Kolumne Finanzen sind keine Männersache, sondern gehen alle an

Dani Parthum
Dani Parthum
© Tom Salt
Frauen sparen, Männer investieren. Und Ehefrauen sagen in Deutschland mehrheitlich: „Die Finanzen macht mein Mann.“ Bei steigenden Scheidungsraten ist eigenes Finanzwissen auch in der Ehe die klügere Entscheidung

„Das macht mein Mann!“ Diesen Satz höre ich oft; für meinen Geschmack zu oft. Und nein, es geht dabei nicht um den Müll oder das Auto, das in die Werkstatt muss und auch nicht um den Rasen. Die Rede ist von langfristigen, finanziellen Anlageentscheidungen, die Frauen in Deutschland selbst heute noch im Jahr 2022 mehrheitlich ihren (Ehe)Männern überlassen. Sie kümmern sich also nicht selbst aktiv um ihre Rente und eine Altersvorsorge.

Grundsätzlich wäre nichts dagegen einzuwenden, wenn Frauen wichtige Finanzangelegenheiten delegieren. Allerdings nur, wenn sie selbst Bescheid wissen und einen generellen Überblick haben und sich nicht finanziell abhängig machen. Leider ist das bei vielen Ehepaaren gerade nicht der Fall, dass Vermögen als gemeinsame Entscheidung und auf Augenhöhe aufgebaut wird.

In den vergangenen Jahren haben Banken, Vermögensverwalter und Anlageportale zahlreiche Studien und Umfragen in Auftrag gegeben, die untersuchen, wer sich in Beziehungen und Familie mit den Finanzen beschäftigt und das Geld anlegt.

Ergebnis (auch) für Deutschland: Frauen treffen mehrheitlich die alltäglichen, kurzfristigen Finanzentscheidungen, Männer die langfristigen Vermögensentscheidungen. Frauen haben eher nur ein Tagesgeldkonto , Männer überwiegend dazu Depots.

Frauen sparen, Männer investieren

Frauen bleiben also tendenziell beim Sparen hängen und scheuen den Schritt zum Investieren. Sie nehmen seltener am Kapitalmarkt teil und wenn, sind sie bei der Geldanlage vorsichtiger. Besonders verheiratete Frauen geben die Verantwortung für ihre eigene Altersvorsorge an ihre Ehemänner ab.

Befragte Frauen nennen als einen Hauptgrund dafür mangelndes Wissen. In einer Studie der UBS Bank von 2018 meinten über 80 Prozent der weltweit befragten Frauen, dass ihre Partner sich mit langfristigen Finanzangelegenheiten besser auskennen als sie. Was die Frauen veranlasst, an sich zu zweifeln, Männern aber das nötige Finanzwissen zutrauen, hat die UBS leider nicht erhoben. Als ob sich fehlendes Wissen nicht aneignen ließen!

Auf der anderen Seite raten gerade ältere Frauen ihrem jüngeren Ich eindringlich, sich gerade finanziell nicht von anderen abhängig zu machen. Und schon gar nicht finanzielle Entscheidungen von der Liebe. Und doch tun genau das viele Frauen in Beziehungen.

Bei Scheidung oder Tod stehen sie dann neben der emotionalen Belastung oft finanziell vor enormen Herausforderungen, im schlimmsten Fall nach Jahrzehnten Ehe mit langer Erwerbspause und Teilzeitarbeit vor dem finanziellen Neuanfang und einer Mini-Rente. Es hat einen Grund, warum Altersarm weiblich ist.

Besonders geschiedene Frauen bedauern deshalb in Umfragen sehr, sich nicht stärker und früher selbst um langfristige Finanzentscheidungen gekümmert zu haben. Und die Scheidungsrate in Deutschland liegt hoch.

Freiwillig finanziell abhängig trotzt hoher Scheidungsrate

Von drei Eheschließungen im Jahr 2020 ging eine in die Brüche, im Trend fast zwei. Und nein, es trifft nicht immer die Anderen. Es ist schon lange Zeit, dass wir Frauen aufwachen und uns Wissen über Geld, Risiko, Wirtschaft und volkswirtschaftliche Zusammenhänge aneignen, um langfristige Finanzentscheidungen für Rente und Altersvorsorge sicher selbst treffen zu können.

Und Frauen sind gute Investorinnen, wenn sie sich der eigenen, finanziellen Mündigkeit gestellt und erkannt haben, dass Geldanlage überwiegend Handwerk ist. Auch das in zahlreichen Studien nachgewiesen.

Dominanz im Finanzsektor – noch 127 Jahre bis Parität?

Dass sich der Glaube, Finanzen seien Männersache, so hartnäckig hält, hat neben historischen Gründen sicher auch mit fehlenden, weiblichen Vorbildern zu tun.

Wer tummelt sich denn im Club der bekanntesten Investoren? Richtig, ausschließlich Männer: Warren Buffett, Peter Lynch, John C. Bogle, Benjamin Graham, Sir John Templeton oder Thomas Rowe Price Jr. Frauen müssen wir suchen. Aktuell macht die US-Amerikanerin Cathy Woods mit ihrem Fonds Ark Invest von sich reden. In Deutschland sind die Aktieninvestorinnen Beate Sander mit ihrer Hoch-Tief-Strategie einem breiteren Publikum bekannt und Susan Levermann mit ihrer „Levermann-Strategie“.

Zudem ist der gesamte Finanzsektor von Männern dominiert – in Banken, Versicherungen, Finanzlehrstühlen und in der Provisions- und Honorarberatung. Wollten beispielsweise deutsche Fondsgesellschaften ihre Fonds gleichberechtigt von Frauen und Männern managen lassen, bräuchte es noch 127 Jahre .

Ohne Ausnahme: Finanzen gehören in die eigenen Hände. Mit eigenem Wissen. Mit eigener Strategie für langfristige Entscheidungen wie die Altersvorsorge. Für Beziehungen heißt das: Beide kümmern sich, entscheiden gemeinsam oder getrennt im Austausch miteinander und immer eigenverantwortlich. Das ist Selbstfürsorge, die Frauen stark macht – und freilich auch Männer und die gemeinsame Liebe.

Dani Parthum ist Diplom-Ökonomin, Geldcoach, Finanzbloggerin und Buchautorin. Unter der Marke Geldfrau unterstützt sie Frauen dabei, ihre Angst vor Finanzen abzulegen und für sich selbst Strategien zu entwickeln, selbstbestimmt mit Geld umzugehen und Vermögen aufzubauen.


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