Geldanlage SDax: Von Glücksrittern und anderen Schurken

Boersensaal der Deutschen Börse in Frankfurt am Main
Boersensaal der Deutschen Börse in Frankfurt am Main
© sepp spiegl / IMAGO
Diese Woche wurde die SDax-Zusammensetzung aktualisiert. Was ist neu? Und welche Nebenwerte haben dieses Jahr am besten performt?

Bei der Deutschen Börse gilt seit diesem Herbst eine neue Indexrechnung. 40, 50, 70 lautet die neue Formel für die Kandidatensuche der drei wichtigsten Börsenindizes auf dem Frankfurter Parkett. Heißt konkret: Die 40 Titel mit der größten Marktkapitalisierung gehören neuerdings zum Dax, die 50 Werte dahinter zählen zum MDax der mittelgroßen Gesellschaften, und daran anschließend umfasst der Nebenwerteindex SDax die 70 nach Marktkapitalisierung größten Unternehmen klassischer Branchen unterhalb des MDax. Der SDax ist – und bleibt – damit sozusagen das Barometer der Leitwerte unter den Nebenwerten, der größten unter den kleinen Aktien, die an der Deutschen Börse gelistet sind.

Nebenwerte üben auf Privatanleger oft eine besondere Anziehungskraft aus. Schließlich kann man hier jenseits des Mainstreams investieren und womöglich noch einen Wert entdecken, den die großen institutionellen Anleger schon deshalb links liegenlassen, weil für Großeinkäufer gar nicht genug Aktien im Angebot sind. Zugleich schwanken Small-Caps, also gering kapitalisierte Aktien, oft besonders stark – das kann Fluch und Segen zugleich sein. In jedem Falle ist im SDax eine Menge Bewegung drin.

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Drei Neuzugänge im Dezember

Das zeigt sich in diesen Tagen mal wieder ganz besonders. Denn zum Dezember hat die Böse die Indexzusammenstellung turnusgemäß überholt. Drei Titel kamen neu hinzu und verdrängten Unternehmen, die im Ranking der Marktkapitalisierung im vergangenen Halbjahr zurückfielen. Neu im SDax sind nun der Automobilzulieferer Vitesco, eine Abspaltung des Reifenherstellers Continental, der IT-Dienstleister GFT Technologies und Heidelberger Druckmaschinen. Die Online-Möbelhändler Home24, Westwing und das Rüstungsunternehmen Hensoldt flogen raus.

Die Wechselkandidaten verdienen besondere Beachtung, denn sie zeigen exemplarisch, warum der SDax so viele Spekulanten anzieht. Heidelberger Druck etwa ist ein Wiederaufsteiger. Im Frühjahr 2020 war das Unternehmen aus dem Börsenbarometer gefallen. Zuvor war der Aktienkurs auf 77 Cent abgesunken. Ein halbes Jahr lang dümpelte der dann richtungslos herum, setzte im Lauf dieses Jahres aber zu einem Höhenflug an. Aktuell notiert die Aktie bei 2,67 Euro – der Börsenwert hat sich auf inzwischen 825 Millionen Euro mehr als verdreifacht.

Heidelberger Druck und GTF Technologies mit starkem Kursanstieg

Das Unternehmen hat sich damit auch gleich einen Spitzenplatz bei der Liste der SDax-Performer des Jahres gesichert. Der Kursanstieg ist auch eine Bestätigung für die erfolgreiche Transformation, die das traditionsreiche Unternehmen hingelegt hat. Man setzt nicht nur voll auf Digitaldruck und das Plattformgeschäft. Das Unternehmen ist auch in ein völlig neues Geschäftsfeld eingestiegen: Heidelberger Druckmaschinen produziert inzwischen auch Ladesäulen für Elektroautos. Auch nach dem rasanten Kursanstieg heben viele Branchen-Analysten weiterhin den Daumen.

Im Kampf um Rang eins im SDax-Performance-Ranking dieses Jahres kommt nur ein einziger Titel an den Wiederaufsteiger heran: Der zweite SDax-Neuling GFT Technologies hat 2021 einen ähnlich steilen Kursanstieg hingelegt wie Heidelberger. Das Unternehmen entwickelt Cloud-Software für Banken, Versicherungen und die Automobilindustrie. GFT wurde 1987 im Schwarzwald gegründet, gehört zu den Pionieren der deutschen Software-Szene und hat auch eine äußerst bewegte Börsengeschichte hinter sich.

1999 ging das Unternehmen an den damals boomenden Neuen Markt, überlebte den anschließenden Crash im Jahr 2000 und ist aktuell wieder mal im Höhenflug. Der Umsatz stieg in den ersten neun Monaten 2021 um 24 Prozent auf über 400 Millionen Euro, das Vorsteuerergebnis (EBT) gar um satte 211 Prozent. Für 2022 erwartet GFT einen erneuten Umsatzanstieg um rund 20 Prozent. Bei einer kalkulierten EBT-Marge von 7,5 Prozent zeigt sich der einst defizitäre Neue-Markt-Titel heute hochprofitabel.

Auch diese Aktie hat also weiteres Kurspotenzial. Zumal der Aufstieg in einen Index auch strukturell mit größerer Beachtung und Nachfrage verbunden ist. Fonds, die Indizes nachbilden, müssen schließlich stets das kaufen, was drin ist – das gilt auch für den SDax.

Home24 und Westwing als Schlusslichter

Auf der anderen Seite des SDax-Glücksrittertums stehen aktuell die beiden Online-Möbelhändler Home24 und Westwing, die beide den Index verlassen mussten. Ihre Entwicklung steht für den großen Unsicherheitsbereich, den wir in der Pandemie gerade durchleben. Anfang dieses Jahres, als im Lockdown auch die Möbelhäuser und Baumärkte schließen mussten, galten beide als Krisengewinner, die Kurse stiegen deutlich. Mit der Entspannung an der Virusfront verloren dann offenbar die Kunden wieder die Lust am Couch-Shopping im doppelten Sinne. Und die Investoren sprangen ab.

Auf 1-Jahres-Sicht verlor die Aktien von Home24 über 44 Prozent an Wert, Westwing büßte mehr als 31 Prozent ein. Mit ihren südwärts gerichteten Kurscharts befinden sich beide übrigens in bester Gesellschaft, denn nahezu der gesamte Online-Handel knickt nach kurzem Aufstieg während der ersten Lockdowns seit Monaten an der Börse ein. Die Quittung für die virtuellen Möbelhäuser: Beide spielen vorerst nicht mehr in der Liga der Größten unter den Kleinen mit.

Das zeigt auch: Für Anleger bleibt der SDax ein überaus schwankungsreiches Anlagesegment, also ein Nischeninvestment für Menschen mit starken Nerven.

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