KolumneMischfonds sind die Globuli der Geldanlage

Christian Kirchner
Christian Kirchner, Capital-Chefkorrespondent in FrankfurtGene Glover

Man kann der deutschen Fondsbranche nur gratulieren zu dem Husarenstück, das ihr in den vergangenen fünf Jahren gelungen ist. Und die Anleger bemitleiden, die dem typischen Rat der Gesellschaften und ihrer Vertriebsarmeen gefolgt sind.

Mit der ewigen Litanei, man müsse doch etwas gegen den Nullzins und den damit verbundenen Kaufkraftverlust von unverzinstem Guthaben tun, hat man in Deutschland in den vergangenen fünf Jahren sogenannte Mischfonds im Volumen von rund 125 Mrd. Euro verkauft. Das sind seit 2014 zwei Drittel aller abgesetzten Publikumsfonds. Inzwischen erinnert ihr Marktanteil im Vertrieb sogar an DDR-Wahlergebnisse. Denn im vergangenen Jahr betrug ihr Anteil am Gesamtabsatz aller Publikumsfonds netto 99 Prozent. Richtig: 99 Prozent.

Die neue Capital
Die neue Capital

Was aber kam mit ihnen für Anleger heraus? Wenn wir dazu jene Mischfonds heranziehen, die im Jahr 2018 ein Absatzvolumen von wenigstens 1 Mrd. Euro aufwiesen und seit mindestens fünf Jahren am Markt sind, dann betrug ihre durchschnittliche Rendite über die vergangenen fünf Jahre: 1,8 Prozent pro Jahr. Das ist immerhin ein bisschen mehr als der Schnitt aller defensiven Mischfonds, die nach Gebühren in den vergangenen fünf Jahren 1,6 Prozent pro Jahr erwirtschaftet haben – und nichts anderes als ein katastrophales Ergebnis.

Denn hinter uns liegen fünf herausragend gute Kapitalmarktjahre. Europäische Aktien legten über fünf Jahre im Schnitt sechs, globale Aktien sogar elf, selbst europäische Anleihen drei Prozent pro Jahr zu; jeweils gemessen an breiten Indizes. Die Frage sei erlaubt: Wenn schon die beste aller Börsenwelten mit boomender Wirtschaft, boomenden Börsen und Zinsen nahe null gerade einmal reicht, Anlegern nach Gebühren eine reale Rendite von null Prozent zu erwirtschaften (die Inflation in Deutschland betrug zuletzt 1,8 Prozent) – wie fällt wohl die Bilanz der Mischfonds dann aus, wenn der Wind an den Märkten mal wieder steif von vorne kommt?

Mischfonds sind untauglich für den Vermögensaufbau

Die typische Konstruktion der in Deutschland populären Mischfonds – maximal 30 Prozent Aktienanteil, in der Regel Gesamtkosten von rund zwei Prozent, oft zuzüglich erfolgsabhängiger Kosten – ist für die Geldanlage völlig ungeeignet. Die Gebühren entsprechen grob ihrem jährlichen Renditepotenzial. Die Bank gewinnt damit immer, die Anleger so gut wie nie, wenn sie überhaupt real mit einer schwarzen Null davonkommen. Viele Mischfonds sind in der Geldanlage das, was die Globuli-Pillchen in der Medizin sind. Sie helfen nicht, kosten aber und sorgen bloß bei dem ein oder anderen Anleger für ein wohlig-warmes Gefühl, etwas getan zu haben.

Erst die nächste Börsenkrise wird offenlegen, welche untauglichen Vehikel zum Vermögensaufbau Anlegern hier mit dem Argument untergejubelt werden, sie müssten etwa tun. Wer einen Mischfonds besitzt, der schon in den vergangenen fünf Jahren keine positiven Realrenditen geliefert hat, verkauft ihn besser heute als morgen.