GoldCapital erklärt: Was Sie jetzt über den Goldpreis wissen müssen

Wie steht es um den Goldpreis in der Krise?imago images / Martin Bäuml Fotodesign


In unserer Reihe Capital erklärt geben wir einen komprimierten Überblick zu aktuellen Wirtschaftsthemen. Diesmal: die Deutsche Bahn und der öffentliche Nahverkehr – mit Redakteur Stefan Schaaf, der bei Capital unter anderem über Geldpolitik und Finanzen schreibt.


Gold gilt gemeinhin als sichere Anlage. Wann ist der beste Zeitpunkt, Gold zu kaufen?

Grundsätzlich nicht dann, wenn gerade Krise ist. Gold ist dann nämlich teuer. Gehen wir mal einen Schritt zurück: Gold hat tatsächlich den Ruf als sichere Anlage, was letztlich dadurch bedingt ist, dass viele diesen unerschütterlichen Glauben an Gold als Anlage haben. An sich haben wir es aber mit einem Industriewertstoff zu tun, der auch für die Handyproduktion notwendig ist. Wer sich Goldbarren oder -münzen zulegt, der hat ein großes Vertrauen darin, dass diese wertbeständig bleiben. Das war Gold in der Vergangenheit auch und wird es mutmaßlich auch zukünftig sein. Aber man sollte im Hinterkopf behalten, dass Gold eben von diesem Vertrauen lebt.

Wer sich gut fühlt damit, in Gold anzulegen, dem sei empfohlen, sich auf Krisen langfristig vorzubereiten. Wie man das mit vielen anderen Dingen ja auch tut. Eine Hausratsversicherung schließe ich nicht erst ab, wenn der Einbrecher bereits in der Wohnung steht. Genauso sollte man Gold dann kaufen, wenn die Lage an den Kapitalmärkten ruhig ist. Dann ist Gold verhältnismäßig günstig. Wenn der DAX also hochsteht oder gar Rekordstände erreicht, ist der Kauf von Gold am ehesten zu empfehlen. Eine stabilisierende Funktion hat Gold nur dann in einer Krise, wenn man es vor der Krise kauft.

Für den Werterhalt muss der Preis steigen

Seit dem Corona-Crash an den Finanzmärkten setzen einige Privatanleger verstärkt auf den Goldkauf. Ist das eine gute Idee?

Angst ist immer ein schlechter Ratgeber. In der Krise, in der Angst oft eine Begleiterscheinung ist, sollte man niemals plötzlich anfangen, sein Hab und Gut zu Gold zu machen. Wenn man langfristig spart und anlegt, ist es sinnvoll, einen Teil seines Geldes in Gold anzulegen. Es gibt beispielsweise Mischfonds, die einen Teil ihres Vermögens in Gold anlegen. Wenn man die regelmäßig bespart, kann das in kleinen Teilen enthaltene Gold eine stabilisierende Funktion einnehmen.

Wenn Aktienmärkte aber ins Bodenlose fallen, ist ein Goldkauf nie ratsam. Beim DAX war das in der Krise der Fall. Dann steigt der Goldpreis in der Regel, was den Ankauf schlicht zu teuer macht. Gold wirft ja keine Erträge ab, wie man das von Aktien kennt, wo man Dividenden bekommt. Anders als bei Immobilien, die Mieteinnahmen abwerfen, oder Sparkonten, auf die ich eventuell Zinsen bekomme, bringt mir Gold keine Einnahmen. Damit der Wert von Gold also auf Dauer erhalten bleibt, muss auch der Preis steigen. „Man muss den nächsten Dummen finden“, sagt man dazu an den Kapitalmärkten manchmal herablassend.

Dazu kommen die Kosten, die der Besitz von Gold nach sich zieht. Ich brauche einen Tresor zuhause oder muss für die Miete eines Bankschließfachs bezahlen. Gold zu Hause aufzubewahren, schlägt auf die Nerven. Und schließlich müssen Goldhändler ja auch ihre Kosten, etwa für Werbung, decken können. Das führt zum sogenannten Aufgeld, also der Spanne zwischen An- und Verkaufspreis. Diese liegen in der Regel zwischen drei und vier Prozent. In der Krise verzeichnete man nun einen Aufschlag von acht bis 15 Prozent. Der Goldpreis muss also massiv steigen, damit keine Verluste entstehen.

