RuhestandSo sorgen Sie richtig fürs Alter vor

Symbolbild Altersvorsorge
Symbolbild AltersvorsorgeGetty Images

Die Überschrift eines Artikels im „Münchner Merkur“ Anfang Februar bringt es auf den Punkt: „Frau (60) fällt aus allen Wolken – als sie erfährt, wie viel Rente sie später bekommen soll“. Viele Deutsche haben das Vertrauen in die gesetzliche Rente verloren. Nur 17 Prozent der 20- bis 65-Jährigen glauben noch, dass sie im Ruhestand mit der gesetzlichen Rente ihren Lebensstandard aufrechterhalten können, zeigt eine aktuelle Studie der Deutschen Bank. Umso wichtiger ist es, für die Zeit nach dem Berufsleben ausreichend vorzusorgen.

Grundsätzlich gilt: Sparer sollten sich nicht auf eine Form der Altersvorsorge verlassen, sondern immer auf mehrere Säulen setzen, sagt Thomas Saar, Spezialist für Baufinanzierung und Versicherung beim Finanzdienstleister Dr. Klein. Als klassische Orientierungshilfe dient das sogenannte Drei-Säulen-Modell. Die gesetzliche Rentenversicherung stellt die erste Säule – die Basis also. In bestimmten freien Berufen lässt sich zudem über Versorgungswerke Geld ansparen. Davon profitieren zum Beispiel Ärzte, Anwälte und Architekten. Für Selbstständige kommt wiederum die sogenannte Rürup-Rente in Betracht. Die eingezahlten Beiträge werden als Rente ausgezahlt.

Die zweite Säule bildet die geförderte Vorsorge. Dazu zählt vor allem die betriebliche Altersversorgung (bAV). Dabei zahlen Arbeitnehmer einen Teil ihres Bruttogehalts in eine Rentenversicherung ein, die das Unternehmen auswählt. Seit 2019 müssen Arbeitgeber mindestens 15 Prozent dazugeben. Je höher die Arbeitgeberbeteiligung ausfällt, desto mehr lohnt sich das Modell für Arbeitnehmer. Auch die Riester-Rente gehört zu den geförderten Vorsorgeprodukten. Der Staat unterstützt Riester-Sparer etwa mit Steuervorteilen und Zulagen für Kinder. Experte Saar warnt jedoch: „Ein Riester-Vertrag lohnt sich nur dann, wenn er bis zum Ende bedient wird. Wer eher aussteigt, muss Steuervorteile und staatliche Förderungen zurückzahlen.“

Früh beginnen

Um sich ein drittes Vorsorge-Standbein zu schaffen, sollten Sparer auch privat vorsorgen – etwa mit einer privaten Rentenversicherung. Das klassische Modell mit garantiertem Sparzins lohnt sich jedoch nicht mehr, sagt Saar. Wegen der niedrigen Zinsen liefern solche Produkte inzwischen nahezu keine Rendite. „Fondsgebundene Rentenversicherungen sind eine sinnvolle Alternative“, sagt der Experte. Dabei handelt es sich im Prinzip um Fondssparpläne, deren Erträge als monatliche Rente oder einmaliger Betrag an den Anleger ausgezahlt werden. Sparer können hier mit höheren Renditen rechnen – jedoch sind auch Verluste durch Börsenschwankungen möglich. Verbraucherschützer kritisieren zudem teils hohe Kosten. Saar empfiehlt, die Fonds hinter der Rentenversicherung breit zu streuen oder ein Mischprodukt aus fondsgebundener und klassischer Rentenversicherung zu wählen. Sparer können natürlich auch selbst direkt in Aktien, Anleihen oder Fonds investieren.

Je früher man mit der Altersvorsorge beginnt, desto besser, sagt Michael Hauer, Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung. Wer später anfängt, muss nämlich mehr Geld einzahlen, um die Rentenlücke zu schließen. Das heißt nicht, dass Mittfünfziger panisch in diverse Anlageprodukte investieren sollten. Tatsächlich bietet sich für ältere Sparer eher eine konservative Strategie an, damit sie nicht mit Verlusten in den Ruhestand starten. Risikoreiche Anlagen kommen eher für jüngere Sparer infrage. „Bei Laufzeiten von mehr als zwölf Jahren macht eine Investition in Aktienfonds oder ETFs auf jeden Fall Sinn“, sagt Vorsorgeexperte Hauer. „Bei kürzeren Laufzeiten wird das Risiko größer.“

Anleger, die mit Aktien und Co. fürs Alter vorsorgen und monatlich einen kleineren Betrag investieren, können sich mit einem Kniff selbst disziplinieren: Eine automatische Überweisung transferiert das Kapital zu einem festen Zeitpunkt in das Anlageprodukt. So kommt man gar nicht erst in Versuchung, das Geld anderweitig auszugeben.

 


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