GeldanlageJapan: Investieren in Asiens Shopping-Mall

Schaufenster eines Geschäfts der Modekette Uniqlo in Tokio
Schaufenster eines Geschäfts der Modekette Uniqlo in Tokio dpa

Die Filialen der japanischen Ladenkette Don Quijote dürften in den Augen deutscher Kunden ungefähr so aussehen wie Karstadt auf Ecstasy. Von Süßigkeiten und Alkohol über Socken, Kosmetika, Elektronik und Kontaktlinsen bis hin zu Manga-Merchandise und Sexspielzeug gibt es dort fast alles, was man sich vorstellen kann. Die Regale stehen dicht an dicht, dazwischen drängen sich Touristen auf der Suche nach skurrilen Souvenirs. Für junge Koreaner auf Japan-Besuch sei die Don-Quijote-Niederlassung im Tokioter Shoppingviertel Shibuya mittlerweile ein Muss, sagt Richard Kaye, Manager eines Japan-Aktienfonds beim Investmenthaus Comgest.

Der Konsum gehört zu den wichtigsten Wachstumstreibern der japanischen Wirtschaft. Das liegt nicht zuletzt an den Besuchern aus den asiatischen Nachbarländern. Die Mittelschicht in Asien gebe immer mehr Geld aus, berichtet Kaye. „Und aus Japan kommen einige beliebte Marken, die Konsumenten aus aufstrebenden asiatischen Ländern begierig kaufen“, sagt er. Als Beispiel nennt der Fondsmanager die Bekleidungskette Uniqlo, die seit 2014 auch in Deutschland vertreten ist. Insgesamt hat Kaye rund 20 Prozent des Anlegergeldes in seinem Fonds in Titel aus dem Lifestyle-Bereich investiert. „Japans Bevölkerung mag nicht wachsen, aber Asien bietet einen großen Markt für japanische Produkte“, sagt er.

Exportanteil nicht so groß wie in Deutschland

Japans Wirtschaft gilt als solide, aber wachstumsschwach, nicht zuletzt wegen der überalterten und schrumpfenden Bevölkerung. Japanische Aktien haben entsprechend einen Ruf als relativ sicheres, aber nicht gerade renditestarkes Investment. Zuletzt standen die Zeichen an der Tokioter Börse sogar auf Verkaufen, weil der Yen gegenüber dem US-Dollar an Wert zugelegt hatte. Anleger befürchteten, dass ein stärkerer Yen die japanischen Exporte unter Druck setzen könnte.

Entgegen der allgemeinen Annahme sei die japanische Wirtschaft gar nicht so stark vom Export abhängig, sagt Miyuki Kashima, Leiterin des Japan-Aktienteams bei BNY Mellon Japan. Sie weist darauf hin, dass der Anteil des Exports am Bruttoinlandsprodukt in dem Inselstaat nicht einmal halb so groß ist wie in Deutschland. Generell befinde sich die Wirtschaft des Landes seit Amtsantritt des derzeitigen Premierministers Shinzo Abe im Jahr 2012 auf Wachstumskurs. „Wenige Menschen haben realisiert, dass sich die Unternehmensgewinne in Japan seit der Finanzkrise so stark erholt haben wie nirgends sonst auf der Welt“, betont Kashima. Die Erholung spiegle sich in den Aktienkursen bislang nicht wider.

Als größtes Risiko gilt eine mögliche Rückkehr der Deflation, die Japan jahrzehntelang fest im Griff hatte. „Das würde unser Wachstumsszenario komplett unterminieren“, sagt Kashima. „Aber: Die Wahrscheinlichkeit, dass es soweit kommt, ist sehr gering.“ So seien die Löhne in Japan zuletzt gestiegen – ein deutliches Zeichen gegen Deflation.

Shiseido-Aktie auf Allzeithoch

Wer per Aktieninvestment an der Wirtschaftserholung teilhaben will, sollte sich auf die wenigen Branchen konzentrieren, die ein überdurchschnittlich starkes Wachstum versprechen. Das sind zum einen der Konsum- und Lifestyle-Sektor. Zuletzt gehörte die Aktie des japanischen Luxuskosmetikherstellers Shiseido zu den großen Gewinnern. Ihr Kurs stieg in der vergangenen Woche um sechs Prozent und erreichte ein neues Allzeithoch. Das sei vor allem der anziehenden Nachfrage aus China zu verdanken, urteilen Analysten der Börse Stuttgart. Im laufenden Jahr ist die Shiseido-Aktie bislang der stärkste Titel im japanischen Leitindex Nikkei 225.

Shiseido Aktie

Shiseido Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Auch Aktien aus der Bau- und Tourismusindustrie könnten in der kommenden Zeit gut abschneiden, sagen Strategen von Société Générale. Grund: Kasinos waren in Japan bis vor kurzer Zeit verboten und unterliegen noch immer strengen Restriktionen. Ein Gesetzesentwurf, über den am 20. Juni entschieden wird, könnte nun den Weg ebnen für Glücksspielressorts im Land, die asiatische Touristen anlocken und nach Einschätzung von Analysten Milliarden ausländischer Devisen ins Land spülen würden.

Nicht zuletzt können Investoren auch vom demografischen Wandel profitieren, der in Japan besonders deutlich zu beobachten ist – beziehungsweise von den Innovationen, die damit einhergehen. Größter Einzelwert im Japan-Fonds von Comgest-Manager Richard Kaye ist derzeit die Aktie des Beauty-Unternehmens Pola Orbis: „Menschen kommen eigens aus China, um das Anti-Falten-Mittel Wrinkleshot von Pola Orbis zu kaufen“, erklärt Kaye.