KolumneWarum 2021 ein Platin-Jahr werden kann

Platin- und Palladiumbarren
Platin- und PalladiumbarrenGetty Images

Im Dezember 2020 könnte man schon das Gefühl haben, dass beim Investieren Priorität hat, das offensivste und verrückteste Papier zu kaufen und damit Geld zu verdienen, dass andere Käufer noch verrückter sind und noch höhere Preise bezahlen. Wir meinen damit nicht BASF, Covestro oder Zalando, sondern aus dem Ruder gelaufene Basiswerte wie Door Dash, Tesla, den Bitcoin oder den anstehenden Börsengang von Robin Hood in den USA.

Die alte Ökonomie wie beispielsweise Edelmetalle kommt da langweilig daher. Doch gerade wenn manche durchdrehen, ist dieser Sektor einen Blick. So könnte Gold im kommenden Jahr seinen alten Aufwärtstrend wieder aufnehmen, wenn die Inflation in den Blickpunkt. Vielleicht besinnt sich der ein oder andere auf die Werthaltigkeit des Edelmetalls und zieht es der Glaubensfrage Bitcoin vor. Doch es muss nicht immer Gold sein.

Denn auch die Platin-Nachfrage von Investoren ist in diesem Jahr rasant gestiegen. Nach einer langen Phase mit stagnierenden oder gar sinkenden Preisen lebt das Interesse an dem Metall auf. Am stärksten – mit mehr als 30 Prozent Kursgewinn – stieg der Silberpreis in diesem Jahr, Gold und Platin folgen mit rund 20 Prozent. Immerhin schafft Platin noch den Sprung in den positiven Bereich mit einem bisherigen Jahresplus von vier Prozent. „Vor allem die ETF-Nachfrage und die Nachfrage nach Platinbarren und -münzen nahmen in diesem Jahr besonders stark zu“, sagt Funda Sertkaya, Geschäftsführerin beim Edelmetallhändler Ophirum. Das World Platinum Investment Council (WPIC) geht von einer Steigerung der Investitionsnachfrage 2020 um 32 Prozent aus. Damit wäre ein neues Rekordniveau erreicht.

Platin Rohstoff (Preis je Unze in Dollar)

Platin Rohstoff Chart

Die Steigerung der Investmentnachfrage kann den Platinpreis alleine aber nicht beflügeln. Auch die Erholung der weltweiten Nachfrage nach Platinschmuck um fast 30 Prozent im dritten Quartal half dem Platinpreis in diesem Jahr nur wenig. Hoffnung verbreitet der chinesische Platinschmuckmarkt. Für das Jahr 2021 wird dort mit einem Anstieg der Nachfrage für Platinschmuck um 13 Prozent gerechnet. Zur Freude der Investoren, denn das wäre der erste jährliche Anstieg seit acht Jahren.

Verlockendes Platin

Entscheidend für die Entwicklung des Platinpreises dürfte aber die Automobilwirtschaft haben. Sie erholte sich im dritten Quartal vor dem erneuten Lockdown und beflügelte auch den Platinpreis. Doch erst Anfang Dezember erreichte das Edelmetall ein neues Jahreshoch. Für einen nachhaltigen Anstieg im kommenden Jahr sprechen gleich mehrere Gründe: „Die strengeren Abgasnormen in China für Nutzfahrzeuge und PKWs haben dazu geführt, dass die Platinnachfrage des Automobilsektors zuletzt um fast 70 Prozent gestiegen ist“, konstatiert Sertkaya. Das WPIC rechnet daher auch im kommenden Jahr mit einem anhaltenden Anstieg der weltweiten Platinnachfrage von 24 Prozent aus dem Automobilsektor.

Außerdem sorgt die Möglichkeit der Substitution von Palladium durch Platin in Katalysatoren für Kursfantasie. Da der Platinpreis rund 1300 Dollar pro Unze unter dem von Palladium liegt, ist ein Wechsel verlockend, allerdings kann ein solcher Schritt nicht sofort umgesetzt werden. Eine solche technische Veränderung kostet Zeit und Geld. Doch aufgrund der hohen Preisdifferenz zwischen Palladium und Platin erwartet der WCIP bereits für das kommende Jahr einen allmählichen Wechsel bei Benzinern in China und Nordamerika. Ein Trend, der Platin im nächsten Jahr den Platz an der Sonne unter den Edelmetallen bescheren könnte. Nachholpotenzial ist jedenfalls reichlich vorhanden.

 


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