Goldpreis kletterte auf Rekordniveau

Zu Anfang der Corona-Krise fiel der Goldpreis zunächst um zehn Prozent. Wieso das?

Stimmt. Um das zu verstehen, müssen wir wissen, dass Privatanleger für den Goldmarkt nicht entscheidend sind. Profi-Investoren tätigen ihre Aktienkäufe häufig über Kredite – und wenn die Kurse fallen, müssen sie alles zu Geld machen was sie an Anlagen haben. Deshalb haben sie zu Beginn des Corona-Crashs auch Gold verkauft. Das hat den Preis rapide absinken lassen. In wirklichen schweren Krisenzeiten – also dem Armageddon, über das Crash-Propheten gern schreiben –  dürfte der Goldpreis ohnehin ins Bodenlose fallen, wie viele ihr Gold verkaufen müssen. Wir kennen das im Grunde aus der Nachkriegszeit, als Menschen ihre Wertgegenstände oder ihr Silberbesteck gegen Kartoffeln und andere Lebensmittel eingetauscht haben.

Wie sehr beeinflusst der Ansturm auf Gold den Goldpreis?

Sprechen wir von „dem Goldpreis“, meinen wir in der Regel den Londoner Goldpreis – Bullion genannt. Er spiegelt den Handel von institutionellen Akteuren wider. Bald nach dem Fall im März kletterte der Goldpreis schnell auf ein Rekordniveau. Es gab während der Krisenphase einen Ansturm sowohl auf Anlageprodukte wie Xetra-Gold aber auch auf physisches Gold in Form von Münzen und Barren. Warum das für Anleger ein schlechtes Geschäft ist, habe ich ja schon erklärt. Ein wichtiger Faktor für den Goldpreis ist die Entwicklung der Zinsen. Wenn es keine Zinsen auf dem Tagesgeldkonto gibt, kann ich ebenso in das ertragslose Gold anlegen. Bekomme ich jedoch 2 Prozent Zinsen, verliert Gold im Vergleich an Attraktivität. Ökonomen sprechen in diesem Fall von Opportunitätskosten – also den Kosten dafür, die Opportunität von 2 Prozent Zinsen nicht anzunehmen, weil man in Gold anlegt.

Je höher der Zinssatz jeweils ist, desto weniger sinnvoll wird die Investition in Gold. Die Zinsentwicklung sollte man also stets im Auge behalten. Außerdem zeigt dieser Gedanke, dass Gold, anders als manche Verkäufer behaupten, kein sehr guter Schutz gegen Inflation ist – jedenfalls solange Notenbanken ihr Mandat der Preisniveaustabilität ernst nehmen und bei steigenden Preisen die Leitzinsen anheben. Steigen jedoch die Zinsen, so kann der Goldpreis durchaus fallen.

Verteilung des Risikos

Lohnt sich der Goldkauf nach dem Anstieg des Goldpreises überhaupt noch? 

Ein Kauf lohnt sich jetzt schon wieder eher als auf den Rekordständen Ende März. Ich würde denjenigen, die Gold kaufen wollen, dennoch empfehlen, lieber jetzt eine Hälfte des für den Goldkauf eingeplanten Geldes zu investieren, und in einigen Monaten dann erst den Rest zu erwerben. Das verteilt das Risiko etwas, dass man zu teuer kauft.

Gibt es Alternativen zu Münzen und Barren?

Auf jeden Fall. Eine weitere Möglichkeit wäre die Investition in ein Exchange Traded Products (ETP). Das ist ein dem ETF ähnliches Produkt, welches reales Gold hält. Geht der Emittent pleite, so könnte das Gold verkauft und die Anleger ausbezahlt werden. Der Vorteil ist, dass diese Produkte sehr günstig für Anleger sind und damit nicht die hohen Kosten aus Kauf und Lagerung von Münzen und Barren sowie das erhebliche Aufgeld beim Kauf anfallen.