die wenig verdienen. Prekär beschäftigte, alleinerziehende Frauen, Geringverdiener oder schlecht bezahlte Teilzeitkräfte. Genau jenen sollte man einen Aktienbaustein mitgeben und zwar bis zu einer gewissen Einkommensgrenze im Jahr geschenkt.

Deutschland kann sich das leisten

Sie haben richtig gelesen – geschenkt. Der Staat sollte es sich leisten, diejenigen mit der Aktie zu fördern, die wenig oder gar nichts haben. Und nicht jene entlasten, die damit primär ihre Steuern mindern. Wer 100.000 oder 200.000 Euro im Jahr verdient, braucht nicht eine weitere Steuersparmöglichkeit dank Aktienanlage. Wer 20.000, 30.000 oder 40.000 Euro im Jahr hat, der hat sie bitter nötig und sollte sie nach Art des Kindergelds erhalten. Monatlich könnten dies 100 oder 150 Euro sein, die der Staat beispielsweise in einen breiten ETF auf deutsche oder europäische Unternehmen dazugibt. Das Geld würde darin verbleiben, unangetastet bis zur Rente, unangetastet bei zwischenzeitlicher Arbeitslosigkeit oder ähnlichem. Selbstredend müssen bei einer solchen Idee Gebühren für den Erwerb sehr gering ausfallen. Börsen wie die Münchner haben gezeigt, dass dies möglich sein kann.

Drei wesentliche Vorteile hätte dieses Modell: Zum einen würden Menschen an Unternehmen beteiligt über einen Aktienkorb, die sonst wohl nie mit Aktien in Berührung kämen. Zum zweiten übt man Disziplin, da ungeachtet aller Kursschwankungen das Geld kontinuierlich angelegt wird. Zum dritten würde der Rentenbeitrag für die wirtschaftlich ärmere Hälfte der Bevölkerung in kostengünstige Produkte fließen und nicht wie bei Riester oder Rürup in die Taschen eines bekannten Schauspielerinnen-Gatten.

Und wenn Sie nun fragen, wie man denn diese Wohltat bezahlen soll, ist die Antwort ganz einfach.: Deutschland kann es sich leisten. Dazu fließt der Großteil des Geldes am Ende per Konsum der Wirtschaft wieder zu und schiebt somit die Konjunktur mit an. Denn Haushalte mit einem Jahresbruttoeinkommen unter 50.000 Euro haben einen Ausgabenquote nahe 100 Prozent und eine Sparquote nahe null. Allein schon deshalb, weil man fast alles zum Leben braucht. So würde die Maßnahme auch den sozialen Frieden etwas verbessern.