AktienDividenden? Vorläufig gestrichen!

Händler an der Frankfurter Börse: In unsicheren Zeiten heißt es, Nerven bewahren dpa

Eigentlich könnte man sich darüber freuen, dass die deutsche Wirtschaft zurzeit rund 44 Mrd. Euro übrig hat, die unters Volk gebracht werden sollte. Diese Summe nämlich wollte die börsennotierten Unternehmen in den kommenden Wochen an ihre Aktionäre verteilen, als Belohnung dafür, dass die derzeit ihre Anteilsscheine halten. Und natürlich könnte man das Geld jetzt noch einmal mit vollen Händen austeilen, gerade weil man nicht weiß, was morgen kommen wird. Doch machen wir uns nichts vor: kaufmännisch clever wäre es nicht.

Deswegen wird aus dem großen Geldsegen erst einmal nichts: Etliche Firmen haben bereits angekündigt, die Dividenden in diesem Jahr entweder mächtig zusammenzukürzen oder sogar ganz zu streichen. Viele Dax-Konzerne und vor allem Banken üben sich nun in Enthaltsamkeit Und das ist auch gut so. Obwohl es natürlich schmerzhaft für viele Aktienbesitzer ist.

Denn etliche Anleger mit Einzelaktien oder Dividendenfonds werden schon händeringend auf die jährliche Ausschüttung gewartet haben. Schließlich brüsteten sich die Dax-Konzerne zuletzt damit, eine so große Summe auszuzahlen wie noch nie. Und viele Finanzexperten betonten immer wieder, wie sinnvoll der Besitz von Dividendenpapieren in diesen Tagen sei. Dividenden seien die neuen Zinsen, diesen Slogan hörte man immer wieder.

Was damit gemeint war: Es sei für Anleger gar nicht so dramatisch, dass die Erträge von Festgeldern und Anleihen inzwischen dahingeschmolzen seien. Denn wer stattdessen auf Aktien setze – was ja zuletzt als nahezu alternativlos galt – der könne ebenfalls regelmäßige Erträge einstreichen, in Form der Dividenden eben. Tatsächlich betrug die Dividendenrendite zuletzt bei vielen deutschen Großunternehmen fünf Prozent oder mehr.

Ansehnliche Dividendenrenditen mit Aktien oder Fonds

Wer sich noch vor vier Wochen ein Portfolio der stärksten Dividendenzahler aus Dax und MDax zusammenstellte, der konnte mit zehn Einzelaktien auf 5,07 Prozent Dividendenrendite kommen. Er hätte nur Papiere von Metro, Pro Sieben Sat 1, Covestro, BASF, BMW, Allianz und ein paar anderen deutschen Großfirmen kaufen müssen.

Etwas weniger üppig aber immerhin noch sehr lukrativ wäre auch der Kauf von Dividendenaktienfonds gewesen, etwa von DWS, DJE oder Deka. Damit waren bei einer 100.000-Euro-Anlage zuletzt Erträge zwischen 1500 und 2800 Euro pro Jahr drin. Das entspricht immerhin 125 bis 233 Euro im Monat, was für viele Aktionäre also regelmäßige Zusatzeinnahmen zur Aufbesserung von Gehalt oder Rente bedeutet hätte.

Es war allerdings auch eine gewagte Strategie, so viel Geld auf diese Fonds zu setzen, zugegeben. Doch bündeln solche Fonds klassischerweise die besten Dividendenzahler des Landes. Und sie wählen überdies auch häufig jene Firmen aus, bei denen die jährlichen Ausschüttungen nicht nur sehr üppig sprudeln, sondern auch über lange Jahre sehr konstant. Sie setzten also auf den Dividendenadel, so heißen die verlässlichen Topzahler im Branchenjargon.

Wie immens die Auszahlungsbeträge allein im Dax über die Jahre insgesamt angestiegen sind, das verdeutlichen vor allem diese beiden Zahlen: 44 Mrd. Euro an Dividenden hätten es in diesem Jahr sein sollen, vor 20 Jahren im Jahr 2000 waren es gerade einmal rund 15 Milliarden. Damit hat sich also die Gesamtauszahlung fast verdreifacht. Besser gesagt: Sie hätte es getan, wenn nicht die Corona-Krise dazwischengekommen wäre.