PKV-BeiträgeErste Hilfe: Was tun bei Beitragserhöhungen?

Notfall: So mancher Krankenversicherer hat in den letzten Jahren die Beiträge enorm erhöhtJohannes Mink

#1 Verzicht

Insbesondere in alten Tarifen verstecken sich häufig unnötige oder luxuriöse Leistungen, deren Verlust kaum schmerzt. Dazu gehören verzichtbare Krankenhaustagegelder oder das Einbettzimmer im Hospital. Wer umbaut, kann oft eine Erhöhungsrunde ausgleichen.

#2 Eigenbeteiligung

Eine höhere Eigenbeteiligung an den Krankheitskosten ist ein wirkungsvolles Instrument, das den Beitrag leicht um zehn oder 15 Prozent drückt. Allerdings gilt es, auf Risiken und Nebenwirkungen zu achten, denn wer den Betrag einmal erhöht, kommt vom neuen Niveau nicht mehr ohne Weiteres herunter. Zudem beteiligt sich der Arbeitgeber – anders als beim Beitrag – nicht an den Kosten. Für Angestellte empfehlen Experten deshalb maximal 600 Euro Selbstbehalt jährlich, für Selbstständige 1200 Euro.

#3 Tarifwechsel

Den größten Spareffekt bringt meist ein Tarifwechsel beim eigenen Versicherer. Bis zu 50 Prozent sind dabei drin – und zwar bei vergleichbaren Leistungen. Das Beste daran: Das Wechselrecht ist gesetzlich verbrieft und garantiert das bereits angesparte Alterspolster, häufig einen fünfstelligen Betrag. Weil es als Laie jedoch schwierig ist, einen günstigen und passenden Zieltarif zu identifizieren und die Anbieter sich teils sträuben, empfiehlt es sich, für den Umstieg einen Profi zu engagieren. Dies sind zum Beispiel zugelassene Versicherungsberater (bvvb.de), der Bund der Versicherten oder spezialisierte Makler. Vorsicht ist bei Beratern angebracht, die ein Erfolgshonorar kassieren. Dort besteht die Gefahr, dass der Beitrag so stark gedrückt wird, dass nur noch ein Rumpfschutz übrig bleibt. Es lohnt, auf die Leistungen zu achten!

#4 Rückzug

Wer jünger als 55 Jahre ist, kann als Angestellter in die gesetzliche Kasse zurück, wenn er sein Bruttogehalt eine Zeit lang unter die Jahresarbeitsentgeltgrenze von derzeit 57.600 Euro drückt (2018: 59.400 Euro) – zum Beispiel durch Teilzeitarbeit oder Zahlungen in die betriebliche Vorsorge. Selbstständige müssen sich anstellen lassen. Diese Maßnahme ist aufwendig, wirkt aber gut, wenn die Einnahmen geschrumpft sind (Selbstständige) oder viele Kinder die PKV-Kosten hochtreiben.

#5 Notoperation

Wer über 55 Jahre alt ist und alles andere bereits ausgereizt hat, kann schärfere Schritte erwägen – und überprüfen lassen, ob die Beitragserhöhung korrekt ablief. Kostenlos erledigt das die Aufsichtsbehörde (bafin.de), einfallsreiche Anwälte und Sachverständige finden mitunter weitere Angriffspunkte – wie im Fall der Axa, der nun beim Bundesgerichtshof liegt (Az. IV ZR 255/17). Wer keinen Rechtschutz besitzt oder den Aufwand einer Klage scheut, sollte das höchstrichterliche Urteil abwarten. Unabhängig von der Rückzahlung selbst sind die Chancen, auf diesem Weg dauerhaft niedrigere Prämien zu erreichen, überschaubar. Als allerletzte Option bleibt danach nur das soziale Auffangnetz der Privaten: Standard- oder Basistarif. Beide bieten Schutz auf Kassenniveau, der Basistarif ist allerdings auch noch teuer.