GeldanlageEntzauberte Renten-Wunderwaffe

Seit fünf Jahren ist Mario Draghi Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Bilanz seiner Amtszeit fällt durchwachsen aus: Während die einen Draghi dafür loben, dass er die Eurozone durch die Staatsschuldenkrise geführt hat, kritisieren ihn andere dafür, dass er mit seinem Anleihekaufprogramm die Rentenmärkte austrocknet. Fest steht jedenfalls: Die Politik der EZB stellt Rentenanleger zunehmend vor Probleme. Mit langlaufenden bonitätsstarken Staatsanleihen machen Investoren mittlerweile Verluste. Unternehmensanleihen sind je nach Bonitätssegment ebenfalls keine gute Wahl, sind oft ausfallgefährdet oder werden vergleichsweise wenig gehandelt. Hinzu kommt die Aussicht, dass die Zinsen irgendwann wieder steigen – nicht in nächster Zeit, aber im Laufe der kommenden Jahre. Dann drohen weitere Verluste für Rentenanleger.

Einige Investmentgesellschaften wollen diesen Herausforderungen begegnen, indem sie Rentenfonds auflegen, die in jeder Marktphase Rendite erzielen sollen. Dazu nutzen die Fondsmanager Strategien und Instrumente aus der Hedgefonds-Welt, wetten etwa auf fallende Kurse oder setzen Derivate ein. Fonds dieser Art gibt es unter anderem von Schroders, Kames Capital, Candriam und J.P. Morgan Asset Management. Sie tragen Namen wie „Absolute Return Bond“, „Long Short Credit“ oder “Bond Opportunities”.

Durchwachsene Performance

Alternative Rentenfonds versprechen viel, liefern aber längst nicht immer, sagt Morningstar-Experte Ali Masarwah. „Viele der Produkte haben ein Performance-Problem“, kritisiert er. Der Grund: Die meisten alternativen Rentenfonds haben ein hohes Markt-Exposure. Die Wertpapiere in ihren Portfolios reagieren also sensibel auf die Entwicklungen an den Rentenmärkten. So können die Fonds kaum marktunabhängige Renditen erwirtschaften. Stattdessen entwickeln sie sich oft sehr ähnlich wie der breite Markt. Im Guten wie im Schlechten.

Investoren haben inzwischen gemerkt, dass alternative Rentenfonds nicht immer halten, was sie versprechen. Zunächst hatten die Produkte viel Anlegergeld angezogen. Im Jahr 2013 flossen ihnen zusammengenommen 12,5 Mrd. Euro zu, im Jahr 2014 weitere zehn Mrd. Euro. Mitte vergangenen Jahres drehte der Trend, zeigen Zahlen von Morningstar. In den vergangenen zwölf Monaten zogen Anleger unterm Strich mehr als 6 Mrd. Euro aus alternativen Rentenfonds ab. Die durchwachsene Performance habe sich herumgesprochen, sagt Masarwah.

Keine Alternative für sicherheitsaffine Anleger

Die Zuflüsse konzentrierten sich auf wenige Shooting Stars, die rasch wieder verglühten. Zum Beispiel der Fonds „JB BF Absolute Return Bond“ des Schweizer Investmenthauses GAM: Im Jahr 2012 schnitt er gut ab. Im folgenden Jahr konnte er rund 1 Mrd. Euro einsammeln. Ende 2013 verwaltete er satte 6,7 Mrd. Euro und war einer der größten alternativen Rentenfonds überhaupt. Das Jahr 2014 beendete der Fonds dann mit rund drei Prozent Minus. Auch 2015 fiel die Performance schwach aus, Anleger wurden skeptisch. Heute verwaltet der Fonds nur noch rund zwei Mrd. Euro. Bei anderen alternativen Rentenfonds zeigt sich ein ähnliches Muster.

Die vermeintliche Wunderwaffe ist also entzaubert: Alternative Rentenfonds können zwar hohe Renditen bringen, sind aber für Rentenanleger, die Verluste fürchten, keine Alternative. Das bedeutet nicht, dass es andere Produkte gäbe, die zuverlässig hohe Renditen brächten. Investoren müssen immer damit rechnen, zwischenzeitlich Geld zu verlieren. Auch wenn die Werbeversprechen von Investmentgesellschaften ihnen gern das Gegenteil vorgaukeln.