GastbeitragWarum der Krypto-Hype gerade erst beginnt

Symbolbild für Bitcoin, Etherum und Ripple: Die Zahl der Kryptowährungen steigt stetigPixabay.com

Der Hype zum Jahreswechsel hat das Krypto-Ökosystem überfordert: absurde Handelsvolumina haben die Krypto-Börsen an ihre Belastungsgrenzen gebracht, Support-Anfragen stauten sich auf, Hardware-Hersteller konnten die enorme Nachfrage nicht mehr stillen, das Bitcoin-Netzwerk war so verstopft von Transaktionen, dass die Gebühren in die Höhe schossen.

Gleichzeitig breitete sich eine gefährliche Goldgräberstimmung am Markt aus. Millionen von unwissenden Anlegern gierten plötzlich nach ihrem Stück vom Kuchen. Sie investierten mit vollkommen überzogenen Erwartungen in zum Teil dubiose bis betrügerische ICOs und hofften dabei nicht mehr auf Prozentzuwächse, sondern gleich auf Vervielfachungen ihres eingesetzten Kapitals. Die immer neuen Kursrekorde entfachten zudem enorme mediale Aufmerksamkeit. Der Bitcoin-Kurs zierte Titelseiten, Prominente traten als Sponsoren von zum Teil zwielichtigen ICOs auf, Rapper rühmten sich damit, im Schlaf mit Kryptowährungen Geld zu verdienen. Dass so eine völlig entfesselte Partystimmung einen üblen Kater nach sich ziehen würde, war absehbar – und gesund.

Marktbereinigung und Professionalisierung dringend notwendig

Die heftige Kurskorrektur der letzten Wochen leitet eine von außen betrachtet langweiligere Phase am Krypto-Markt ein, die jedoch enorm wichtig für das weitere Gedeihen des Ökosystems ist. Dienstleister wie etwa Börsen können nun endlich ihre Infrastruktur ausbauen, ihre Sicherheitsarchitektur anpassen und sich so für den nächsten Ansturm rüsten. Die unzähligen ICOs, die im letzten Jahr Geld eingesammelt haben, können und müssen nun endlich aus dem ihnen anvertrauten Kapital sichtbare Ergebnisse produzieren. Gleichzeitig setzt mit der Kurskorrektur und der abflauenden Euphorie auch eine Marktbereinigung ein. Luftbuden, die außer griffigem Marketing keine technologische Substanz haben, werden in dieser Phase aus dem Markt gespült.

Kein Ende in Sicht

Eine professionalisierte Infrastruktur, erste greifbare Anwendungen und ein Aussieben unseriöser Akteure – all dies sind Grundlagen dafür, dass Kryptowährungen mittelfristig ihren Weg in die Mitte von Gesellschaft und Wirtschaft finden. Denn abseits vom kurzzeitigen Hype schreitet die Entwicklung des Krypto-Ökosystems dieser Tage schnell voran, wie ein Blick auf die Old Economy zeigt.

Kaum ein DAX-Konzern, der nicht in seinem Innovation Lab erforscht, wie genau sich die Blockchain-Technologie für die eigenen Unternehmenszwecke nutzen lässt. Pilotprojekt um Pilotprojekt entsteht in den industriellen Herzkammern der Republik. Die Verzahnung von alter Industrie und Krypto-Startups hat längst Fahrt aufgenommen. Insbesondere in Verbindung mit dem Internet of Things, das für die deutsche Industrie von besonderer Bedeutung ist, bietet die Blockchain-Technologie eine Fülle von Möglichkeiten, um Wertschöpfungsketten zu optimieren. Der Bankensektor befasst sich längst intensiv mit Kryptowährungen und nutzt beispielsweise vermehrt die Kryptowährung Ripple, um interne Zahlungsströme effizienter abzuwickeln.