ErbeGründung einer Stiftung: der letzte Wille für die Ewigkeit

Wer mit seinem Vermögen etwas Sinnvolles tun will, kann eine Stiftung gründen
Wer mit seinem Vermögen etwas Sinnvolles tun will, kann eine Stiftung gründendpa

Stirbt ein Angehöriger streiten sich die Hinterbliebenen in vielen Fällen erst um die Bestattungskosten und später um das Erbe. Bei rund 20 Prozent aller Familien eskaliert der Streit, zeigt eine repräsentative Allensbach-Umfrage. Dabei wünschen sich fast 80 Prozent aller Deutschen, dass das eigene Erbe keinen Konflikt in der Familie auslöst. Trotzdem sorgen nur wenige Menschen vor. Kaum einer will sich zu Lebzeiten mit dem Thema Tod beschäftigen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung schätzt, dass die Bundesbürger jährlich 200 bis 300 Mrd. Euro vererben oder schenken. Viele Menschen wünschen sich dabei, ihren Liebsten etwas zu hinterlassen, das bleibt. Wer sicher gehen will, dass das Geld nicht verpulvert oder zweckentfremdet wird, der kann eine Stiftung gründen – und das auch mit wenig Geld.

Grundsätzlich können sich auch Gemeinschaften mit beschränkter Haftung (GmbH), Aktiengesellschaften oder Vereine als Stiftung bezeichnen, das ist nicht verboten. Wer in Deutschland von einer Stiftung spricht, der meint aber meist die Stiftung bürgerlichen Rechts. Sie ist gemeinnützig und besteht für immer – die Stiftungsräte können sie weder auflösen noch das Vermögen für etwas ausgeben, das dem Willen des Stifters widerspricht. Gesetzlich gibt es keine Mindestsumme, die Stifter zur Gründung einzahlen müssen. Damit die Stiftung geschäftsfähig ist, muss sie aber rechtlich anerkannt sein. Viele Behörden setzen dafür ein Vermögen von rund 50.000 Euro als Mindesteinlage voraus. Aber Achtung: Ist die Stiftung nicht gemeinnützig, fallen auf alle Zuwendungen des Stifters bis zu einem Betrag von sechs Millionen 30 Prozent Steuern an.

Verbrauchsstiftungen erlöschen

Ist das Geld eingezahlt, dient es als Sicherheit und darf nicht ausgegeben werden. Die Stiftungsmitglieder müssen das Geld investieren. Denn nur Spenden und Kapitalerträge wie Zinsen, Mieteinnahmen und Unternehmensgewinne dürfen dem Stifterzweck zu Gute kommen.

Anders sieht das bei sogenannten Verbrauchsstiftungen aus. Das Ziel und die Aufgaben der Verbrauchsstiftung legt der Gründer, also der Stifter, fest – wie bei einer Stiftung bürgerlichen Rechts. Die eingezahlte Summe entscheidet, wie lange die Stiftung existiert. Ist das gesamte Geld im Sinne des Stifters verbraucht, löst sich die Stiftung auf, wie der Name schon sagt.

Nur ein Steuersparmodell?

Wer möchte, dass nur die eigene Familie vom Erbe profitiert, der kann eine Familienstiftung gründen. Der Vorteil einer solchen Stiftung: Das eingezahlte Vermögen bleibt erhalten, nur die Erträge daraus gehen an die Familie. Kritiker sehen in der Familienstiftung vor allem ein Steuersparmodell. Tatsächlich hat die Gründung einer solchen Stiftung für den Stifter einige Vorteile, zum Beispiel wenn er Immobilien überschreibt, erklärt die Kanzlei Winheller auf ihrer Internetseite. So fallen auf Mietüberschüsse in diesem Fall nur 15,8 Prozent Körperschaftssteuer an. Normalerweise zahlen Bürger auf Mieterträge die normale Einkommenssteuer, die bis zu 47,5 Prozent betragen kann. Außerdem fällt in der Regel keine Gewerbesteuer an.

Die Familienstiftung dient darüber hinaus als Schutzmantel für Immobilienvermögen. Sollten der Stifter oder seine Nachfahren zum Beispiel in Haftungsansprüche verwickelt sein, ist das Vermögen der Stiftung unantastbar: „Im Fall von Scheidung, Pflichtteilsansprüchen, Pflegeregress und anderen Ansprüchen gehört das Vermögen grundsätzlich der Stiftung und nicht einzelnen Personen“, erklären die Rechtsanwälte von Winheller.

Überschreitet die Summe von 50.000 Euro das persönliche Vermögen, kommen noch Treuhandstiftungen in Frage. Bei diesen legt der Stifter zu Lebzeiten oder im Testament fest, wer das Geld im festgeschriebenen Sinne zu verwalten hat. Als Treuhänder kommen sowohl Menschen als auch Unternehmen und Organisationen in Frage. Rechtlich gilt die Gründung einer Treuhandstiftung in der Regel als Schenkung. Wer einen gemeinnützigen Zweck verfolgt und mit der Stiftung Steuern sparen will, muss die Gründung daher beim zuständigen Finanzamt beantragen.