Aktien So können Anleger vom Fahrrad-Boom profitieren

Fahrräder boomen in der Pandemie
Fahrräder boomen in der Pandemie
© Michael Kneffel / IMAGO
In der Coronakrise haben viele Menschen das Fahrrad neu für sich entdeckt. Während der Weg aufs Rad recht unkompliziert ist, müssen Anleger interessante Aktien aus dem Segment etwas länger suchen

Durch die Covid-19-Pandemie haben viele Bürger nicht ganz freiwillig ihre Liebe zur Natur wiederentdeckt. Selten wurde so viel gewandert, geklettert und geradelt wie im vergangenen Jahr. Fahrradhersteller profitieren vom Corona-bedingten Outdoor-Boom: In den USA schossen 2020 nach Angaben der Bank of America die Ausgaben für Fahrräder nach vier Jahren Sinkflug um 55 Prozent in die Höhe. In Deutschland stieg der Absatz laut dem Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) um knapp 17 Prozent, auf fünf Millionen verkaufte Fahrräder.

Folgt auf den rasanten Anstieg bald der tiefe Fall? Eher nicht. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege bei der Deutschen Bank, schreibt in einer Einschätzung zur Branche: „Das Momentum der Radindustrie sollte auch 2021 anhalten. Die Auftragsbücher sind voll und die Nachfrage verschiebt sich zunehmend hin zu teureren Modellen.“ Besonders E-Bikes, also Fahrräder mit Elektromotor, werden immer beliebter. In Europa hat sich die Zahl der verkauften E-Bikes im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2019 um mehr als 40 Prozent erhöht, zeigen Zahlen des ZIV.

Im Stadtverkehr sind Elektroräder eine umweltfreundliche Alternative zum Auto. „Steigende Investitionen in Radwegenetze machen das Fahrrad als Fortbewegungsmittel in Städten attraktiver“, urteilt Stephan. Gleichzeitig belasteten allerdings Preissteigerungen bei Vorprodukten und Rohstoffen – wie Gummi mit plus 40 bis 50 Prozent oder Aluminium mit plus 10 bis 15 Prozent – sowie hohe Frachtkosten die Margen der Fahrradproduzenten. In diesem Jahr laufen zudem US-Zollbefreiungen für Importfahrräder aus. „Fahrradfahren wird zur neuen Saison um zirka zehn Prozent teurer, da die Hersteller mit Lieferengpässen zu kämpfen haben“, ergänzt David Wehner, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Do Investment. Die Frage ist, ob die Kunden mitziehen, wenn Hersteller die höheren Kosten auf sie umlegen.

Keine Fahrrad-Aktie aus Deutschland

Wie können Anleger vom Fahrrad-Boom profitieren? Wer nach deutschen Titeln sucht, wird schnell enttäuscht: Keiner der hiesigen Fahrradhersteller ist an der Börse notiert. Die Weltmarktführer finden Investoren in Asien. Giant Manufacturing ist der größte Produzent von Zweirädern in Taiwan und betreibt Produktionsstätten in China und Europa. Auch der Fahrradhersteller Merida kommt aus Taiwan. Beide Unternehmen haben als Investmentkandidaten jedoch gleich zwei Haken: Erstens bescheinigen Marktexperten den Firmen immer wieder mangelnde Transparenz. Zweitens erhebt die EU-Kommission seit 2019 Zölle auf E-Bikes aus Taiwan, das drückt auf die Margen der dortigen Exporteure.

Eine asiatische Alternative für Anleger ist der japanische Ausrüster Shimano. Das Unternehmen stattet jedes zweite Rad weltweit mit Schaltungen, Ketten oder Bremsen aus und ist mit einem eigenen E-Antrieb am Markt. Seine Aktie hat zuletzt im Rahmen eines übergeordneten Aufwärtstrends leicht nachgegeben. Die Schwäche bietet Chancen zum Einstieg.

Die niederländische Accell Group ist der größte Radhersteller Europas. Allein im Jahr 2019 verkaufte er 943.000 Räder. Den größten Anteil daran hatten die Marken Ghost, Haibike, Winora und Lapierre. Die starken Verkäufe sind das eine. Auf der anderen Seite hatte der Konzern zuletzt Probleme nach einer Restrukturierung. Grundsätzlich sollten Anleger, die sich für Fahrradaktien interessieren, bei der Einzeltitelauswahl sorgfältig vorgehen und viel Geduld mitbringen – nicht zuletzt, weil die Branche sehr zyklisch ist.

Wer sich etwas breiter aufstellen will, kann die Aktie von Pierer Mobility in Betracht ziehen. Das österreichische Unternehmen ist vor allem als Motorrad- und Sportwagenbauer bekannt, führt aber auch eine ansehnliche Auswahl an hochwertigen E-Bikes. Nach einem Einbruch im Pandemiejahr 2020 rechnen Analysten noch in diesem Jahr mit einer Erholung der Unternehmensgewinne. Spannend sind auch Zulieferer wie Panasonic. Das Unternehmen aus Japan war eines der ersten, das Elektromotoren für Fahrräder entwickelt hat.

Ebenfalls elektrisch, aber nicht vom Fleck zu bewegen, sind die Heimtrainer von Peloton. Die US-Firma profitiert mit ihren Produkten vom Trend zum Heimsport, der wohl auch nach der Krise nicht wieder ganz verschwinden dürfte. Peloton ist noch jung, konnte 2020 das erste Mal schwarze Zahlen schreiben und ist in einem schnell wachsenden Markt gut positioniert. Das Unternehmen ist an der Börse momentan allerdings sehr hoch bewertet.


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