ParlamentswahlRechtsruck in Italien bringt Märkte zum Schwanken

Spitzenkandidat Luigi di Maio und Gründer Beppe Grillo von der Fünf-Sterne-Bewegung
Strahlende Wahlsieger: Spitzenkandidat Luigi di Maio und Gründer Beppe Grillo von der Fünf-Sterne-Bewegung dpa

Rechte Parteien sind aus den Parlamentswahlen in Italien am vergangenen Sonntag als Sieger hervorgegangen. Die populistische, europaskeptische Fünf-Sterne-Bewegung bekam rund 30 Prozent der Stimmen und verzeichnete damit das beste Einzelergebnis. Am zweitbesten schnitt das Mitte-Rechts-Bündnis des ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi ab. Es besteht aus Berlusconis Forza Italia, der ausländerfeindlichen Lega Nord unter Matteo Salvini sowie zwei weiteren, kleineren Rechts-Parteien. Forza Italia bekam etwa 14 Prozent der Stimmen, die Lega Nord rund 18 Prozent. Der große Verlierer ist die bisherige Regierungspartei, die sozialdemokratische Partito Democratico (PD): Sie errang gerade einmal rund 19 Prozent der Wählerstimmen.

Weil keine Partei und kein Parteienbündnis eine Mehrheit im Parlament errungen hat, dürften Italien zermürbende Wochen bevorstehen. Die Koalitionsverhandlungen werden sich nach Einschätzung von Beobachtern schwierig gestalten. Es ist allerdings wahrscheinlich, dass mindestens eine rechte Anti-Establishment-Partei an der Regierung beteiligt sein wird. Anlageprofis sind sich einig: Diese Aussichten werden die europäischen Kapitalmärkte in den kommenden Wochen stärker schwanken lassen.

Banken-Aktien unter Druck

Auf den Aktienmärkten hat sich das uneindeutige Wahlergebnis bereits bemerkbar gemacht. Der italienische Leitindex FTSE MIB gab am Montag nach. Die Kurse von Bankaktien fielen noch etwas stärker als der breite Markt. Italienische Geldhäuser sitzen auf einem Berg fauler Kredite und benötigen die Hilfe der Europäischen Zentralbank (EZB). Sollte sich das Verhältnis von Italien zum Rest der EU verschlechtern, könnte das die italienischen Banken unter Druck setzen. Die Aktien von Berlusconis Medienkonzern Mediaset stürzten regelrecht ab – offenbar eine Folge des unerwartet schwachen Abschneidens seiner Partei Forza Italia.

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Kursanbieter: L&S RT

Die Anleihemärkte haben auf das Wahlergebnis bislang kaum reagiert, obwohl viele Rentenanleger im Vorfeld der Wahl mit einer Koalition aus PD und Forza Italia gerechnet und die Kurse italienischer Staatsanleihen in die Höhe getrieben hatten. „Besonders negativ wäre für die Märkte eine Koalition aus Lega Nord und Fünf-Sterne-Bewegung“, sagt Adrian Hilton, Anleihespezialist beim britischen Fondsanbieter Columbia Threadneedle. In diesem Fall dürften sich die Beziehungen zwischen Italien und dem Rest der Europäischen Union deutlich verschlechtern. „Am wahrscheinlichsten ist, dass wir eine längere Phase des Feilschens und der Unsicherheit erleben“, sagt Hilton. Im ungünstigsten Fall könne es in einigen Monaten auch Neuwahlen geben.

Welche Langfrist-Folgen das Wahlergebnis für Anleger nach sich zieht, lässt sich also kaum abschätzen. So könnte eine Rechts-Regierung ebenso wie Neuwahlen für weitere Marktturbulenzen sorgen. Andererseits haben sich die Fundamentaldaten der italienischen Wirtschaft zuletzt verbessert. Sobald die Politik wieder in den Hintergrund trete und sich Anleger wieder stärker auf die Wirtschaftsentwicklung konzentrierten, dürfte sich die Lage beruhigen, sagen Anlageexperten. Ein gewisses Chaos sei in Italien ohnehin gang und gäbe: „Politische Unsicherheit ist in Italien an der Tagesordnung“, kommentiert David Zahn, Leiter des Anleihebereichs bei der Franklin Templeton Income Group. „Eine Wahl ohne klares Ergebnis ist für Italien nichts Besonderes.“