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Daniel Saurenz Gold oder Silber? Eine Frage der Perspektive

Ein 12,5 kg Goldbarren und zwei 5 kg Silberbarren liegen auf einem Tisch
Silber oder Gold – welches Edelmetall performt besser dieses Jahr?
© picture alliance / Ulrich Baumgarten
Die beiden Edelmetalle sind bei Anlegern weiterhin beliebt, auch wenn die Kursentwicklung im Vorjahr auf den ersten Blick enttäuschte. Doch wer bei Gold und Silber einsteigt, setzt eigentlich auf zwei unterschiedliche Szenarien

Gold beendete das vergangene Jahr nahezu unverändert, Silber schaffte immerhin ein Plus von rund drei Prozent. Gerade bei Gold hatten sich viele Anleger mehr ausgerechnet. Als klassischer Inflationsschutz und sicherer Hafen in stürmischen Zeiten hat sich die Feinunze kaum bewährt, nur dank einer starken Erholung im dritten Quartal fiel die Bilanz halbwegs versöhnlich aus.

Auf der anderen Seite hat Gold aber auch sagt, meint Funda Sertkaya, Rohstoffexpertin und Geschäftsführerin beim Edelmetallhändler Ophirum: „Während der international vergleichbare Dax-Kursindex 15 Prozent verlor, der Nasdaq 100 mehr als 30 und der Bitcoin – zeitweise als Gold-Ersatz gehandelt – sogar mehr als 60 Prozent, haben Gold-Anleger ihr Kapital erhalten.“

2023 bleiben die Sorgen aus dem alten Börsenjahr natürlich präsent. Doch die Perspektive könnte sich ändern. Bei den Notenbanken dürfte das Thema Inflationsbekämpfung eher in den Hintergrund rücken, weil die Teuerung ihren Zenit wahrscheinlich überschritten hat. Mit der sich immer deutlicher abzeichnenden Konjunkturabkühlung rückt eine drohende Rezession in den Fokus. In einem solchen Umfeld ist eine straffe Geldpolitik kaum noch zu rechtfertigen, zumal sich bei der US-Notenbank auch die Zusammensetzung der stimmberechtigten Mitglieder ändert.

Einige Währungshüter, die traditionell eher dem Lager der Falken zugeordnet werden, scheiden aus und Befürworter einer lockereren Geldpolitik rücken auf. Sollten die Zinsen fallen, dürfte auch der Dollar als Fluchtwährung leiden. Für Gold, das bekanntlich keine Zinsen abwirft, wäre dies positiv. Ohne Inflationssorgen dürften zugleich aber auch Kurse oberhalb von 2000 Dollar je Feinunze Wunschdenken bleiben. 

Silber stärker als Gold?

Bei Silber spielen Geldpolitik und der Dollar zwar auch eine Rolle. „Da aber rund 60 Prozent des Metalls einer industriellen Verwendung zufließen, ist der kleine Bruder wesentlich enger mit dem Wirtschaftskreislauf verflochten“, sagt Ricardo Evangelista, Senior Analyst bei Activtrades. Da eine Rezession für 2023 nach Meinung vieler Volkswirte ausgemachte Sache ist, die Mehrheit aber an der Börse selten Recht bekommt, könnte Silber seine jüngste Stärke gegenüber Gold weiter ausbauen.

In der Photovoltaikbranche bleiben die Aussichten dank der massiven staatlichen Förderprogramme ohnehin sonnig und auch die Nachfrage nach Smartphones sollte stabil bleiben. „Darüber hinaus ist Silber aufgrund seiner besonderen physikalischen Eigenschaften in Platinen und Mikrochips und somit allen Prozessen, in denen Energie fließt, ein wichtiger Rohstoff“, erklärt Norbert Betz, Leiter der Handelsüberwachung der Börse München/Gettex. Wer somit 2023 eine robuste Konjunktur erwartet, kann Silber als Alternative zu Gold in Erwägung ziehen.

Platin und Palladium hängen an der Automobilbranche

Viele andere Edelmetalle würden in der Industrie stark nachgefragt, so Evangelista: „Rund 80 Prozent der weltweiten Palladium-Nachfrage entfällt auf die Automobilindustrie, bei Platin liegt der Anteil bei etwa 60 Prozent“. Je weniger die Wirtschaft 2023 leidet und je mehr Geld für Neuanschaffungen zur Verfügung steht, desto größer dürfte daher die Nachfrage ausfallen. Allerdings wird Platin anders als Palladium auch in Brennstoffzellen verwendet und profitiert somit langfristig von der laufenden Transformation im Automobilbereich. Der deutlich geringere Preis von 1000 Dollar je Feinunze im Vergleich zu 1800 Dollar bei Palladium könnte die Aufholjagd noch verstärken. Sämtliche Rohstoffe können neben einem direkten physischen Kauf auch günstig und praktisch in Form von ETCs, also als börsengehandelter Rohstoff, erworben werden.

Daniel Saurenz betreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com

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