IndexfondsNeues Rekordjahr für ETFs

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ETFs erfreuen sich bei Anlegern wachsender BeliebtheitGetty Images

Börsengehandelte Indexfonds (ETFs) haben im vergangenen Jahr einmal mehr einen Rekord aufgestellt. Den Produkten flossen 2017 in Europa unterm Strich 94 Mrd. Euro zu, meldet der französische ETF-Anbieter Lyxor. Die Zuflüsse fielen damit um rund 20 Mrd. Euro höher aus als im bisherigen Bestjahr 2015. Insgesamt verwalteten Indexfonds in Europa Ende vergangenen Jahres 635 Mrd. Euro.

Mehr als die Hälfte des Anlegergeldes floss in Aktien-ETFs, vor allem in solche, die sich auf Titel aus Industriestaaten fokussieren. Dabei änderten sich im Jahresverlauf die Präferenzen der Investoren. Im Frühjahr 2017 griffen Anleger vor allem bei europäischen Aktien-ETFs zu. Im Dezember schichteten sie ihr Geld dann in Produkte um, die die Entwicklung von US-Aktienindizes nachzeichnen. Grund für den Sinneswandel dürfte die Steuerreform von US-Präsident Donald Trump gewesen sein, sagen Marktbeobachter. Das Kalkül: Die Reform könnte die Konjunktur in den Vereinigten Staaten weiter ankurbeln. Auf kurze Sicht erwies sich die Entscheidung für US-Aktien allerdings als Fehler. Anfang Februar schoss die Volatilität an den US-Börsen in die Höhe. Die Kurse stürzten so heftig ab wie seit dem Jahr 2011 nicht mehr.

Gemischtes Bild bei Rohstoff-ETFs

Renten-ETFs sammelten im vergangenen Jahr weniger Geld ein als Aktienprodukte. Sie wuchsen prozentual gesehen aber kräftiger, zeigt eine Auswertung des Fondsanalysehauses Morningstar. Diese Entwicklung mag auf den ersten Blick erstaunen. Festverzinsliche Papiere gelten wegen der niedrigen Zinsen schließlich als kaum rentabel. Auf den zweiten Blick zeigt sich allerdings, dass Anleger zuletzt vor allem in solche Anleihen investiert haben, die höhere Zinsen abwerfen als bonitätsstarke Staatsanleihen: High-Yield-Indexfonds und Renten-ETFs, die Schwellenländer-Indizes nachbauen, verzeichneten besonders hohe Zuflüsse.

Bei Rohstoff-ETFs ergibt sich ebenfalls ein gemischtes Bild. Über das gesamte Jahr 2017 hinweg sammelten zwar auch sie in Europa so viel Geld ein wie nie zuvor. Im Dezember 2017 zogen Investoren dann aber unterm Strich Kapital aus Rohstoff-ETFs ab. Einzige Ausnahme: Edelmetallprodukte verzeichneten nach einem schwachen Herbst im Dezember zum ersten Mal seit drei Monaten wieder Zuflüsse. Dieses Plus war vor allem der steigenden Nachfrage nach Gold zu verdanken – ein Indiz dafür, dass sich viele Anleger gegen mögliche Marktturbulenzen im neuen Jahr absichern wollten.

Ein Blick auf die Anbieter zeigt: Marktführer iShares sammelte im vergangenen Jahr einmal mehr das meiste Geld ein. Ein Drittel der ETF-Zuflüsse in Europa gingen an die Blackrock-Tochter. Damit verteidigte iShares seine Spitzenposition. Der Marktanteil sank aber im Vergleich zu Ende 2016 von 47 auf 44,5 Prozent, berichtet Morningstar. Auf Rang zwei liegt in Europa nach wie vor die Deutsche Bank, gefolgt von Lyxor. Beide konnten ihre Marktanteile im vergangenen Jahr leicht steigern.

Van Eck drängt auf den europäischen Markt

Der europäische ETF-Markt ist in Bewegung. Im laufenden Jahr dürften die Marktanteile der Anbieter neu gemischt werden. An der Spitze tut sich zwar wenig, in der zweiten und dritten Reihe aber umso mehr. So hat das Investmenthaus Van Eck im Januar den niederländischen ETF-Anbieter Think ETF übernommen. In den USA gehört Van Eck nach eigenen Angaben zu den zehn größten Indexfondsgesellschaften. Nun will das Unternehmen auch in Europa durchstarten. Bislang hatte Van Eck für europäische Privatanleger nur sechs ETFs in der Palette. Durch die Übernahme von Think ETF steigt die Zahl auf 20.

Ob sich Van Eck in Europa durchsetzen kann, muss sich erst noch zeigen. In den vergangenen Jahren sind viele kleinere Indexfondshäuser vom Markt verschwunden oder wurden von den Platzhirschen aufgekauft. So übernahm Blackrock vor fünf Jahren die Indexfonds-Sparte der Schweizer Bank Credit Suisse.