KolumneUnion baut Riester-Fonds um

Christian Kirchner
Christian Kirchner
© Gene Glover

Christian Kirchner ist Frankfurt-Korrespondent von Capital. Er schreibt an dieser Stelle regelmäßig über Geldanlagethemen. Hier können Sie ihm auf Twitter folgen


Die extremen Niedrigzinsen ziehen weiter Kreise: Die genossenschaftliche Fondsgesellschaft Union Investment muss ihren Riester-Fondssparplan „UniProfiRente“ grundlegend umbauen. Betroffen sind rund 1,8 Millionen Kunden mit einem Anlagevermögen im niedrigen zweistelligen Milliardenbereich. Die Union Investment ist Marktführer für Riester-Fondssparpläne.

Konkret wird ab August nicht länger der globale Aktienfonds „Uniglobal“ die Aktienkomponente des Fondssparplans abdecken, sondern ein neu angelegter Fonds namens „Uniglobal Vermögen“. Wesentlicher Unterschied: War der Uniglobal ein stets fast voll im Aktienmarkt investierter Aktienfonds, so wird die Aktienquote des nach den ansonsten gleich verwalteten „Uniglobal Vorsorge“ je nach Marktlage und Einschätzung des Fondsmanagements zwischen 51 und 120 Prozent betragen. Management und Konditionen sollen sich nach Unternehmensangaben sonst nicht ändern. Die Änderung ist aber insofern weitreichend, als dass nun mit der Aktienquote eine weitere wichtige Variable in die Renditegleichung der Riester-Fondssparpläne hinzukommt. 

Hintergrund: Die Riester-Fondssparpläne der Union bestehen in der Ansparphase aus zwei Komponenten: Einem Aktienfonds – bislang der Uniglobal – und einem Anleihenfonds, dem UniEuroRenta. Zu welchen Teilen Kunden in diese beiden Fonds investiert sind oder wann der Anbieter umschichtet, hängt von Alter und somit Restlaufzeit des Vertrags sowie der Lage am Aktien- und Anleihenmarkt ab – und war für Kunden bislang schon schwer zu durchschauen und vor allem während der Finanzkrise 2008/2009 Gegenstand herber Kritik.

Keine Garantie für ein besseres Abschneiden

Der Umbau des Produkts ist nun notwendig, weil die Fondsgesellschaft allein über den Anleihenfonds „UniEuroRenta“ kaum noch die vom Gesetzgeber geforderte Garantie für alle eingezahlten Beiträge samt Zulagen zu Rentenbeginn leisten kann, wenn es an den Kapitalmärkten zu Verwerfungen kommt. Per Ende April betrug die durchschnittliche Restrendite aller im „UniEuroRenta“ enthaltenen Anleihen lediglich noch 0,45 Prozent – und das vor Abzug der Fondsgebühren. Daher stattet die Union nun auch die Aktienkomponente mit einem „Puffer“ aus.

Der Vorteil für Anleger: Dadurch sinkt die Gefahr, dass Riester-Fondssparer bei Kursrückgängen am Aktienmarkt in den hauseigenen Union-Rentenfonds umgeschichtet werden. Denn das Management kann die Risiken auch auf der Aktienseite besser steuern, während der „Uniglobal“ bislang stets annähernd voll investiert war (eine Capital-Analyse des Uniglobal lesen Sie hier.)

Der Nachteil: Die Aktienquote variabel zu steuern, kann zwar helfen, zwischenzeitliche Verluste zu minimieren. Eine Garantie für ein besseres Abschneiden ist das aber nicht, denn die Gefahr von Fehleinschätzungen steigt – etwa wenn das Fondsmanagement mit sehr hohen Aktienquoten in einen Abschwung geht und beim anschließenden Kursanstieg nur unterdurchschnittlich investiert ist. Vor allem jüngere Kunden haben bislang von der hohen Aktienquote der „UniProfiRente“ profitiert nach der erfreulichen Aktienmarktentwicklung der vergangenen Jahre.

Zu prozyklischem Anlageverhalten gezwungen

Die Maßnahme legt einen Geburtsfehler der Riester-Rente offen: Die Tatsache, dass Anbieter der aktuell rund 16 Millionen Verträge zu Rentenbeginn die Summe der eingezahlten Beiträge samt Zulagen garantieren müssen und für Verluste geradestehen. Für diese geforderte Kapitalgarantie gehen die Anbieter indes nicht ins Risiko, sondern konstruieren ihre Produkte so, dass die Kunden letztlich mit einem Renditeverzicht selbst für diese Kapitalgarantie aufkommen müssen. Bei Versicherern funktioniert das über niedrige Garantiesummen, bei Fondsanbietern über einen hohen Anteil festverzinslicher Wertpapiere, die kaum noch Zinsen abwerfen – oder nun eben zusätzlichen Absicherungskomponenten.

Denn Dreh- und Angelpunkt ist, egal ob bei Riester-Versicherungen oder Riester-Fondssparplänen, die Höhe der Kapitalmarktzinsen. Sind diese im Keller – wie schon seit Jahren – wird es für die Anbieter immer teurer, die Beitragsgarantie zu Rentenbeginn sicherzustellen. Die Riester-Produkte werden so zu einem langfristig nachteiligen, prozyklischen Anlageverhalten gezwungen: In kritischen Marktphasen muss das Risiko sinken und der Anteil sicherer Wertpapiere erhöht werden.

Plastisch gesprochen sieht das Problem aus Sicht eines Anbieters von Riester-Fondssparplänen und seiner Kunden wie folgt aus: Bei einer Rendite von vier Prozent für zehnjährige Bundesanleihen, wie sie noch zum Zeitpunkt der Einführung der Riester-Rente im Jahr 2001 realistisch war, konnten Anbieter die Einzahlungen der Anleger problemlos größtenteils oder gar voll in Aktien investieren und abwarten. Erst bei einem Kursrutsch von 30 Prozent und mehr wurde es langsam kritisch: Selbst wenn von 10.000 eingezahlten Euro nur noch 7000 übrig waren, so hätte ein Umschichten von Aktien in Anleihen noch gereicht, um binnen zehn Jahren das Vermögen wieder auf die eingezahlten 10.000 Euro wachsen zu lassen. Beim heutigen Renditeniveau von rund 0,6 Prozent für zehnjährige Bundesanleihen muss diese Umschichtung von Aktien in Anleihen bereits nach einem Rutsch von 10.000 auf 9400 Euro des Vermögens erfolgen, will der Anbieter sicherstellen, dass das die sicher angelegten Mittel binnen zehn Jahren wieder auf die eingezahlten 10.000 Euro anwachsen.

Doch nicht nur die Niedrigzinsen zehren an dem Produkt. Erst im vergangenen Jahr hatte Union Investment bei dem vor allem aufgrund der vielen Riester-Sparer 13 Mrd. Euro schweren Aktienfonds „Uniglobal“ mit der Einführung einer Pauschalgebühr die Kosten für die Anleger durch die Hintertür erhöht – zum Ärger von Fondsanalysten.