Indexfonds ETF-Markt auf Wachstumskurs

Blackrock-Händler in London
Blackrock-Händler in LondonDavid Vintiner

Der europäische Markt für börsengehandelte Indexfonds (ETFs) hat im vergangenen Jahr einen neuen Rekord aufgestellt: Mit 107 Mrd. Euro verzeichnete er so hohe Nettomittelzuflüsse wie nie zuvor. Das verwaltete Vermögen stieg auf rund 870 Mrd. Euro, berichtet der Datenanbieter Refinitiv. Dabei machte sich auch die Hausse an den Aktienmärkten bemerkbar.

Der Löwenanteil des neu investierten Geldes – knapp 60 Mrd. Euro – floss in Renten-ETFs. Aktien-ETFs verzeichneten trotz starker Performance nur Zuflüsse in Höhe von 46 Mrd. Euro. Anleger standen offenbar noch unter dem Eindruck des schwachen Schlussquartals 2018 und investierten deshalb zunächst sehr vorsichtig, urteilt Refinitiv-Experte Detlef Glow. Auch Rohstoff- und Misch-ETFs konnten nur wenig Geld einsammeln. Alternative Indexfonds, die Hedgefonds-Strategien nachbilden, verzeichneten unterm Strich Abflüsse.

Alles in allem waren passive Fonds im Jahr 2019 nicht nur so beliebt wie nie, sondern auch deutlich gefragter als aktiv verwaltete Anlageprodukte. „Überraschenderweise wurde der größte Teil der Zuflüsse in passive Produkte investiert“, berichtet Glow. ETFs und andere Indextracker konnten im vergangenen Jahr zusammengenommen 59 Prozent der Zuflüsse auf sich vereinen. Für Manager herkömmlicher Fonds dürften diese Zahlen den Druck erhöhen, Anlegern durch aktives Management einen Mehrwert zu bieten. In vielen Anlagekategorien schnitten aktive Fonds in den vergangenen Jahren nach Kosten deutlich schlechter ab als ETFs.

Nachhaltige ETFs sind gefragt

Zahlen zu den Januar-Zuflüssen liegen noch nicht vor. Einige Trends zeichnen sich für das laufende Jahr aber bereits ab. So dürften nachhaltige Indexfonds in den kommenden Monaten mit hoher Wahrscheinlichkeit zu den Verkaufsschlagern gehören. Bereits im vergangenen Jahr verzeichneten ESG-konforme ETFs in Europa mit 16,5 Mrd. Euro rekordhohe Zuflüsse, zeigen Zahlen von Lyxor ETF. Dem französischen Anbieter zufolge war das in erster Linie regulatorischen Veränderungen und einem wachsenden Bedarf an nachhaltigen Anlageinstrumenten geschuldet. Diese beiden Treiber dürften die Nachfrage auch im laufenden Jahr befeuern. Kein Wunder, dass Anbieter vermehrt Nachhaltigkeits-ETFs lancieren. So hat etwa L&G ETF kürzlich zwei neue nachhaltige Aktien-Indexfonds an der Deutschen Börse gelistet.

In den großen Anlageklassen, Sektoren und Strategien können Anleger inzwischen aus Dutzenden ETFs wählen, die sich nur geringfügig unterscheiden. Zuletzt versuchten Anbieter deshalb immer wieder, den Markt mit Niedrigpreis-Offensiven aufzumischen – im vergangenen Jahr etwa Amundi mit einer extragünstigen Palette an Standard-ETFs, die neuerdings auch in einer thesaurierenden Variante erhältlich sind.

Rize setzt voll auf Themen-ETFs

Nun wollen sich einzelne Gesellschaften offenbar eher durch spezielle Themenprodukte von der Konkurrenz absetzen. Der Londoner Anbieter Hanetf zum Beispiel hat Anfang laufenden Jahres gemeinsam mit dem kanadischen Fondshaus Purpose Investments einen Indexfonds aufgelegt, der in Aktien von Unternehmen aus der medizinischen Cannabis-Branche investiert. Dieser noch junge Sektor hat sich bisher volatil gezeigt, gilt aber unter risikobereiten Anlegern als vielversprechend.

Ein neuer Player im europäischen Indexfonds-Markt will sogar komplett auf Themen-ETFs setzen: Die britische Gesellschaft Rize ETF startet dieser Tage ihren Vertrieb in Deutschland, Österreich und der Schweiz und ist auf thematische Produkte spezialisiert. Welche Themen der erst im vergangenen Jahr gegründete Anbieter konkret abdecken will, ist noch nicht klar. Für eine andere Gesellschaft haben Mitglieder des Rize-Teams in früheren Jahren einen Robotik- und einen Cybersicherheits-ETF konzipiert. Die eigenen Produkte sollen nun nach eigenen Angaben „globale und bahnbrechende Megatrends aufgreifen“.