VorsorgeMit digitaler Hilfe zur Patientenverfügung

Symbolbild Patientenverfügungimago images / Marc Schüler

Wer schwerkrank oder verletzt im Krankenhaus liegt, nicht mehr ansprechbar ist und keine lebensverlängernden Maßnahmen wünscht, sollte eine Patientenverfügung verfasst haben, die genau das besagt – und zwar in eindeutigen Worten. Sätze wie „Ich möchte nicht an Schläuchen hängen“ helfen Ärzten nicht. Online-Plattformen, etwa Afilio oder Dipat, bieten an, beim Erstellen von Patientenverfügungen und teils auch anderer Vorsorgedokumente wie Vollmachten und Testamente zu helfen. Nutzer beantworten diverse Fragen, machen einige persönliche Angaben und bekommen eine Patientenverfügung nach ihren Wünschen aufgesetzt.

Sich Hilfe beim Formulieren einer Patientenverfügung und ähnlicher Vorsorgedokumente zu holen, ist im Prinzip eine gute Idee. Experten vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) raten sogar explizit dazu. Denn damit eine Patientenverfügung gilt und für den Arzt bindend ist, muss sie juristisch und medizinisch präzise formuliert sein. Die Betreiber von Online-Vorsorgeplattformen versprechen Formulierungen, die einem juristischen Stresstest standhalten. Nutzer sollten allerdings aufpassen, dass sie nicht zu viel für den Service rund um diese Papiere bezahlen.

Die reine Formulierungshilfe ist bei vielen Plattformen kostenlos. Es gibt aber auch Ausnahmen: So berechnet etwa die Website Wonderlegal Kunden, die kein Abonnement für die regelmäßige Nutzung des Portals abschließen, je nach Dokument einmalig zwischen 1,99 und 59,90 Euro. Der VZBV hat dieses und andere kostenpflichtige Angebote unter die Lupe genommen – mit ernüchterndem Ergebnis: Die formulierten Patientenverfügungen waren nicht besser als kostenlose Vordrucke, wie es sie zum Beispiel vom Bundesjustizministerium gibt. Teilweise stimmten die Textbausteine sogar mit den Formulierungen des Ministeriums überein.

Bei einigen Vorsorgeportalen können Nutzer eigenständig Hinweise ergänzen. Das klingt zwar nett. Der VZBV rät allerdings von persönlichen Ergänzungen ab: „Im ungünstigsten Fall können wortreiche Erweiterungen gängiger Formulierungen Zweifel aufwerfen, wenn sie als Unsicherheit des Verfassers interpretiert werden“, warnen die Experten.

Patientenverfügungen können gespeichert werden

Die meisten Vorsorgeplattformen bieten nicht nur Hilfe beim Formulieren wichtiger Dokumente. Sie werben auch damit, dass die bei ihnen erstellten Patientenverfügungen und weiteren Papiere bei ihnen gespeichert werden können, jederzeit abrufbar sind und sich auf Wunsch überarbeiten lassen. Afilio und Dipat bieten zusätzlich einen Abruf-Link. Mitglieder bekommen eine Karte fürs Portemonnaie oder einen Sticker, den sie etwa auf ihrer Krankenkassenkarte anbringen können. Der Gedanke dahinter: Muss ein Nutzer der Plattform ins Krankenhaus, können Ärzte, Pfleger oder Angehörige mit Hilfe des Links schnell auf die gespeicherten Verfügungen und Vollmachten zugreifen.

Ihren Service und den Speicherplatz lassen sich die Plattformen indes gut bezahlen. Eine „Afilio Plus“- und eine Dipat-Mitgliedschaft kosten jeweils 48 Euro pro Jahr. Wonderlegal ruft für ein Abonnement satte 39,95 pro Monat auf, Abonnenten zahlen also rund 480 Euro im Jahr. Dafür bietet die Plattform immerhin mehr als nur Vorsorgedokumente. Sie hat auch Musterverträge für Unternehmer und Immobilienbesitzer in der Palette.

Wer Hilfe beim Erstellen von Vorsorgedokumenten benötigt, dafür aber kein Geld ausgeben will, hat eine günstigere Alternative: Für einmalig 13 bis 18,50 Euro (je nach Zahlungsweise und Registrierungsform) kann jeder Bundesbürger dem Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer melden, wer seine Patientenverfügung oder weitere Dokumente aufbewahrt und bevollmächtigt ist, im Ernstfall medizinische und andere Entscheidungen zu treffen. Wer mehrere Bevollmächtigte angeben will, zahlt pro weiterer Person 2,50 Euro. Krankenhäuser können die Kontaktpersonen im Ernstfall beim Vorsorgeregister erfragen.

Wer die Leistungen einer digitalen Vorsorgeplattform in Anspruch nimmt, kann diese oft ebenfalls damit beauftragen, Dokumente im Zentralen Vorsorgeregister zu hinterlegen. Afilio zum Beispiel berechnet dafür aber zusätzlich 20 Euro. Wer den Service trotzdem nutzen will, kommt nur günstiger davon, wenn er an seinen hinterlegten Dokumenten mehrmals pro Jahr Änderungen vornimmt. Diese berechnet Afilio nicht extra. Wer seine Dokumente selbst beim Register hinterlegt hat, muss hingegen für jede Änderung zahlen.

 


Kennen Sie schon unseren Newsletter „Die Woche“? Jeden Freitag in ihrem Postfach – wenn Sie wollen. Hier können Sie sich anmelden