Kolumne Schneller Reichtum? Und am liebsten nichts dafür tun? Gibt es nicht

Dani Parthum
Dani Parthum
© Tom Salt
Das Märchen wird täglich neu erzählt. Immer und immer wieder. Und immer aggressiver. Das Märchen vom schnellen Reichtum. Dabei ist bekannt, was finanziell wirklich reich macht

In E-Mails, auf Facebook, Instagram, Youtube, Twitter oder in Anzeigen, auch mal getarnt als Artikel, wird das Märchen immer wieder in einer neuen Facette ausgeleuchtet – meist opulent ausgestattet mit großspurigen Autos, weitläufigen Strandhäusern, extravaganten Uhren, edlen Maßanzügen, auffallendem Schmuck. Kurz: Mit den Insignien des Geldes, die blinken, glitzern und immer eines sind: Big. Es wird das Märchen erzählt: 'Mach' es wie ich. Ich habe das geschafft. Dann schaffst du das auch. Du musst nicht viel dafür tun. Nur das und jenes kaufen oder abonnieren.' Je nach Medium auch in Sie-Form.

Mit das ist Reich werden gemeint. Nicht wohlhabend, sondern reich. Finanziell reich. Reichtum für wenig bis keinen Arbeitseinsatz, kein Können, kein Wissen. Einfach so. Geradezu märchenhaft!

Zu schillernd, um wahr zu sein

Wenn Sie so etwas lesen, hören oder sehen: „Ich habe es geschafft, dann schaffst du das auch!“ marktschreierisch verbunden mit diesem Reichtumsding – laufen Sie weg. Klicken Sie weg. Schalten Sie ab. Löschen Sie das Märchenhafte. Denn es ist und bleibt gelogen. Egal, wie schillernd die Lüge verpackt ist.

Die, die da imposant mit Hilfe des Internets protzen, „es geschafft zu haben“ – meist jüngere Männer – sind gewöhnlich gerade keine Selfmade-Millionäre. Sie leihen sich das Image nur, um ihr vermeintliches Schnellreichtumsgeheimnis zu verkaufen. An die Gierigen, die finanziell Ungebildeten. Im schlimmsten Fall an Notleidende, die nach einem Strohhalm greifen.

Reich werden mit Trading, Krypto und Währungen?

Was sie verkaufen? Monatliche Abonnements für todsichere Tradingsoftware oder automatisierte Aktiensparprogramme. Oder Währungsspekulationen, Sneakers, Handtaschen und anderen, vermeintlich im Wert steigenden, Krempel ohne öffentliche Preisbildung. Sie sind Verkäufer im Eigeninteresse und keine Lehrenden. Merkmale ihrer Angebote: alles superteuer, alles ertragssicher, alles easy. Kenntnisse? Keine bis kaum erforderlich. Versprochen wird der schnelle Euro.

Das, was die Pseudo-Millionäre verkaufen, ist oft Network-Marketing. Auch genannt: Empfehlungsmarketing, Strukturvertrieb oder Multi-Level-Marketing. Diese Spielart des Direktvertriebs funktioniert oft als Schneeballsystem, bei dem die Ersten verdienen, die anderen zahlen. Nicht immer, aber oft. Reich werden nur die Ersten.

Manchmal ist es auch schlicht Betrug. Wenn beispielsweise eine Währungs- oder Krypto-Trading-Plattform einen Kapitaleinsatz verlangt – oft einige Zehntausend Euro – und später vermeintliche Gewinne nur dann auszahlt, wenn vorab die Kundinnen und Kunden nochmals Tausende Euro für Bearbeitungsgebühren oder Steuern überweisen. Das gesamte Geld wird meist ins Ausland überwiesen – auf nimmer wiedersehen. Totalverlust statt schnellen Reichtums. Die Verbraucherzentralen warnen regelmäßig vor der Falle.

Die Flut der Betrüger

Warum ich darüber schreibe? Weil ich immer mehr E-Mails und Anfragen von solchen Schnellreichtumsgeheimnisinhabern erhalte und sie mir immer zahlreicher auf Instagram, Facebook und beim Surfen im Netz ins Auge springen. Gerade für automatisierte Trading- und Währungssoftware und Kryptohandel wird stark geworben. Und: Weil mir schon manche im Vertrauen erzählt haben, dass sie selbst auf die Das-kannst-du-auch-Masche reingefallen sind, weil sie gierig waren.

Es gibt keinen schnellen Reichtum

Große Erbschaften außen vorgelassen – Reichtum ohne eigenes Zutun, ohne Wissen und ohne Fachkenntnis gibt es nicht. Und schnellen schon gar nicht. Wie aber werden reiche Menschen reich? Und bleiben es? Eine Antwort gibt eine Zusatzstichprobe zur Bevölkerungsbefragung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Berlin von 2020.

In dieser Probe hatte das DIW erstmals hohe Vermögen untersucht. Ergebnis dieser Stichprobe: Millionäre und Millionärinnen sind zu 73 Prozent selbstständig oder zu 26 Prozent Geschäftsführerinnen oder Geschäftsführer mit hohen Gehältern. Das Vermögen dieser reichen Menschen liegt dabei zu über 40 Prozent in Betriebsvermögen und zu knapp 45 Prozent in vermieteten und selbst genutzten Immobilien. Dahinter kommen Wertpapiere.

Millionärin werden durch Unternehmertum

Was sagt uns das jetzt? Reichtum entsteht durch eigene Unternehmerschaft oder einen verantwortlichen, gut bezahlten Beruf, der hohe Sparraten ermöglicht, die langfristig investiert werden – in Immobilien und Anteile an Unternehmen, also in Aktien. Dafür braucht es eine aktive Einstellung zum Leben, Erfindertum, Finanz- und Anlagewissen und Willen, sich in Dinge einzuarbeiten.

Deshalb: Schnellen Reichtum gibt es nicht. Das ist eine Gier-Falle, die den Totalverlust des eigenen Geldes bedeuten kann. Für finanziellen Reichtum braucht es eigene Ideen, eigene Arbeit, Geduld, Wissen und freilich auch ein Quäntchen Glück. Und eine konsumbewusste Einstellung. Denn wer sein Vermögen auf den Kopf haut, hat bald nichts mehr.

Dani Parthum ist Diplom-Ökonomin, Geldcoach, Finanzbloggerin und Buchautorin. Unter der Marke Geldfrau unterstützt sie Frauen dabei, ihre Angst vor Finanzen abzulegen und für sich selbst Strategien zu entwickeln, selbstbestimmt mit Geld umzugehen und Vermögen aufzubauen.


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