DigitalwährungenICOs trotzen Regulierungsstress

Darstellung von Bitcoin-Münzen
ICOs sind eine noch junge Form der Unternehmensfinanzierung, bei der die Investoren Ansprüche in Form von digitalen Münzen erwerben

Unter den Kryptofans gehen die Meinungen zur Regulierung von digitalen Währungen weit auseinander. Die Anhänger eines freien Wettbewerbs wollen gar keine Regulierung, um die Entwicklung in diesem Bereich voranzubringen. Andere wiederum fordern ein Regelwerk, um Missbrauch und Betrug vorzubeugen und das Vertrauen in den Kryptomarkt zu stärken.

In die Diskussion haben sich auch die berühmten Bitcoin-Pioniere, die Zwillinge Cameron und Tyler Winklevoss, eingeschaltet. Sie haben die größte digitale Währung berühmt gemacht und als alternatives Zahlungsmittel eingeführt. Nun fordern sie für die gesamte Kryptobranche eine Selbstregulierung.

Mit diesem Vorschlag reagieren sie auf die Warnung der amerikanischen Aufsichtsbehörde, der Securities and Exchange Commission (SEC), die sich die Transaktionen am Kryptomarkt intensiv anschaut und damit droht, gegen Kryptowährungen und -börsen vorzugehen. „Wenn auf einer Plattform digitale Währungen und Wertpapiere gehandelt werden und diese als Börse nach dem Börsengesetz agiert, muss die Plattform sich als nationale Wertpapierbörse registrieren oder sich von der Registrierung befreien lassen“, mahnt die SEC.

Japan ist bereits einen Schritt weiter, meint Mati Greenspan, Senior-Marktanalyst bei der Social-Trading-Plattform eToro: „Das Land der aufgehenden Sonne Japan ist aktuell führend, wenn es um die Nutzung und Regulierung von Kryptowährungen geht. Erst Ende März 2017 hat die Regierung Japans den Bitcoin-Handel offiziell legalisiert“.

ICO-Börse in Arbeit

In Europa hinkt man der Entwicklung in Japan ebenfalls hinterher, allerdings bemühen sich einzelne Börsen um einen regulierten Markt. Sehr weit fortgeschritten ist die in Gibraltar ansässige Kryptobörse für ICOs. Sie haben ihren eigenen ICO schon hinter sich und starten im April die Gibraltar Blockchain Exchange (GBX). Sie hat jetzt schon kräftiges Interesse auf sich gezogen. Im Gespräch mit der Financial Times sagte GBX-Chef Nick Cowan, dass zahlreiche Unternehmen großes Interesse an der Einführung von Token-Verkäufen unter der neuen, regulierten ICO-Umgebung des British Overseas Territory gezeigt hätten. Dabei prüfen sogenannte akkreditierte Sponsoren, die ähnlich wie Wirtschaftsprüfer agieren, die ICO-Bewerber samt ihren White Papers, die die Spezifikationen eines ICOs enthalten. Nach dieser Prüfung befinden die akkreditierten Sponsoren darüber, wer zur GBX vorgeschlagen wird. Anschließend entscheidet die Börse über eine Aufnahme.

Der Zuspruch ist bisher gewaltig. „GBX wurde bisher von bis zu 200 Bewerbern aufgesucht, die ihr ICO über die Gibraltar Blockchain Exchange starten wollten“, sagte Cowan. Allein im vergangenen Dezember 2017 als diese Finanzierungsmöglichkeit weltweit immer populärer wurde, gab es rund 200 größere, bekannte ICOs weltweit, wie das Kryptoportal Bitcoin-Krypto.de ausgewertet hat.

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Mit dem Börsenlisting will GBX ein Qualitätssiegel für ICOs vergeben – ein Vorteil solange andere Länder und Börsen hinterherhinken. Ein Qualitätssiegel hierzulande ist eine Regulierung unter deutschem Recht wie sie die ICOs Savedroid (Spar-App), Bitwala (Kryptowallets) oder Vrxcity (virtuelle Reeperbahn) eingeleitet haben. Savedroid hat seinen ICO bereits beendet und wird demnächst an mehreren Kryptobörsen gelistet sein. Dagegen begann Vrxcity seinen Pre-Sale am 22. März und erfreut sich Unternehmensangaben zufolge großer Resonanz. In dieser Verkaufsphase, die noch bis zum 15. April läuft, wird ein Rabatt von 35 Prozent gewährt. Insgesamt sollen 130 Mio. Euro eingenommen werden, was dann der größte ICO hierzulande wäre.

Anleger können in ICOs nur direkt investieren, das heißt über ein sogenanntes Wallet, also über ein digitales Depot. Die Möglichkeit über Zertifikate oder andere Wertpapiere ist noch nicht möglich. Anleger, die lieber über diese Instrumente am Kryptomarkt teilnehmen wollen, können dies über Zertifikate auf Bitcoin (WKN: VL3TBC) und auf Bitcoin Cash (WKN: VL99BC) umsetzen, die 1:1 an den Kryptokursen partizipieren.