Leben ohne ZinsVorsicht bei Konsumkrediten

Rund 281 Euro wollen die Deutschen 2019 für Weihnachtsgeschenke ausgeben
Rund 281 Euro pro Person wollen die Deutschen 2019 für Weihnachtsgeschenke ausgebenBild von tookapic auf Pixabay

Mattheo Albrecht* hat schon mal geschaut, was seiner Frau und ihm so zusagen könnte: Das Ehepaar aus Köln sucht derzeit ein Auto, weil Frau Albrecht ihren Dienstwagen in den nächsten Monaten abgeben muss. Sie geht in Mutterschutz. „Wir liebäugeln mit einem Bus“, sagt Albrecht. Schließlich brauchen sie nicht nur Platz für das erste Kind – sondern auch für den Hund, einen stattlichen Scottish Deerhound. Wer mit ihm spricht, der merkt: Ein Modell von Renault sagt dem 34-Jährigen durchaus zu, Kostenpunkt: circa 30 000 Euro als Jahreswagen. Albrecht hat auch schon geschaut, wie seine Frau und er das stemmen könnten. „Die Finanzierungen sind ja derzeit nicht so schlecht“, sagt er.

Wobei das noch nicht ganz beschreibt, was derzeit am Markt für Raten- und Konsumentenkredite los ist: Manche Autos können Käufer zu null Prozent Zinsen finanzieren – und immer wieder offerieren Anbieter sogar Kredite, bei denen Kunden weniger Geld zurückzahlen müssen, als sie geliehen haben. Bloß: Solch billige Kredite sind viel tückischer, als viele Verbraucher meinen. „Dass es derzeit so günstige Kredite gibt, sollte nicht der Ansatzpunkt sein, um ein Darlehen aufzunehmen. Die Frage sollte lauten, ob man ihn wirklich braucht“, sagt Stefanie Laag, Kreditexpertin der Verbraucherzentrale NRW.

Vorsicht, Lockangebote

Die Gefahr bei den günstigen Krediten ist: Sie verleiten dazu, flott Geld zu leihen – was später nur Ärger bereitet. „Wer seinen Konsum jetzt stark über Kredite finanziert, beschränkt seine Möglichkeiten, Vermögen aufzubauen oder fürs Alter vorzusorgen“, warnt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Schließlich gilt: Gezahlte Zinsen sind Kosten, während erhaltene Zinsen Einnahmen sind. An dieser Gleichung ändern auch die Niedrigzinsen nichts.

Gerade Kredite aber, bei denen Verbraucher weniger als das geliehene Geld zurückzahlen müssen, sind häufig nur Lockangebote. Die wenigsten erhalten diese Minusdarlehen überhaupt – und wer keines erhält, leiht sich dann womöglich Geld, das zwar immer noch günstig ist, jedoch trotzdem Zinsen kostet.

„Ich muss mich aber immer fragen, ob ich mir den Kredit leisten und die Raten stemmen kann“, sagt Laag. Zuerst sollten Verbraucher darum – unabhängig von den Zinsen des Kredits – einen Blick in die Vergangenheit werfen und prüfen, ob sie im vergangenen Jahr monatlich überhaupt das Geld gehabt hätten, um den Kredit zu tilgen. Und sich dann fragen, ob das auch für die Zukunft gilt.

Preise vergleichen lohnt sich

Zudem können Null-Prozent-Kredite noch aus einem zweiten Grund kostspielig werden: Auto-, Elektro- und Möbelhäuser schlagen die Kosten des Darlehens gern mal auf den Preis des Produkts auf. Es kann deshalb günstiger sein, Preise zu vergleichen und einen etwas teureren Kredit aufzunehmen. Und wer bar bezahlt, kann zudem nach einem Rabatt fragen, weil der Händler das Geld sofort erhält.

Ein weiterer Knackpunkt: Manchmal gilt der Null-Prozent-Kredit nur für einen so kurzen Zeitraum, dass Verbraucher ihn unmöglich zurückzahlen können. Danach verlangt die Bank dann hohe Zinsen. Obendrein verkaufen Geldhäuser mit den Krediten auch gern Restschuldversicherungen. Sie sollen, so die Idee, den Kredit für einen Verbraucher tilgen, falls er stirbt oder arbeitslos wird. Das Praxisproblem: „Oft deckt die teure Versicherung gerade solche Fälle nicht ab, deshalb raten wir davon ab“, sagt Laag. Die günstigen Kredite sind also ein Beispiel dafür, dass Dinge trotz Niedrigzins weiter einen Preis haben.

*Der Name des Protagonisten wurde verändert.


Der Beitrag stammt aus dem Capital-Schwerpunkt „Leben ohne Zins“ und wurde erstmals in der Print-Ausgabe 11/2019 veröffentlicht. Die Ausgabe mit dem ganzen Special bekommen Sie hier.