KolumneWarum bei den Aktien der Tech-Riesen Vorsicht geboten ist

Apple und andere Tech-Aktien befinden sich im Dauerhoch (Archivbild)Getty Images

Die jüngste Bilanzsaison hat die großen US-Tech-Aktien noch einmal beflügelt und ihre Aktien auf Rekordhöhen getrieben. Bei Apple überwog die Euphorie nach besser als erwarteten Quartalszahlen. Niemand störte sich an der Verschiebung des neuen iPhones. Obwohl die Google-Mutter Alphabet und Facebook massiv unter Werbeeinbußen litten, konnte das soziale Netzwerk zahlreiche neue Nutzer während der Pandemie gewinnen. Und Alphabet profitierte in der Zeit vom Cloud-Geschäft und vom Youtube-Kanal, die überproportional stark gewachsen sind.

Am größten war die Euphorie aber bei Amazon. „Amazon ist einer der größten Profiteure der Coronavirus-Pandemie“, meint Carlo Alberto de Casa, Chefanalyst beim britischen Broker Activtrades. „Die Krise bescherte dem weltgrößten Onlinehändler einen weiteren Wachstumsschub auf vielen Geschäftsfeldern. Neben dem boomenden Onlinehandel trug dazu auch das nach wie vor wachsende Cloud-Geschäft mit IT-Services und Speicherplatz im Netz bei. Mit seiner Sparte AWS ist Amazon auch hier Weltmarktführer.

Amazon Aktie

Amazon Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Erste Alarmzeichen

Doch hinter all der Euphorie mehren sich die Risiken, der Markt ist insgesamt gespalten. „Obwohl sichere Anlagehäfen wie etwa Gold oder Bundesanleihen zuletzt stark gefragt waren, ist die Unsicherheit am Aktienmarkt zurückgegangen“, erläutert Marcus Landau, Derivate-Sales-Experte bei der DZ BANK. „Sowohl das Volatilitätsbarometer „VDAX-New“ als auch der Volatilitätsindex „VIX“ für den US-Aktienmarkt sind auf den niedrigsten Stand der vergangenen Monate gefallen“, so Landau weiter.

Dadurch sind auch Absicherungen wie Put-Optionsscheine auf die großen US-Tech-Konzerne vergleichsweise günstig geworden, etwa die Papiere mit der WKN MC85J8 auf Amazon (Morgan Stanley), DFL8WC auf Apple (DZ Bank), JC4C9F auf Alphabet (JP Morgan) und UD7ZF0 auf Facebook (UBS). Alle Papiere profitieren von fallenden Aktienkursen und sind moderat gehebelt. Damit sichern Anleger ihr Portfolio gegen mögliche Sommerturbulenzen ab. Statistisch gehören die Monate vor einer US-Wahl zu den schlechtesten eines Zyklus.

Chance-Risiko-Verhältnis unausgewogen

Für die vorgestellten Puts der großen Tech-Riesen spricht aktuell vor allem das unausgewogene Chance-Risiko-Verhältnis. Diese Aktien sind ein sogenannter „Crowded Trade“, das heißt, sie wurden von großen institutionellen Anlegern im großen Stil bereits gekauft. Das bedeutet aber auch, dass diese Titel nach den satten Kursgewinnen der vergangenen Wochen und Monate für Gewinnmitnahmen anfällig sind.

Noch schwerwiegender könnten aber die jüngsten Aussagen zahlreicher Vorstandsvorsitzender großer US-Tech-Unternehmen vor dem US-Kongress werden. Tim Cook & Co. versuchten ihre Bedeutung für die US-Wirtschaft zwar kleinzureden, doch für Kunden wird es immer schwieriger, Alternativen zu den Produkten und Dienstleistungen dieser Technologieunternehmen zu finden. Sie sind quasi zu Versorgern mit riesigem Einfluss auf das Leben der Menschen geworden, was US-Politikern ein Dorn im Auge ist. Auch wenn es derzeit noch nicht klar absehbar ist, die intensive Diskussion der einflussreichen Tech-Chefs mit Parlamentariern hat eines hervorgebracht: Es ist wohl keine Frage ob, sondern wann die Unternehmen stärker reguliert werden. Die Tech-Riesen befinden sich auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung, weshalb man genauer hinsehen sollte.

 


Daniel Saurenz betreibt das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter Info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus