LeserfrageSchadenfreiheitsrabatt: Wann kann ich ihn verlieren?

Autounfall: Wer selbst zahlt, wird nicht hochgestuft
Autounfall: Wer selbst zahlt, wird nicht hochgestuftPixabay

Nein, die Autoversicherer stufen ihre Kunden nur dann in eine schlechtere Schadenfreiheitsklasse (SF-Klasse) zurück, wenn sie auch tatsächlich Unfallkosten beglichen haben – und nicht schon dann, wenn sie nur von einem Schaden wissen.

Bei einem Vollkaskoschutz – der für Schäden am eigenen Fahrzeug einspringt – ist das für Kunden auch leicht nachvollziehbar, weil sie Herren des Verfahrens sind und wissen, wer die Rechnung bezahlt hat. Bei Haftpflichtfällen hingegen kommt es häufiger mal zu Missverständnissen: Hier werden nämlich die Schäden von Dritten reguliert, den Unfallgegnern. Daher kann es sein, dass der Versicherungsnehmer vorerst gar nicht mitbekommt, dass sein Versicherer bezahlen musste.

Intern nämlich handelt der Versicherer sofort nach der Meldung eines Schadens – unabhängig davon, ob der Kunde diesen später vielleicht selber übernimmt. Die Gesellschaft reserviert erst einmal Geld für die möglichen Ausgaben – und stuft den Kunden eventuell sogar in der SF-Klasse hoch. Diese Einstufung wird rückgängig gemacht, wenn dann doch keine Kosten anfallen. Muss der Versicherer hingegen zahlen – in der Haftpflicht mitunter gegen den Willen des Kunden oder bevor dieser davon erfährt –, verliert der Versicherte die bisherige, günstige SF-Klasse.


3580 Euro zahlten die Kfz-Versicherer im vergangenen Jahr durchschnittlich pro Haftpflichtfall. Schäden am eigenen Wagen (Vollkasko) kamen mit 1880 Euro nur etwa halb so teuer


Solche Rückstufungen können teuer zu stehen kommen, weil es üblicherweise mehrere – oft sogar zehn – Jahre dauert, bis der Autofahrer die Rabattleiter hinaufklettert und wieder auf seiner alten Stufe ankommt. So lange muss er höhere Prämien zahlen.

Über die Jahre können sich die Mehrkosten für einen Unfall – je nach Rückstufungstabelle des Versicherers – oft auf das Fünffache der bisherigen Prämie oder noch mehr summieren. Bei 600 Euro Jahresbeitrag wären das zusätzliche Ausgaben von 3000 Euro – unabhängig davon, ob es nur um eine kleine Beule oder einen Totalschaden geht.

Bei Anbieterwechsel SF-Klasse im Blick behalten

Gerade bei Kleinschäden bis 1000 Euro lohnt es daher häufig, die Unfallrechnung selbst zu begleichen – und so den Rabattvorteil für die nächsten Jahre zu erhalten. Ob es sich lohnt, die Kosten selbst zu zahlen, rechnet der Versicherer im Einzelfall aus. Zudem haben Versicherte mindestens sechs Monate Zeit, um sich zu entscheiden.

Auch wer darüber nachdenkt, im Herbst seinen Kfz-Versicherer zu wechseln, sollte die SF-Klasse im Blick haben: Gab es einen Unfall, sollte man vor dem Umstieg beim neuen Anbieter die aktuelle SF-Klasse erfragen. Ist die nämlich ungünstiger, muss womöglich kräftig nachgezahlt werden.

Fein raus sind nach einem Schaden eigentlich nur Kunden, die gegen (oft überschaubare) Aufpreise von vornherein einen Rabattschutz vereinbart haben – oder Fahrer mit älteren Verträgen, die noch einen einmaligen Rabattretter haben.