BörsenausblickSo wird das neue Börsenjahr: Fünf Thesen für 2021

Symbolbild Börseimago images / Sven Simon

Das laufende Jahr hat deutlich gezeigt, was Börsenprognosen wert sind: Im Zweifel nicht sonderlich viel. Was hatten Analysten nicht alles für 2020 prophezeit. Eine Pandemie, die zur tiefsten Rezession seit Jahrzehnten führen würde, war nicht dabei. Auch damit, dass die Aktienkurse in einem der drastischsten Wirtschaftsrückgänge aller Zeiten rasant steigen würden, hatte wohl kaum jemand gerechnet. Sollte man für nächstes Jahr also gar keine Prognosen wagen, nur passiv abwarten, was kommt? Nein. Denn den Kopf in den Sand zu stecken ist auch keine Lösung. Fünf Thesen für 2021.

#1 Die Zinsen bleiben tief

Es braucht nicht viel Chuzpe, um vorherzusagen, dass die Leitzinsen im kommenden Jahr weiterhin niedrig sein werden. Erst im Dezember hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Anleihekäufe um weitere 500 Mrd. Euro erhöht. Die Staaten der Eurozone stehen mittlerweile mit dermaßen hohen Summen bei der EZB und anderen Bond-Käufern in der Kreide, dass viele von ihnen unter höheren Zinsen schlicht zusammenbrechen würden. Weil das niemand will, bleiben die Zinsen wohl auf einem Niveau, das den Staaten den Schuldendienst erleichtert. Daran dürfte selbst eine höhere Inflationsrate nichts ändern. Derzeit ist die EZB von ihrem Inflationsziel in Höhe von knapp zwei Prozent ohnehin weit entfernt. Zudem könnte sie, wie es auch die US-Notenbank angekündigt hat, ein Überschießen der Teuerung vorübergehend akzeptieren.

#2 An den Aktienmärkten geht es weiter aufwärts…

Investoren preisen momentan ein, dass die Pandemie im kommenden Jahr ein Ende finden wird, den neuen Impfstoffen sei Dank. Sie rechnen mit einer starken Wirtschaftserholung und steigenden Unternehmensgewinnen. Tatsächlich stehen die Chancen gut, dass 2021 kein solches Desaster wird wie 2020. Zwar drohen bis zur Herdenimmunität weitere Infektionswellen mit neuen Lockdowns. Das hat Anleger aber schon Ende dieses Jahres nicht gestört: Die Aktienkurse stiegen zuletzt quasi im Gleichschritt mit den Infektionszahlen. Das zeigt einmal mehr, dass an der Börse eben nicht der Status Quo zählt, sondern Erwartungen gehandelt werden.

#3 … aber mit gebremstem Schwung

Wenn die Pandemie vorbei ist, erholt sich die Wirtschaft aller Voraussicht nach rasant – und die Aktienkurse schießen noch steiler nach oben? Eher nicht: In den Bewertungen ist ein großer Teil der erwarteten Erholung bereits eingepreist. Wahrscheinlicher ist, dass sich der Aufwärtstrend im kommenden Jahr weniger rasant und dafür stetiger fortsetzt. Diese These steht allerdings auf wackeligen Beinen. Schließlich kam es auch 2020 völlig anders als gedacht.

#4 Der Goldpreis macht, was er will

Liest man Prognosen zur Entwicklung des Goldpreises, weiß man hinterher: Der Preis des Edelmetalls wird im kommenden Jahr entweder fallen oder steigen, vielleicht aber auch seitwärts laufen. Letztlich sind Überlegungen zum Goldpreis immer etwas müßig, weil niemand so recht weiß, welche Faktoren für seine Entwicklung eine besonders große Rolle spielt: die Zinsen, die Inflation oder doch eher der Risiko-Modus an den Aktienmärkten? Die niedrigen Zinsen und Anleiherenditen sprechen zwar dafür, dass der Goldpreis im kommen Jahr weiter anzieht. Die Risikolust unter Aktieninvestoren spricht aber eher dagegen. Konservative Anleger sollten jedenfalls nicht der Versuchung erliegen, einen großen Teil ihres Kapitals in einen Rohstoff mit derart erratischer Preisentwicklung zu stecken.

#5 Corona bleibt Thema Nummer eins

Anfang 2020 konnte sich niemand vorstellen, dass ein kleines Virus bald die ganze Welt in Atem halten würde. Zum Jahresende kann sich niemand vorstellen, dass es bald wieder ein Leben ohne Corona gibt. Tatsächlich dürfte das Virus auch im kommenden Jahr das Top-Thema an den Märkten sein: In welchen Ländern erholt sich die Wirtschaft besonders rasch, wo noch nicht, welche Branchen können durchatmen, wo gibt es noch Einschränkungen? Auch diese These ist allerdings mit Vorsicht zu genießen. Schließlich hat sich das Coronavirus oft anders verhalten, als man es von ihm erwartet hatte.

 


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