Börsenkrach 1929Keine Angst vor dem Börsencrash

Händler am 29. Oktober 1929 an der New Yorker Börse
Händler am 29. Oktober 1929 an der New Yorker BörseGetty Images

Die Deutschen haben eine Leidenschaft für „den Crash“, jedenfalls als Buchkäufer. Findet sich ein Wirtschaftsbuch in der Bestsellerliste, so geht es meist und das schon seit mehr als einem Jahrzehnt um einen bevorstehenden Zusammenbruch – nicht nur des Aktienmarktes, denn früher hieß der Börsencrash ja mal Börsenkrach und das Leben ging danach weiter. Heutzutage macht es kaum ein Buchautor ohne den kompletten Zusammenbruch von Finanzsystem, Gesellschaft und Staat. Titel wie „Der finale Kollaps“ verkaufen sich, vielleicht weil sie wie ein guter Krimi sind: Sie verbreiten ein angenehmes Gruseln, auch wenn sie wenig mit der Realität zu tun haben.

Denn es ist durchaus riskant, sein Geld auf die Empfehlungen der Crash-Propheten hin zu verwetten. Nicht selten liegen sie grundfalsch mit ihren Prognosen, verdienen aber hartes Geld mit Büchern, gebührenpflichtigen Newslettern oder Auftritten. Selbst diejenigen, die eine Krise zutreffend prognostizieren, sind meist One-Hit-Wonder, man könnte auch von Zufallstreffer sprechen. Eines der berühmtesten Beispiele aus jüngerer Zeit dürfte der Hedgefonds-Manager John Paulson sein, der die Subprime-Krise kommen sah und seine Investoren damit reich machte. Einige Jahre späten verlor er das Geld wieder bei Gold-Spekulationen.

Mit ihrer Vorliebe für das Crash-Gruseln sind die Deutschen also nicht alleine. In den USA hat dieser Tage ebenfalls eine öffentliche Diskussion darüber eingesetzt, ob der Aktienmarkt nun nicht irgendwann einmal richtig einbrechen müsste. Es sind weniger die Sorgen vor einer Überhitzung angesichts von Rekordstände des Leitindexes S&P 500 oberhalb von 3000 Punkten oder der anhaltenden Rally von Tech-Schwergewichten wie Apple und Microsoft. Auslöser der Diskussion sind nicht Aktien-Bewertungen, Fundamentaldaten oder politische Ängste, sondern ein Blick auf das Kalenderblatt.

Wird sich 1929 wiederholen?

Vor 90 Jahren, am 29. Oktober 1929, ging der am berühmten „Schwarzen Freitag“ (jedenfalls nach europäischer Zeit, in den USA war es ein Donnerstag) begonnene Kursrutsch in den freien Fall der Aktienmärkte und nackte Panik über. Zwar sackten die US-Aktienkurse im Oktober 1987 prozentual noch stärker ab, doch die Ereignisse aus dem Herbst 1929 haben sich tief ins kollektive Bewusstsein eingebrannt – wohl auch, weil sie wegen des anschließenden Versagens von Geld- und Fiskalpolitik direkt in die große Depression mündeten.

Steht dem US-Markt ein ähnlicher Börsencrash bevor? Schließlich hat der Leitindex S&P 500 sich seit dem Jahr 2000 in etwa verdoppelt, seit seinem Tief während der globalen Finanzkrise sogar mehr als vervierfacht. Wäre es nicht Zeit für eine Korrektur, die vielleicht sogar eine „gesunde Korrektur“ wäre?

Meist wird mit einer „gesunden Korrektur“ ein Abbau einer im historischen Vergleich hohen Bewertung von Aktien bezeichnet. Aber sind US-Aktien überhaupt teuer? Denn die steigenden Kurse sind ja nur ein Teil jener Kennzahl, die Auskunft über die Bewertung des Aktienmarktes gibt. Denn der zweite Teil sind die Unternehmensgewinne, die ebenfalls deutlich gestiegen sind. Aktuell liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei rund 20. Das bedeutet, dass der Index mit dem 20-Fachen der für die kommenden zwölf Monate erwarteten Unternehmensgewinnen bewertet wird. Im deutschen Dax liegt das KGV sogar nur bei 16,6 und damit etwas oberhalb des Durchschnitts der vergangenen Jahrzehnte.