AktienmärkteFünf Gründe warum die Börsen wieder auf Rekordkurs sind

Händler an der Frankfurter Börse
Händler an der Frankfurter BörseGetty Images

Der US-Leitindex S&P 500 erreichte am Montag ein Rekordhoch von 3081 Zählern. Der wichtigste deutsche Aktienindex Dax notierte erstmals seit Sommer 2018 wieder über der Marke von 13.000 Punkten und handelte mit 13.157 Punkten rund 3 Prozent unter seinem Rekordstand. Allerdings sind Dax und S&P 500 nicht vergleichbar, denn der Dax ist ein so genannter Performance-Index. Das bedeutet, dass Dividenden eingerechnet werden und eine Art Zinseszinseffekt entsteht. Ohne Berücksichtigung von Dividenden handelt der Dax noch immer rund 8,5 Prozent unter seinem Rekordhoch.

DAX Index

DAX Index Chart
Kursanbieter: L&S RT

Das sind die fünf Gründe für die aktuelle Aktienmarkt-Rally:

#1 US-Arbeitsmarkt

Volkswirte befürchteten schlimmes für den US-Arbeitsmarkt: Ein großer Streik in der Autoindustrie sollte eigentlich die Beschäftigung belasten. Doch es kam anders. Die am Freitag veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten für Oktober mit 128.000 neuen Stellen außerhalb der Landwirtschaft zeichneten ein robustes Bild von der weltgrößten Volkswirtschaft. Und obwohl die US-Arbeitsmarktdaten notorisch unpräzise sind, hörten Investoren die Botschaft gern – und die Aktienmärkte bekamen einen Schub.

#2 Hoffnung auf Entspannung im Handelsstreit

Der Schub vom vergangenen Freitag erhielt über das Wochenende weitere Unterstützung. US-Handelsminister Wilbur Ross sagte, er halte ein Teilabkommen im Handelsstreit zwischen den USA und China noch in diesem Monat für möglich. Das hat man in den vergangenen Monaten immer wieder gehört, aber beim Handelsstreit hat der Aktienmarkt inzwischen eine ungleiche Risikoverteilung eingepreist. Während die konjunkturellen Folgen des Konflikts längst weitgehend in den Kursen enthalten sind, gilt dies nicht für Entspannungssignale. Deshalb helfen Aussagen wie die von Ross dem Markt nach oben und Risiken aus einem möglichen Handelskonflikt mit der Europäischen Union werden ausgeblendet.

#3 Geldpolitik

Während Arbeitsmarkt und Neuigkeiten zum Handelsstreit die Märkte kurzfristig bewegen, leisten die Notenbanken seit Monaten eine wichtige Rolle bei der Erholung. Dies gilt für die US-Notenbank Federal Reserve ebenso wie für die Europäische Zentralbank. Sie haben die Geldpolitik gelockert und damit sowohl die Finanzierungsbedingungen der Wirtschaft als auch die allgemeine Investorenstimmung aufgehellt. Die Lockerung wurde vom Markt nicht als Zeichen einer Krise gewertet, sondern als Unterstützung für die konjunkturelle Erholung.

#4 Rezessionsangst lässt nach

Überhaupt sind Aktienmärkte in der Regel gute Vorlauf-Indikatoren für die Konjunktur. Ihr Einbruch im Herbst vor einem Jahr nahm vorweg, was in diesem Jahr in der Wirtschaft zu beobachten war. Während die Öffentlichkeit noch über eine vermeintlich bevorstehende Rezession diskutiert, macht die Wirtschaft diese offenbar bereits durch. 2020 könnte es wieder aufwärts gehen, und die Aktienmärkte nehmen dies bereits vorweg. Gerade der Dax gilt als ziemlich konjunktursensibel, weil er zahlreiche exportorientierte Industrie-Unternehmen enthält. Darauf deutet auch das am Montag veröffentlichte Konjunkturbarometer der Frankfurter Investment-Beratungsfirma Sentix hin. „Die neuesten Daten nähren die Hoffnung, dass eine tiefere Rezession in Euroland abgewendet werden kann”, sagte Sentix-Geschäftsführer Manfred Hübner. Der Sentix-Konjunkturindex stieg überraschend deutlich um 12,3 auf nur noch minus 4,5 Punkte. Auch für die US-Wirtschaft wird allgemein erwartet, dass diese nicht in die Rezession abrutscht, sondern Anfang kommenden Jahres wieder Schwung aufnimmt.

#5 TINA

Nach Jahren mit Niedrigzinsen gilt es fast schon als Binsenweisheit, dass es kaum eine Alternative zu Aktien gibt, wenn man als Investor regelmäßige Ausschüttungen benötigt. Das Prinzip „Es gibt keine Alternative“ („There Is No Alternative, TINA) wirkt stützend für die Aktienmärkte auch in Schwächephasen. Investoren überlegen es sich zweimal, ob sie eine Aktie wirklich verkaufen, oder ob sie diese nicht mit Kursverlusten im Buch stehen lassen, um die Dividende einzukassieren. Und bislang ist, der Konjunkturschwäche zum Trotz, noch keinen erheblichen Druck auf Margen und Dividenden entstanden.