GeldanlageFondsbranche unter ETF‑Druck

Werbung für iShares-ETFs an der Wall Street
Unter dem Namen iShares vertreibt Blackrock Indexfonds
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Nicht nur Anleger haben derzeit ein ernstes Problem, sondern auch Fondsgesellschaften. Denn sie verdienen immer weniger Geld mit der Verwaltung von Publikumsfonds. Fonds lohnten sich nicht mehr, so war deshalb dieser Tage zu lesen, das habe eine Auswertung ergeben. Von einer Zäsur für die Fondsindustrie war ebenfalls die Rede. Das klingt dramatisch, schließlich sorgt doch eine überwältigende Zahl von Sparern mit eben solchen Fonds vor und erhofft sich davon einen Vermögensaufbau oder zumindest eine auskömmliche Altersvorsorge. Und das soll sich alles nicht mehr lohnen? Tatsächlich war die Aussage der zitierten Marktstudie eine etwas andere. Ihr Ergebnis sollte daher in erster Linie die Fondsgesellschaften zum Nachdenken bringen – sie beantwortet aber darüber hinaus auch den Anlegern eine wichtige Frage. Nämlich diejenige, wo ihr Geld eher gut aufgehoben ist und wo eher nicht.

Ausgangspunkt war eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey, die Langfristdaten zum globalen Fondsmarkt zusammengetragen hat. Über einen 20-Jahreszeitraum ermittelte sie: Die Gesamtsumme, die von Fondsgesellschaften rund um die Welt verwaltet wird, beträgt inzwischen gigantische 66 Billionen Dollar und hat sich seit 1997 vervierfacht. Noch immer steigt sie von Jahr zu Jahr weiter an. Aber: Etwas anderes steigt neuerdings nicht mehr an: Es handelt sich um die Gewinne, die Fondsgesellschaften aus diesem anschwellenden Geldvermögen erwirtschaften. Damit ist hier nicht gemeint, dass sie keine ordentliche Wertentwicklung für die Anleger erzielen würden, sondern dass der Teil kleiner geworden ist, den sie selbst in Form von Verwaltungsvergütungen und erfolgsabhängigen Gebühren einstreichen. Die Gewinne sind erstens nicht so schnell gestiegen wie das verwaltete Vermögen (sie sind „nur“ dreimal so groß wie 1997) und zweitens schrumpfen sie neuerdings sogar. Während das Fondskapital von 2015 auf 2016 um sechs Prozent wuchs, sanken die Gewinne der Verwalter um zwei Prozent. Das ist ein Novum und genau diesen Fakt bezeichneten die McKinsey-Berater als Zäsur. Denn bisher waren die Gewinne stetig mitgestiegen – wenn auch langsamer als das Fondsvermögen insgesamt.

Auch etwas anderes hat sich sehr verschoben: Heute wird fast ein Drittel des in Europa eingesammelten Anlegerkapitals von US-amerikanischen Firmen verwaltet. Und nicht mehr von heimischen. Ohnehin haben sich die großen Player im Markt erheblich gewandelt. Im Jahr 1997 waren die größten drei Fondsgesellschaften die schweizerische UBS, die deutsche Allianz und die amerikanische Fidelity. Sie vereinten 40 Prozent der Marktanteile der Top-10-Anbieter auf sich. Inzwischen heißen die drei größten Anbieter Blackrock, Vanguard und Statestreet. Sie kommen allesamt aus den USA und machen 50 Prozent des Top-10-Marktes aus. Allein Blackrock managt nach eigenen Aussagen inzwischen ein Gesamtkapital von 5,6 Billionen Dollar und gilt damit als größter Vermögensverwalter der Welt.

Anleger setzen auf ETFs

Nun wäre es natürlich Unsinn zu behaupten, dass sich für all diese Firmen das Geschäft mit den Fonds nicht mehr lohnt. Wenn ihre Gewinne also von 2015 auf 2016 gesunken sind und zwar von 64 Mrd. Euro auf 63 Mrd., würde der Amerikaner „so what?“ fragen, wen stört´s? Schließlich müssen Firmen allerorts damit leben, dass sie nicht in jedem Jahr dieselben Erträge einfahren und am Jahresende mal mehr, mal weniger in der Kasse übrig bleibt. Weil Aufträge wegfallen, Akquisitionen stattgefunden haben oder die Kosten steigen. In diesem Fall aber bedeuten die sinkenden Erträge, dass die Kosten gesunken sind – nämlich diejenigen für die Anleger. Im Klartext: Die Kunden kaufen vermehrt jene Fonds, die für sie billiger sind und bei denen die Gesellschaften weniger Verwaltungskosten abzwacken. Indexfonds nämlich.

Die Gesellschaften werden zwar nicht müde zu betonen, dass beide Fondsarten ihre Berechtigung auf dem Markt haben: Aktiv gemanagte Fonds, bei denen Fondsverwalter gezielt Einzelwerte fürs Portfolio aussuchen – und passive Fonds, die lediglich einen Börsenindex nachbilden und daher völlig ohne Fondsmanager zu verwalten sind. Was sie ja dann auch so günstig macht. Man bräuchte beide. Die Passiven, die eine Durchschnittsrendite erzielen würden, aber eben immer nur Durchschnitt sind. Und die Aktiven, mit denen die Anleger eine große Chance auf Überrenditen hätten.

Das meinen zumindest die Anbieter. Bei den Anlegern aber hat inzwischen längst eine Abstimmung mit Füßen stattgefunden: Nur noch 18 Prozent der Nettomittelzuflüsse investieren sie in aktive Fonds. Das Doppelte dagegen in passive Indexfonds (ETFs), nämlich 36 Prozent. Ein großer Teil von 46 Prozent fließt außerdem in Multi-Asset-Fonds, so heißen auf Neudeutsch jene Fonds, die vielerlei Anlageklassen mischen – wie Aktien, Anleihen und Rohstoffe – und die oft auch einen Mix aus aktiven und passiven Fonds beinhalten.