Anleihekäufe Rockefeller-Intimus nimmt Klimarisiken der EZB-Käufe ins Visier

Ulf Erlandsson
Ulf Erlandsson
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Mit Klimasündern hat Ulf Erlandsson viel Erfahrungen gesammelt: Er prangert ihre Verfehlungen öffentlich. Nun nimmt er sich die seiner Ansicht nach größten Sünder vor: die Notenbanken

Ulf Erlandsson ist es gewohnt, globale Banken und Investoren, deren Geld der Umwelt schadet, erfolgreich an den Pranger zu stellen. In diesen Tagen hat er jedoch ein viel größeres Ziel vor Augen. Der frühere Barclays-Quant, dessen Anthropocene Fixed Income Institute von Mitgliedern der Rockefeller-Familie unterstützt wird, führt nun eine Kampagne, um die seiner Meinung nach zerstörerischen Auswirkungen der quantitativen Lockerung auf das Klima aufzudecken. Seit deren Einführung sind die Zentralbanken zu Kreditgebern letzter Instanz für „die schlimmsten Klimasünder da draußen“ geworden, so Erlandsson.

Er ist nicht der Einzige, der die Zentralbanken kritisiert. Eine kürzlich durchgeführte Umfrage von Global Public Investor hat ergeben, dass sie bei der Berücksichtigung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekten in ihrer Arbeit deutlich hinter der Rentenversicherungsbranche hinterherhinken. Auch Klimaaktivisten nehmen die Zentralbanken zunehmend ins Visier: Extinction Rebellion veranstaltete mehrere Proteste vor der Bank von England, während Greenpeace-Aktivisten im vergangenen Jahr mit einem Gleitschirm auf dem Dach der Europäischen Zentralbank landeten.

Zudem gibt es immer mehr wissenschaftliche Arbeiten, die die Rolle der Zentralbanken bei der Umstellung auf eine umweltfreundlichere Wirtschaft hinterfragen. In einem Bericht der New Economics Foundation aus dem Jahr 2020 wird festgestellt, dass die EZB mit ihren Anleihekäufen „kohlenstoffintensive Unternehmen begünstigt“.

Auch Regierungsvertreter, die an vorderster Front gegen die globale Erwärmung kämpfen, haben begonnen, die Zentralbanken zu einem Kurswechsel aufzufordern. Auf dem COP26-Klimagipfel in Glasgow im vergangenen Jahr sagte die Premierministerin von Barbados Mia Mottley, dass eine quantitative Lockerung mit dem Ziel, den Klimawandel zu bekämpfen, einen großen Unterschied machen könnte.

Erlandsson zufolge werden die Bemühungen, Kapital von umweltschädlichen Unternehmen abzuziehen, letztlich untergraben, wenn die Zentralbanken weiterhin Anleihen stützen, die diese Aktivitäten finanzieren. Auf der EZB-Liste der Emittenten, deren auf Euro lautende Anleihen für ihre QE-Programme infrage kommen, stehen Glencore, Shell, Eni, BP, TotalEnergies und Ryanair.

„Das Problem ist, dass sie die Käufer der letzten Instanz sind, so dass jeder andere Investor einfach aufspringen kann“, sagte Erlandsson im Bloomberg-Interview. „Im Grunde ist es nahezu risikofrei, einige dieser Papiere zu besitzen, weil man im selben Boot wie die EZB sitzt.“

Ein EZB-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab, verwies aber auf öffentliche Äußerungen von Präsidentin Christine Lagarde, darunter ein Schreiben an Abgeordnete des Europäischen Parlaments vom Dezember, in dem sie sich zu Klimafragen äußerte. Darin wies Lagarde darauf hin, dass die Marktoperationen der EZB bereits den Ankauf grüner und nachhaltigkeitsbezogener Anleihen beinhalten. Sie sagte auch, dass das EZB-Programm zum Ankauf von Unternehmensanleihen angepasst werde, um sicherzustellen, dass die Emittenten die EU-Gesetzgebung zur Einhaltung des Pariser Klimaabkommens umsetzen.

Zwar könnte die Zeit knapp werden, um die Regeln zu ändern, bevor die Nettokäufe frühestens im Sommer dieses Jahres enden – die EZB hat letzte Woche signalisiert, dass sie die Käufe möglicherweise früher als ursprünglich geplant einstellen wird -, doch haben die Geldpolitiker in der Vergangenheit Flexibilität bei Reinvestitionen gezeigt. Das bedeutet, dass die EZB reichlich Gelegenheit haben wird, ihr QE-Programm grün zu gestalten, selbst wenn es ruht.

Festlegung der Politik

Die Bekämpfung des Klimawandels fällt nicht in den traditionellen Aufgabenbereich der Notenbanker, die sich in der Regel vorrangig um die Preisstabilität kümmern müssen. Doch viele Geldpolitiker diskutieren jetzt aktiv darüber, ob die rasante Erderwärmung eine neue Denkweise in der Geldpolitik erforderlich macht. Im Juli erklärte die EZB, dass sie für die von ihr als Sicherheiten akzeptierten Vermögenswerte die Offenlegung von Klimadaten vorschreiben wird, wobei weitere Einzelheiten noch in diesem Jahr bekannt gegeben werden sollen. Sie sagte auch, dass sie „relevante Risiken des Klimawandels“ in ihrem Sicherheitenrahmen berücksichtigen wird.

Abgeordnete im Europäischen Parlament fordern von der EZB jedoch eine ehrgeizigere Klimastrategie. In ihrem Jahresbericht über die Zentralbank, über den nächste Woche debattiert wird, äußern die Parlamentarier Bedenken über das Ausmaß, in dem die Refinanzierungs- und Ankaufprogramme der EZB indirekt kohlendioxidintensive Aktivitäten unterstützt haben.

Schnelle Lösung

inige Zentralbanken wie die schwedische Riksbank und die dänische Nationalbank haben begonnen, ehrgeizigere Klimaziele für die Vermögenswerte zu formulieren, aus denen sich ihre Währungsreserven zusammensetzen. Doch solche Absichtserklärungen sind selten mit konkreten Zielen verbunden. Letzten Monat schrieb Daniela Gabor, Professorin für Wirtschaft und Makroökonomie an der UWE Bristol, dass sie zunehmend davon überzeugt sei, „dass ein Umweltmandat ohne ein hartes numerisches Jahresziel einfach nicht funktionieren wird“.

Laut Erlandsson sind wesentlich schnellere Fortschritt möglich, denn die Lösung liege ja auf der Hand. „Wenn die EZB morgen verkünden würde, dass sie ihr Programm zum Ankauf von Unternehmensanleihen fortsetzt, mit Ausnahme der Ölgesellschaften, würden diese Anleihen in den Keller gehen“, sagte er. „Das würde sich auf die Kapitalkosten für diese Unternehmen auswirken. Und das würde sie davon abhalten, umfangreiche Ölexplorationsprojekte durchzuführen.“

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