Geldanlage Fonds - je teurer, desto schlechter

Die durchschnittlichen Fondskosten sind wieder einmal gestiegen. Hohe Gebühren scheinen Anleger nicht abzuschrecken. Sollten sie aber.

Die Fondsratingagentur Morningstar hatte für deutsche Anleger jüngst eine gute Nachricht: Europaweit werden Investmentfonds immer günstiger, zeigt eine aktuelle Untersuchung der Morningstar-Analysten. Im europäischen Durchschnitt sind die laufenden Kosten von Fonds in den vergangenen drei Jahren von 1,09 auf 1,0 Prozent gesunken. Rentenfonds verbilligten sich von 0,89 auf 0,74 Prozent, die laufenden Gebühren von Aktienfonds sanken durchschnittlich von 1,43 auf 1,27 Prozent, die der Mischfonds von 1,56 auf 1,47 Prozent. Immer mehr Anleger suchten gezielt nach günstigen Fonds, erklärt Morningstar-Experte Nikolaj Mikkelsen. Deshalb würden auch Fondstranchen ohne Vertriebsgebühr immer stärker nachgefragt.

Deutschland liegt auf den ersten Blick im Trend. Hier sanken die laufenden Kosten von Aktienfonds von durchschnittlich 1,49 auf 1,48 Prozent, die Kosten von Rentenfonds verharrten bei durchschnittlichen 0,75 Prozent. Mischfonds verbilligten sich im Schnitt von 1,59 auf 1,55 Prozent. Die meisten Fondsgattungen sind also zumindest ein bisschen günstiger geworden. Insgesamt ist das Kostenniveau aber gestiegen. Investmentfonds in Deutschland verteuerten sich seit dem Jahr 2013 von 1,18 auf 1,25 Prozent. Das ist auf den ersten Blick widersinnig. Es gibt allerdings eine Erklärung für dieses statistische Phänomen: In den vergangenen Jahren kamen in Deutschland überproportional viele Mischfonds auf den Markt, erklärt Mikkelsen. Für diese werden oft besonders hohe Gebühren fällig. Weil es mittlerweile mehr teure Fonds auf dem Markt gibt, liegt das Gesamtkostenniveau höher als noch vor drei Jahren.

Gebühren kosten Performance

Die Morningstar-Studie deutet darauf hin, dass sich deutsche Anleger von hohen Kosten nicht abschrecken lassen. Sie greifen trotz der vergleichsweise happigen Gebühren immer häufiger zu Mischfonds. Die Produkte verzeichnen seit Jahren kräftige Mittelzuflüsse. Investmentgesellschaften argumentieren gern, Qualität habe ihren Preis. Eine weitere Morningstar-Studie aus dem laufenden Jahr zeigt allerdings, dass vor allem hohe Gebühren ihren Preis haben – sie kosten nämlich Performance.

Die Analysten der Fondsratingagentur haben in ihrer Untersuchung Aktienfonds auf dem europäischen Markt unter die Lupe genommen. Dafür haben sie die Produkte in Kostenquintile eingeteilt, haben also je Fondskategorie fünf Preisgruppen gebildet. Ergebnis: Je günstiger ein Fonds, desto eher schafft er es, den breiten Markt zu schlagen. Zum Beispiel Europa-Standardwertefonds: In der günstigsten Preisgruppe betragen die laufenden Kosten im Schnitt 0,81 Prozent. Dort schlugen rund 38 Prozent der Produkte ihren Vergleichsindex. In der teuersten Gruppe mit Durchschnittskosten von 2,72 Prozent übertraf dagegen nicht einmal jeder zehnte Fonds seine Benchmark.

Gebühren können den Unterschied ausmachen

In anderen Aktienfondskategorien fielen die Ergebnisse ähnlich aus. Einzig bei Schwellenländer-Aktienfonds zeigte sich ein gemischtes Bild. Zwar gilt auch dort: Je mehr Geld Anleger für einen Fonds bezahlen, desto unwahrscheinlicher ist es, dass sie damit höhere Renditen erzielen als der Markt. Ein einzelner Fonds fiel allerdings aus dem Rahmen, weil er trotz vergleichsweise hoher Gebühren in den vergangenen Jahren sehr gut abgeschnitten hatte: der „Polunin Emerging Markets Small Cap“. Für Privatanleger ist er wegen seiner hohen Mindestanlagesumme nicht geeignet.

Für pauschale Aussagen über Schwellenländer-Aktienfonds ist die Datenbasis der Morningstar-Studie nicht breit genug. Die Untersuchung bestätigt aber die Erfahrung vieler Analysten: In vergleichsweise wenig erschlossenen Märkten können einzelne Manager deutlich erfolgreicher sein als andere. Es kann sich lohnen, auf diese Stars zu setzen, auch wenn sie mehr Geld für ihre Dienste verlangen als andere Manager. In großen, entwickelten Märkten dagegen können ein paar Basispunkte an Gebühren den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ausmachen.

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