GeldanlageSo navigieren Anleger durch die Dividenden-Flaute

Symbolbild Geldanlage
Symbolbild GeldanlageGetty Images

Es ist noch gar nicht so lange her, da waren die Aussichten für die Dividendensaison 2020 gar nicht übel. Zwar hatten einige Konzerne angekündigt, weniger Geld auszuschütten als in den Vorjahren. Alles in allem konnten sich Aktionäre aber auf einen warmen Geldregen freuen. Dann kam Corona. Die Pandemie hat die Wirtschaft in atemberaubendem Tempo in eine Rezession ungekannten Ausmaßes gestürzt. Unternehmen, die zu Jahresbeginn noch mit starken Zahlen geglänzt hatten, kämpfen jetzt ums Überleben. Immer mehr Firmen streichen ihre Ausschüttungen zusammen oder lassen sie komplett ausfallen. Wer Nothilfe vom Staat beantragt, darf in Deutschland und einigen anderen Ländern sogar ausdrücklich keine Dividende zahlen. Lufthansa, Adidas, Hugo Boss – die Liste der Unternehmen, die eine Nullrunde ankündigen, wird immer länger.

„Eine Welle von Dividendenstreichungen rollt über die Märkte“, konstatiert Michael Bissinger, Aktienanalyst der genossenschaftlichen DZ Bank. In Europa haben bereits 24 Prozent der Unternehmen die Ausschüttungen ausgesetzt, berichtet er. Das betreffe sowohl die Dividende für 2019 als auch für das laufende Geschäftsjahr. „Wir gehen davon aus, dass die Ausschüttungen in den kommenden Monaten weiter reduziert werden“, sagt Bissinger. Er hält einen Rückgang von rund 40 Prozent für möglich. „Das wäre vergleichbar mit den Kürzungen in Europa während der Finanzkrise“, erklärt er. Viele Unternehmen kommen nicht umhin, in der aktuellen Krise zuallererst ihre Liquidität zu sichern und ihre Bilanzen zu stärken.

Nicht in allen Branchen wird die Dividende gestrichen

Die Dividenden-Ausfälle dürften viele Anleger kalt erwischen. In den vergangenen Jahren hatten immer mehr Investmentgesellschaften Dividenden zum „neuen Zins“ erklärt, zur verlässlichen Renditequelle in Zeiten negativer Realzinsen. Jetzt zeigt sich, dass das Rendite-Risiko-Profil von Anleihen und Dividendenaktien eben doch nicht vergleichbar ist.

Die gute Nachricht lautet: Die Kürzungen betreffen offenbar nicht alle Branchen gleichermaßen stark. „Besonders in den Sektoren Banken, Industrie, Reise und Freizeit, Medien sowie Einzelhandel sind überdurchschnittlich viele Dividendenstreichungen zu sehen“, sagt Bissinger. So haben 61 Prozent der europäischen Banken die Ausschüttungen vorerst abgesagt. In der Gesundheits-, Chemie- und Telekommunikationsbranche scheinen die Ausschüttungen dagegen relativ stabil zu bleiben.

Auch regional hat der DZ-Bank-Analyst Unterschiede ausgemacht. „Am stärksten von Kürzungen betroffen sind Unternehmen aus Polen, Irland, Großbritannien, Schweden und Frankreich“, sagt er. Am resilientesten zeigen sich Firmen aus Luxemburg, Finnland und der Schweiz. Auch deutsche Unternehmen stehen im internationalen Vergleich gut da. Bislang haben nur zwölf Prozent von ihnen die Dividende gestrichen.

Auf Qualitätsunternehmen setzen

Wer über Einzelaktien eine Dividendenstrategie verfolgt, tut unter Umständen gut daran, auf Sektor- und Länderebene umzuschichten – jedenfalls, wenn die Dividenden weiter fließen sollen. In der kommenden Zeit dürften noch mehr Firmen ihre Ausschüttungen senken oder streichen, warnt Jérémie Fastnacht, Hauptmanager des Fonds BL Equities Dividend von Banque de Luxembourg Investments (BLI). Er rät Dividendenjägern dazu, sich auf Qualitätsunternehmen mit starker Marktmacht, stabilen Cashflows und soliden Bilanzen zu fokussieren sowie Unternehmen mit allzu zyklischem Geschäft eher zu meiden.

Fastnacht folgt selbst einem solchen vorsichtigen Ansatz. Die Entwicklung seines Fonds gibt ihm Recht: Von 31 Unternehmen im Portfolio haben bislang nur zwei ihre Dividende gekürzt, berichtet er. „Die anderen 29 haben ihre Dividende je Aktie für 2020 gehalten oder gesteigert, im Schnitt um sechs Prozent.“ Der Fondsmanager ist sich sicher: Die Corona-Krise wird die Bedeutung von Dividenden in der Geldanlage nicht dauerhaft schmälern. „Ausschüttungen zeichnen langfristig für einen signifikanten Teil des Gesamtertrags von Aktien verantwortlich, vor allem während herausfordernder Zeiten“, sagt er.

 


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