GeldanlageHilfe, mein Riesterfonds wird umgestellt!

Schon wieder etwas Neues? Im März werden viele der 1,7 Millionen Riester-Sparer mit einer Uniprofirente von Union Investment aufmerken. Ab sofort informiert die Fondsgesellschaft, einer der größten Riesteranbieter, hunderttausende ihrer Anleger, dass sie ab Juli einen höheren Aktienfondsanteil erhalten sollen. Betroffen sind mehr als 680.000 Riester-Sparer, die derzeit ausschließlich oder zu über 90 Prozent mit Anleihefonds sparen. Für Union-Kunden ist es die zweite große Umstellung: Im Jahr 2015 hatte der Anbieter die meisten Riester-Sparer bereits in einen neuen Aktienfonds umgeswitcht.

Das Ziel des neuerlichen Umbaus ist eigentlich ein Zurück: Die Union will nach eigenem Bekunden ihr Versprechen – Riestersparen mit hohen Aktienquoten – besser als bisher einlösen. Derzeit haben viele langjährige Kunden kaum noch chancenreiche Aktienfonds im Depot. Stattdessen lagert ihr Geld in sichere Rentenfonds, die inzwischen aber nur noch gering rentieren. Mit diesen Anleihen stellt der Anbieter sicher, dass er zu Rentenbeginn für alle Einzahlungen garantieren kann. Diese Garantie müssen alle Riesterprodukte geben.

Wegen der anhaltend niedrigen Zinsen wird es für Union Investment allerdings immer schwieriger, die nötigen Erträge zu erwirtschaften. So weist der für die Kapitalsicherung zuständige Rentenfonds UniEurorenta derzeit nur eine effektive Restrendite von 0,02 Prozent aus. Ein höherer Aktienanteil hilft insofern auch Anbieter Union Investment, die zugesagten Riestergarantien zu erfüllen.

Alle Kunden erhalten Zugang zu Aktien

Im Interesse vieler Kunden dürfte die Umstellung dennoch liegen. Sie wollten in Aktien investieren – und nicht in Renten. Nach dem Marktbeben 2008 war das Anlagesystem von Union Investment sogar massiv in die Kritik geraten, weil damals massenweise Kundengelder von Aktien- in Rentenfonds umgeschichtet wurden, um die Riestergarantie sicherzustellen. Viele Anleger kamen auch über die Jahre kaum mehr von ihren hohen Anleiheanteilen herunter. Nur jüngere Sparer konnten trotz des Kursrutsches weiterhin hohe Aktienquoten bis zu 100 Prozent halten – und profitierten verstärkt vom folgenden Aufschwung an den Märkten.

Mit dem neuen Anlagemodell will die Union nun wieder allen Kunden einen Zugang zu Aktien verschaffen. „In Zukunft wird es bei uns kein reines Rentendepot mehr geben, wenn die Restlaufzeit des Vertrags mehr als fünf Jahre beträgt“, bekräftigt Wolfram Erling, Abteilungsleiter Produktmanagement bei Union Investment in Frankfurt am Main.

Konkret sehen die Pläne vor, dass alle Neu- und Bestandskunden mit einer „Uniprofirente“ einmalig einen 10-Prozent-Anteil am Aktienfonds „Uniglobal Vorsorge“ erhalten. Zusätzlich ist künftig auch eine Rückumschichtung von Renten- in Aktienfonds möglich. Noch höhere Aktienanteile für junge Sparer bietet ab Juli der zweite Riester-Fondssparplan des Anbieters, die „Uniprofirente Select“. Dort soll der Mindestanteil in Aktienfonds je nach Restlaufzeit des Vertrags bis zu 30 Prozent betragen – allerdings ausschließlich für Neukunden. Für die rund 100.000 Bestandskunden ändert sich nichts.

Zweite Umstellung für Riestersparer von Union Invest

Alle betroffenen Anleger mit einer „Uniprofirente“ werden ab sofort schriftlich über die Umstellung informiert. Wer nicht einverstanden ist, kann binnen zwei Monate nach Erhalt des Schreibens widersprechen. Ansonsten wird das Depot zum Juli automatisch umgestellt. Aus Anlegersicht spricht aber nichts gegen einen höheren Aktienanteil, der künftig höhere Erträge verheißt. Im Gegenteil.

Auffallend häufig kommen Umstellungen für Union-Kunden dennoch. Zuletzt hatte der Anbieter vor zwei Jahren umgebaut – und bei der „Uniprofirente“ ein neues Anlagevehikel installiert. Sparer wurden vom Aktienfonds „Uniglobal“ auf den „Uniglobal Vorsorge“ umgestellt, der auch in turbulenten Zeiten nicht so schnell in Anleihen umgeschichtet werden muss. Nur ein knappes Prozent der Anleger widersprach der Aktion damals. Union Investment betrachtet die aktuelle Neuregelung als Weiterentwicklung dieses Anlagekonzepts.

Anders als die genossenschaftliche Union Investment geht Rivale DWS bei der Anlage für Riester-Fondssparpläne vor. Bei der DWS fließen vom ersten Tag an Teile des Sparbetrags in Rentenfonds, auch bei jungen Sparern mit langem Anlagehorizont. Das macht DWS-Sparpläne weniger anfällig für Umschichtungen, wenn die Märkte auf Talfahrt gehen. Ganz ohne Abstriche geht es wegen der Garantien aber auch bei der DWS nicht: Die Investmentgesellschaft erhöhte im vergangenen November die Mindestlaufzeiten für ihre Riester-Fondsparpläne auf 25 Jahre (Premium) und 20 Jahre (Toprente), um die Riestergarantie zu erfüllen. Das bedeutet: Ältere Kunden bekommen oft gar keinen Vertrag mehr.

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