KolumneGlücklich ist, wer einen Staatsfonds wie Norwegen hat

Christoph Bruns
Christoph BrunsLyndon French

Kein Führungsprinzip ist so überzeugend wie Vorleben. Mit gutem Beispiel vorangehen ist der Weg, andere mitzuziehen. Wenn es um die Zukunftsvorsorge für die eigene Bevölkerung geht, sticht das kleine Land Norwegen seit Jahrzehnten diesbezüglich äußerst positiv hervor. Dieses Norwegen, das kaum mehr als fünf Millionen Einwohner hat, besitzt in seinem Staatsfonds, wie nun gemeldet wurde, 1,4 Prozent des Weltaktienmarktes. Für jeden Einwohner des Landes verfügt der Fonds also mittlerweile über ein Vermögen von circa 200.000 Euro.

Die Weitsicht, mit der die Norweger vor Jahrzehnten über die nachhaltige Bewirtschaftung ihres Ölreichtums entschieden haben, ist weltweit beispiellos. Während westliche Ölländer wie Großbritannien und die USA rasch ihre Vorkommen ausbeuten und nichts für kommende Generationen zurücklegen, hat sich das schwarze Gold für viele südliche Länder nachgerade als Fluch erwiesen. Korruption und Kleptokratie haben in ölreichen Nationen nicht selten zu Armut und Anarchie geführt.

Norwegen setzt auf Aktien

Aber nicht allein der grundsätzliche Umgang mit dem Ölreichtum Norwegens ist beeindruckend, sondern auch die Art und Weise, wie der Staatsfonds betrieben wird, erfordert höchsten Respekt. Hierzu muss man wissen, dass die Norweger vor allem auf die Beteiligung an Unternehmen weltweit setzen, um ihr Vermögen zu mehren. Tatsächlich lag die Aktienquote zum Ende des ersten Quartals 2019 bei knapp 70 Prozent. Verglichen mit anderen Kapitalsammelstellen, die langfristig investieren dürfen, wie z.B. Versicherungen und Pensionsfonds der Stiftungen, ist der hohe Aktienanteil exzeptionell und gleichwohl klug.

Interessant ist zudem, dass der Immobilienanteil kaum zwei Prozent beträgt. Es steht anzunehmen, dass die Manager des Staatsfonds die geringen Mietrenditen, die Illiquidität und hohen Transaktionskosten dieser Anlagegattung scheuen.

Obendrein imponiert das antizyklische Anlageverhalten des norwegischen Staatsfonds. Die heftige Börsenkorrektur zum Ende des letzten Jahres wurde konsequent genutzt, um die Aktienbestände aufzustocken. Gewiss hätte Warren Buffett helle Freude am Vorgehen seiner skandinavischen Brüder im Geiste. Dass man sich mit einer realen Nettorendite von drei Prozent zudem ein kluges langfristiges Anlageziel gesetzt hat, hebt die Norweger wohltuend von der indexorientierten Gemeinde ab.

Die deutsche Aktien-Aversion

Man vergleiche diesen Befund einmal mit den Verhältnissen in Deutschland. Hierzulande hat der Staat auf ein Generationenumlagesystem gesetzt und keine finanziellen Rücklagen geschaffen. Die großen Kapitalsammelstellen des Landes, wie etwa die Versicherer, brüsten sich mitunter mit ihren Miniaktienquoten von ein bis drei Prozent. Und die Bevölkerung hält, wie zuletzt zu lesen war, circa fünf Prozent der weltweiten Goldbestände.

Unsere Landsleute hätten besser daran getan fünf Prozent der Weltaktienbestände zu halten. Aber die Aktie gilt den Teutonen als viel zu riskant, obwohl kaum ein ökonomisches Datum deutlicher belegt ist als die Vorteilhaftigkeit der Aktienanlage zur langfristigen Vermögensmehrung.

Wer meint, die Fakten könnten in Deutschland zu einem Umdenken führen ist auf dem Holzweg. Stattdessen mehren sich Diskussionsbeiträge, die von Enteignungen und einem neuen wünschenswerten Sozialismus daherschwätzen. Die neue Industriepolitik des Wirtschaftsministers Altmaier und die seit langem vorangetriebene zentralverwaltungswirtschaftliche Energiepolitik zeigen an, wohin der Weg in Deutschland geht. Et tu Felix Norvegia, investare!