Geldanlage Ökostrom-Aktien: Aufwind fürs Depot

Die Nordex-Aktie befand sich zuletzt im Aufwind
Die Nordex-Aktie befand sich zuletzt im Aufwind
© IMAGO / Contrast/Behrend
Der Krieg in der Ukraine befeuert die Nachfrage nach erneuerbaren Energien. Zugleich erwarten Experten, dass sich Lieferschwierigkeiten noch in diesem Jahr entspannen. Für Ökostrom-Titel eine gute Nachricht; doch es gibt auch ein paar Stolpersteine.

Während sich der Krieg in der Ukraine weiter zuspitzt und der Preis für Rohöl steigt, stellen sich Deutschland und die EU zunehmend die Frage, wie sie von russischen Gasimporten unabhängig werden können. Eine Lösung sind erneuerbare Energien. Mehrere Milliarden Euro wollen Finanzminister Christian Lindner (FDP) und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) zusätzlich in den Ausbau investieren.

Für Anleger bieten sich jetzt einige Chancen. „Während die kurzfristige Situation voller Ungewissheit ist, könnten längerfristig die Unternehmen für erneuerbare Energien davon profitieren“, erwartet Lewis Grant, Aktienmanager bei Federated Hermes. Allerdings sind Ökostrom-Aktien kein Selbstläufer: Sie waren in der Vergangenheit volatil und sind an den Märkten bereits hoch bewertet.

Viele Titel aus der regenerativen Energiebranche sind seit Beginn der Ukraine-Invasion deutlich im Wert gestiegen, rangieren im Schnitt allerdings immer noch unter den Höchstständen vom vergangenen Jahr. Die Titel des US-amerikanische Solarmodul-Anbieters Sunrun schossen seit Ende Februar um 33 Prozent nach oben. Auch deutsche Werte gewannen ordentlich: Die Aktie des Windkraftunternehmens Nordex zog um elf Prozent an, jene des Biospritherstellers Verbio um sieben Prozent. Trotz der bereits hohen Kurse halten Analysten weitere Kurssprünge für möglich. Die US-Investmentbank Bank of America (BofA) hat zum Beispiel das Kursziel für Nordex von 29 auf 30 Euro angehoben; aktuell steht der Kurs bei 15,50 Euro.

Die hohen Erwartungen sind nicht unbegründet. Schließlich ist Ökostrom nicht erst seit Wladimir Putins Einmarsch gefragt. Nach Schätzungen der International Energy Association (IEA) sollen Erneuerbare-Energie-Anlagen bis 2026 weltweit 4.800 Gigawatt der Stromerzeugung ausmachen – das ist eine Steigerung im Vergleich zu heute um 60 Prozent. Getrieben wird der Ausbau durch stärkere Maßnahmen auf politischer Ebene wie den europäischen Green Deal. „Der politische Rückenwind für erneuerbare Energien ist gerade so stark wie nie", bestätigt Manfred Wiegel, Gründer der Investmentboutique Green Benefit.

Grundsätzlich sollten Anleger bei einem Investment in erneuerbare Energien Ruhe bewahren. Die Aktien unterliegen traditionell starken Schwankungen, da sie in der Regel sehr stark von politischen Entscheidungen abhängen. Ein neues Gesetz kann Unternehmen in der Branche von heute auf morgen beflügeln oder einbrechen lassen. Beispiele hierfür sind etwa die Abstandsregelung für Windräder oder der wieder abgeschaffte Solardeckel.

Zudem litt die erneuerbare Energiebranche wie viele andere Industrien im vergangenen Jahr unter Lieferkettenproblemen. Die US-amerikanische Großbank JP Morgan glaubt allerdings, dass sich die meisten der Zulieferprobleme in der zweiten Hälfte dieses Jahres legen werden. Anstatt nur auf klassische Ökostrom-Aktien wie Solarmodulhersteller setzen die Experten in diesem Jahr auf Unternehmen aus den Branchen Transport und Ökokraftstoffe. Interessante Optionen sind zum Beispiel der Brennstoffzellen-Nutzfahrzeughersteller Hyzon Motors oder der Wasserstoff-Spezialist Plug Power. Noch erwirtschaften beide Unternehmen keine Gewinne. Daher ist das jeweilige Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) nicht aussagekräftig.

Etwas konventioneller sind große Versorgerunternehmen wie RWE oder der italienische Stromproduzent Enel. Durch ihr breites Geschäft unterliegen sie politischen Unsicherheiten nicht so stark wie etwa Solar- oder Windkraftproduzenten. Anleger, die strenger auf Nachhaltigkeitskriterien achten, sollten allerdings Vorsicht walten lassen. Trotz geplanter Umstellung auf regenerative Energien betreiben die meisten Hersteller immer noch Kohle-, Gas- oder gar Atomkraftwerke.

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