InflationEuro-Stärke ärgert die EZB

Keine Zinserhöhung, kein Risiko: Die EZB bleibt vorerst bei ihrer lockeren GeldpolitikGetty Images

Das Jahr 2017 würde das Jahr werden, in dem die Inflation in der Eurozone nach jahrelanger Flaute wieder anzieht. Da waren sich Ökonomen zum Jahreswechsel sicher. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) zeigte sich im Dezember optimistisch, dass die Teuerung bald auf das Notenbankziel von knapp zwei Prozent steigen würde, das als ideal für die Wirtschaft gilt. Nun sieht es allerdings so aus, als sei der Optimismus verfrüht gewesen.

Obwohl die Konjunktur im Euro-Raum brummt, macht die Inflation keine Anstalten zu steigen. Das musste EZB-Chef Mario Draghi bei einer Notenbanksitzung Ende Januar einräumen. Die Inflationsrate lag im Januar für die gesamte Eurozone bei 1,3 Prozent und damit sogar tiefer als in den Vormonaten. Solange die Inflation derart niedrig bleibt, sind höhere Zinsen für die EZB kein Thema.


source: tradingeconomics.com

Einer der Hauptgründe für die stagnierenden Verbraucherpreise ist an den Währungsmärkten zu finden. „Aufgrund der weiterhin hohen Arbeitslosigkeit und des starken Euros sollte die Inflation in Europa gedämpft bleiben“, sagt Carsten Mumm, Chefvolkswirt der Privatbank Donner & Reuschel. Die europäische Gemeinschaftswährung hat in den vergangenen Monaten gegenüber dem US-Dollar um fast 20 Prozent aufgewertet. Für einen Euro bekommt man dieser Tage rund 1,25 Dollar.

Keine Zinswende wegen Euro-Stärke

Wechselkurse und Inflation beeinflussen sich gegenseitig. Wertet der Euro auf, werden importierte Waren für Verbraucher in der Eurozone billiger, das Preisniveau sinkt. Umgekehrt belastet ein schwächerer Euro die Importe und treibt die Verbraucherpreise tendenziell stärker in die Höhe. Die Zinsen spielen dabei eine wichtige Rolle. So führt ein fallender Leitzins in der Regel dazu, dass eine Währung abwertet, und umgekehrt. Der starke Euro liefert der EZB also einen Grund dafür, die Zinswende in der Eurozone trotz guter Konjunktur weiter aufzuschieben. Andererseits bereitet die Euro-Stärke den Notenbankern Sorgen, weil sie mit deflationären Tendenzen im Euro-Raum einhergeht – und die will die EZB jetzt auf keinen Fall haben.

Die Machtverschiebung zwischen Euro und Greenback hat nicht nur die Notenbanker kalt erwischt. Auch bei Anlegern sorgt die Euro-Stärke für unangenehme Überraschungen. Vermögensprofis bemühen sich um Erklärungen dafür – ein schwieriges Unterfangen, weil sich die Devisenmärkte üblicherweise jeglichen Analyseversuchen entziehen. Der Euro genieße nach mehreren politisch schwierigen Jahren allmählich wieder mehr Vertrauen bei internationalen Investoren, mutmaßt Didier Saint-Georges, Investmentstratege beim Fondsanbieter Carmignac Gestion. Auf der anderen Seite des Atlantiks schwäche das nachlassende Engagement der USA auf der Weltbühne die globale Bedeutung des Dollars.

Fest steht: Der US-Regierung kommt der schwächere Greenback durchaus gelegen. US-Finanzminister Steven Mnuchin pries im vergangenen Monat die wohltuende Wirkung eines schwachen Dollars für den Außenhandel der Vereinigten Staaten und schickte die US-Währung damit kurzzeitig noch weiter auf Talfahrt. EZB-Präsident Draghi konterte ungewohnt scharf. Anleger sollten den Wortwechsel zwischen Mnuchin und Draghi nicht überbewerten, sagt Karsten Junius, Chefvolkswirt der Bank J. Safra Sarasin. Ein Währungskrieg zwischen Europa und den USA sei nicht in Sicht. Eine anziehende Inflation in der Eurozone allerdings auch nicht.