Rente Flexirente: Arbeiten im Alter

Mancher Rentner fühlt sich noch zu jung für den Ruhestand
Mancher Rentner fühlt sich noch zu jung für den Ruhestand
© IMAGO / Westend61
Immer mehr Menschen entscheiden sich über ihr gesetzliches Renteneintrittsalter hinaus weiterzuarbeiten. Das kann sich lohnen: In einigen Fällen gibt es die Option auf staatliche Rentenerhöhungen durch die Flexirente

Vor rund einem Monat überraschte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck mit dem Vorstoß, das Renteneintrittsalter flexibler gestalten zu wollen. Ältere Menschen sollen so die Möglichkeit bekommen, länger zu arbeiten, wenn sie es denn möchten. Der Grünen-Politiker will so dem Fachkräftemangel in Deutschland entgegenwirken. Die Idee: Ältere Erwerbstätige bringen ihr Fachwissen länger ein, was Betrieben hilft, und auch die Erwerbstätigen selbst profitieren, indem sie länger Rentenpunkte sammeln. De facto gibt es diesen Anreiz aber schon jetzt im Deutschen Rentengesetz: die sogenannte Flexirente. Wer im Alter weiterarbeitet, kann so staatliche Rentenerhöhungen nutzen.

Zurzeit arbeiten rund eine Million Menschen in Deutschland trotz Überschreiten der gesetzlichen Regelaltersgrenze. Darauf weist die Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV) hin. „Immer mehr Menschen müssen oder wollen länger arbeiten“, sagt Katja Braubach von der DRV. Diese Entwicklung unterstreichen auch Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Demnach verdoppelte sich der Erwerbsanteil der über 64-Jährigen in den letzten zehn Jahren von vier auf acht Prozent. Abgesehen von einigen Ausnahmen wird die Altersgrenze für die Regelaltersrente bis 2029 schrittweise auf 67 Jahre angehoben. Wer sich dann noch fit fühlt, hat drei verschiedene Optionen, um weiterzuarbeiten.

Drei Optionen

Bei der ersten Option stellt der potenzielle Rentner keinen Rentenantrag und arbeitet über die Rentenaltersgrenze hinaus einfach weiter. Damit bezahlt er weiter Rentenversicherungsbeiträge, sammelt daher auch weitere Rentenpunkte. Der Staat honoriert die Arbeit im Alter mit der sogenannten Flexirente. Das ist genau genommen kein eigenes Rentenmodell, sondern umschreibt verschiedene Änderungen an der gesetzlichen Rente, die 2017 in Kraft getreten sind.

Mit jedem zusätzlichen Monat über der Altersgrenze erhöht sich die gesamte Rente um 0,5 Prozent. Arbeitet man also ein volles Jahr nach Erreichen der Regelaltersgrenze weiter, erhöht sich die gesamte Rente um sechs Prozent. Die Rentenerhöhung durch die Flexirente berechnet sich dabei immer auf die Rente ab dem ersten Juli des Folgejahres. Das bedeutet: Arbeitet die Rentnerin oder der Rentner das gesamte Jahr 2022, erhöhen sich die Altersbezüge um sechs Prozent ab dem 1. Juli 2023.

Dennoch ist diese Option nur begrenzt zu empfehlen. Denn in dieser Zeit erhält der Erwerbstätige keine Rente. Weiterarbeiten ohne Rentenbezug ergibt finanziell für die wenigsten Menschen Sinn, erklärt Braubach: „Um die fehlende Rente finanziell wieder reinzubekommen, müsste man schon sehr alt werden.“

Die zweite Möglichkeit: Der Rentner bezieht seine Rente, arbeitet weiter und zahlt auch weiterhin Rentenversicherungsbeiträge. Hier profitiert der Rentner, wie bei Option 1, von der Flexirente, nur dass er gleichzeitig schon seine Rente bezieht. Auch in diesem Szenario erhöht sich die Rente um 0,5 Prozent pro Monat, den der Rentner über seine Regelaltersgrenze weiterarbeitet. „Das rentiert sich schon nach wenigen Rentenbezugsjahren“, sagt Braubach. „Für Rentner, die nicht sofort auf das Geld angewiesen sind, bietet dieses Modell definitiv Vorteile.“ Derzeit nehmen allerdings nur drei Prozent der Rentnerinnen und Rentner dieses Angebot war.

Die dritte Möglichkeit: Der Rentner bezieht seine Rentenleistung und arbeitet nebenher weiter. Ab der Regelaltersgrenze sind Rentner nicht mehr dazu verpflichtet, Rentenversicherungsbeiträge zu bezahlen. Damit fallen rund 9,3 Prozent Steuern für den Erwerbstätigen weg. „Wer jeden Euro im Monat benötigt, kann mit dieser Option direkt sein Netto-Einkommen erhöhen“, sagt Braubach. 97 Prozent der Rentner arbeiten zurzeit in diesem Modell und profitieren damit nicht von der Flexirente.

Steuerliche Auswirkungen bedenken

Warum so viele Rentner Option 3 statt Option 2 wählen, ist unklar. Expertin Braubach sagt dazu: „Das kann tatsächlich aus finanziellen Gründen sein, aber auch aus Unkenntnis oder geleitet durch den Gedanken: Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.“ Wer nicht direkt auf jeden Euro angewiesen ist, überlegt besser zweimal, ob sich Option 2 nicht mehr lohnt als Option 3. Minijobber hätten die eingezahlten Rentenversicherungsbeiträge in der Regel nach vier Jahren wieder raus. Erwerbstätige mit höherem Gehalt nach rund acht Jahren. Auch die Statistik spricht für Option 2: Männer beziehen im Schnitt rund 18 Jahre lang Rente, Frauen sogar 21 Jahre.

Wichtig: Rentner sollten unbedingt darauf achten, dass sie aufgrund ihres Zusatzverdienstes am Ende nicht finanziell schlechter dastehen. Denn das zusätzliche Einkommen kann in Kombination mit der Rente zu einer höheren Steuerlast führen. Rentner ermitteln die Steuerlast am besten im Vorhinein über Renten- oder Steuerrechner, wie zum Beispiel den Rentenrechner des Finanzamtes Bayern.

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