FondsETF-Erfolg ruft Neider auf den Plan

Figur eines roten Teufels vor der Dax-Anzeigentafel in Frankfurt
Sind Fonds, die einen Index nachbilden, tatsächlich Teufelszeug für Anleger?Getty Images

Die Luft wird dünner für Anbieter aktiv verwalteter Fonds. Die Zuflüsse in börsengehandelte Indexfonds (ETFs) steigen seit Jahren, die Produkte graben aktiven Fonds zunehmend das Wasser ab. Im laufenden Jahr dürften die Zuflüsse in ETFs einmal mehr ein Rekordhoch erreichen, prognostiziert der französische Indexfondsanbieter Lyxor. Seit Jahresbeginn haben Anleger in Europa rund 71 Mrd. Euro in Indexfonds investiert. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 waren es insgesamt gerade einmal 45 Mrd. Euro.

Neuerdings mischt auch noch der US-amerikanische ETF-Anbieter Vanguard auf dem deutschen Markt mit. Seit Ende Oktober sind mehrere Aktien- und Anleihe-ETFs der Investmentgesellschaft an der Deutschen Börse gelistet. In den kommenden Monaten wolle man das Engagement in Deutschland weiter ausbauen, erklärt Vanguards Europa-Chef Sean Hagerty – und gibt auch gleich einen Hinweis darauf, wie das Unternehmen den Kampf gegen die aktive wie passive Konkurrenz zu führen gedenkt: „Investoren verdienen ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.“ In den USA ist Vanguard seit Jahren für eine aggressive Niedrigpreis-Politik berüchtigt.

ETFs sind billiger

Auf Kostenebene können aktive Fonds nicht mit Indexfonds konkurrieren. Einen Index nachzubauen ist in der Regel deutlich günstiger als einzelne Aktien oder Anleihen für das Portfolio auszuwählen. Immer mehr Anbieter aktiv verwalteter Fonds betonen deshalb im Kampf gegen die ETF-Konkurrenz den Mehrwert, den ihre Produkte angeblich bieten. Der Tenor: ETFs kosten zwar nicht viel – dafür bekommen Anleger aber auch keine bemerkenswerte Leistung.

Die jüngste Spitze gegen indexnahe Geldanlagen kommt von Natixis Global Asset Management. Die Investment-Tochter der französischen Sparkassen und Genossenschaftsbanken hat 8300 Privatanleger aus 26 Ländern zu ihrer Portfoliostruktur und ihren Markterwartungen befragt. Als zentrales Umfrageergebnis präsentiert Natixis, dass Indexfonds weder die Ertragserwartungen von Anlegern erfüllten noch deren Wertvorstellungen entsprächen.

Die Studienergebnisse sind allerdings mit Vorsicht zu betrachten. So gaben deutsche Privatanleger an, im Schnitt eine Rendite von 10,5 Prozent nach Inflation zu benötigen, damit sie ihre Anlageziele erreichen. Es stimmt zwar, dass viele Indexfonds keine derart hohen Erträge bringen. Aber auch mit vielen aktiven Fonds lässt sich dieses Renditeziel kaum erreichen. So schafften etwa aktiv verwaltete global investierende Aktienfonds in den vergangenen drei Jahren im Schnitt ein Plus von 9,5 Prozent jährlich, zeigen Daten der Fondsratingagentur Morningstar. Europäische Standardwertefonds erzielten im selben Zeitraum eine etwas geringere Rendite, nämlich durchschnittlich acht Prozent Plus pro Jahr.

Sind aktive Fonds nur verkappte Indexfonds?

Auch die Angabe, ETFs entsprächen nicht den Wertvorstellungen von Privatanlegern, gilt so pauschal nicht. Mehr als 80 Prozent der deutschen Anleger wünschen sich, dass Investmentprodukte Aspekte wie Umweltschutz, Arbeitsbedingungen oder gute Unternehmensführung berücksichtigen, im Fachjargon ESG-Kriterien genannt. Nur 46 Prozent sind der Ansicht, dass ETFs solche Kriterien berücksichtigen. Das sagt allerdings mehr über das Wissen der Anleger aus als über die ETF-Branche. Ebenso wie Anbieter aktiv verwalteter Fonds legen nämlich auch Indexfondshäuser immer mehr Wert auf ökologisch und ethisch korrekte Anlagen – nicht zuletzt, weil ihre Kunden danach verlangen.

Zuletzt weist Natixis darauf hin, dass „verkappte Indexfonds“ das Vertrauen in die Fondsindustrie belasten. Demnach erwarten 72 Prozent der Befragten, dass Fondsmanager einen aktiven Investmentansatz verfolgen. Zugleich gehen ebenso viele davon aus, dass Asset-Manager oft nur einen Index abbilden – und trotzdem Gebühren für aktives Management verlangen. Dieser Punkt spricht indes eher gegen aktive Fondsmanager als gegen ETFs.

Eine aktuelle Studie der Ratingagentur Scope zeichnet ein unvoreingenommeneres Bild. Die Scope-Analysten haben rund 3000 aktiv verwaltete Aktien- und Rentenfonds daraufhin untersucht, ob sie in den ersten drei Quartalen dieses Jahres ihren jeweiligen Vergleichsindex geschlagen haben. Ergebnis: Bei den Aktienfonds lag die sogenannte Outperformance-Ratio nach den ersten neun Monaten bei 55,6 Prozent. Bei den Rentenfonds hatten es per Ende September 52,3 Prozent geschafft, die Benchmark zu übertreffen. Fast die Hälfte der Anleger, die aktiv verwaltete Aktien- oder Anleihefonds im Depot haben, wäre also mit einem ETF besser bedient gewesen.