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Aktien Machtwechsel in Brasilien: Was Anleger jetzt wissen müssen

Luiz Inacio Lula da Silva feiert seinen Sieg über Amtsinhaber Jair Bolsonaro
Luiz Inacio Lula da Silva feiert seinen Sieg über Amtsinhaber Jair Bolsonaro
© picture alliance / Associated Press | Andre Penner
Nach der Wahlschlappe von Jair Bolsonaro sorgen sich manche Investoren vor wirtschaftsfeindlichen Reformen. Doch die Chancen stehen gut, dass es an der brasilianischen Börse weiter bergauf geht.

Brasilien hat gewählt: Der linksgerichtete Luiz Inácio Lula da Silva kam in einer denkbar knappen Stichwahl auf 50,9 Prozent der Stimmen. Der rechtsextreme Amtsinhaber Jair Bolsonaro erhielt 49,1 Prozent. Die Befürchtung vieler, Bolsonaro werde sich ein Vorbild an seinem Verbündeten in den USA nehmen, ist glücklicherweise nicht eingetreten. Ex-US-Präsident Donald Trump spricht seit seiner Wahlniederlage im Jahr 2020 entgegen allen Erkenntnissen von Wahlbetrug. Auch Ex-Militär Bolsonaro stellte im Vorfeld das brasilianische Wahlsystem in Frage. Mittlerweile trat er allerdings, nach einer nervenaufreibenden Bedenkzeit, mit der Botschaft vor die Kameras, die Verfassung „respektieren“ zu wollen und „autorisierte“ die Amtsübergabe an Silva.

Nun herrscht große Spannung darüber, wie der frühere Gewerkschafter seine Wirtschafts- und Sozialpolitik gestalten wird. In zahlreichen Publikationen ist von einem Linksruck die Rede. Was einerseits gut für den Wohlfahrtsstaat und den Schutz des Amazonas-Regenwaldes ist, macht andererseits Investoren nervös. Viele von ihnen hätten den wirtschaftsfreundlicheren Bolsonaro bevorzugt. Allerdings baut Lulas Sieg auf ein breites politisches Bündnis mit Partnern, die klar rechts von ihm stehen – etwa der designierte Vizepräsident Geraldo Alckmin der konservativen PSDB. Dazu kommt eine deutliche Mehrheit für wirtschaftsliberale, konservative und rechte Parteien im Kongress. Lula wird also weitere Bündnisse und Kompromisse eingehen müssen.

Lulas Befürworter verweisen auf dessen positives internationales Image und erfolgreiche erste Amtszeit. Der heute 77-Jährige hatte Brasilien bereits von Anfang 2003 bis Ende 2010 regiert. Dann kam es zu einem umstrittenen Korruptionsskandal rund um den halbstaatlichen Ölkonzern Petrobras. Unabhängig davon war Lulas Amtszeit gekennzeichnet von einem robusten Wirtschaftswachstum, gefolgt von einer stabilen Währung und steigenden Aktienkursen.

Brasilianische Aktien sind preiswert

Für eine Neuauflage dieser Erfolgsgeschichte sind zumindest gute Startbedingungen gegeben: Nicht nur wurden die Wachstumsaussichten der größten Volkswirtschaft Südamerikas in den vergangenen Monaten stetig nach oben korrigiert, der Real wertete zudem gegenüber dem Dollar kräftig auf. Brasilianische Aktien waren in diesem Jahr auch die Überraschungsstars am Markt. Während der S&P 500 auf Jahressicht mehr als 22 Prozent im Minus liegt, verzeichnet Brasiliens wichtiger Bovespa-Index ein Plus von elf Prozent. Nach Lulas Sieg ging es um rund ein Prozent nach oben.

Trotzdem sind brasilianische Aktien immer noch preiswert: Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von sechs kommt das brasilianische Marktbarometer auf ungefähr die Hälfte des ebenfalls günstigen Dax. Darüber hinaus lockt eine attraktive Dividendenrendite von durchschnittlich 14 Prozent. Zu den größten Titeln im Index zählen Vale, eines der größten Bergbauunternehmen der Welt, der bereits erwähnte Energiekonzern Petrobras sowie die Holding Itau Unibanco. Und wer zwar in die größten und liquidesten Unternehmen Brasiliens investieren, aber sein Risiko breiter streuen möchte, macht das mit einem Fonds – etwa dem iShares MSCI Brazil UCITS ETF oder dem aktiven DWS Invest Brazilian Equities LC.

Die Chancen, dass der Börsenplatz des BRICS-Staates prosperiert, stehen jedenfalls gut: Laut der brasilianischen Zentralbank Banco Central do Brasil wird die Inflationsrate bis zum Jahresende von aktuell 7,2 auf 5,6 Prozent fallen. Das dürfte sinkende Zinsen und daraufhin steigende Investitionen nach sich ziehen. Vieles wird aber auch davon abhängen, ob Lula seine Versprechen einlöst und der gesellschaftlichen Spaltung entgegenwirken kann.

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