KolumnePlädoyer für einen Staatspensionsfonds

Christoph Bruns
Christoph Bruns
© Lyndon French

Bereits ein flüchtiger Blick auf den aktuellen Bundestagswahlkampf zeigt sogleich, wo die deutschen Wahlkampftabus liegen. Die Themen Bevölkerungspolitik, Beamtenstaat oder Vermögensentwicklung kommen so gut wie nicht vor. Was die unterdurchschnittliche Vermögensentwicklung der deutschen Bevölkerung angeht, so ist sie in erster Linie einer ausgeprägten Sachwertfeindlichkeit geschuldet. Auf diesem Gebiet geht die unterdurchschnittliche Eigenheimbesitzquote Hand in Hand mit der Aktienfeindlichkeit, die in Deutschland weit verbreitet ist und staatlich durch Diskriminierungen noch zementiert wird. Es können keine Zweifel darüber bestehen, dass dieses Phänomen vor dem Hintergrund eines sich stetig verschlechternden Altersaufbaus der Gesellschaft und lange andauernder negativer Realzinsen zu Altersarmut und Abhängigkeit vom Staat führen werden bzw. bereits geführt haben.

Goldschatz der Bundesbank

Um einen Ausweg aus dieser bedrohlichen und doch weithin ignorierten Lage zu finden, mache ich folgenden Lösungsvorschlag. Die Deutsche Bundesbank hortet seit vielen Jahrzehnten einen Goldschatz, der bei aktuellen Goldpreisen und Dollarkursen knapp 120 Milliarden Euro wert ist. Seit dem Wegfall der Golddeckung des Geldes (Bretton-Woods-System) besteht für die Goldhortung kein überzeugender Grund mehr, zumal die damalige Währung D-Mark zugunsten der Gemeinschaftswährung Euro aufgegeben wurde. Bedenkt man zusätzlich, dass die Europäische Zentralbank monatlich im Umfang von 60 Milliarden Euro Staatsanleihen mit gedrucktem Geld aufkauft, dann sieht man sogleich, dass die Goldmengen der Notenbanken nur einen Bruchteil des Geldvermögens ausmachen und daher keinen ins Gewicht fallenden Stabilitätsanker mehr darstellen. Also ist meiner Meinung nach die Zeit gekommen, den Goldschatz der Bundesbank zu verkaufen und stattdessen mit dem Geld ein produktives Sachwertportfolio aufzubauen. Hier kann Norwegen als Vorbild dienen, denn die Skandinavier haben bereits vor mehr als zwei Jahrzehnten erkannt, dass generationenübergreifendes Investieren ganz überwiegend in Sachwerten zu erfolgen hat. Die Nordländer waren im Gegensatz zu anderen Ölländern (USA, Russland, Großbritannien etc.) klug genug, ihre finanziellen Überschüsse zum Wohle der eigenen Bevölkerung weltweit zu investieren. Der norwegische Pensionsfonds ist ein Staatsfonds, der mittlerweile überwiegend in Aktien investiert und inzwischen ein Volumen von ca. 900 Milliarden Euro aufweist. Am Beispiel Norwegens sollte sich die deutsche Politik ein Beispiel nehmen.

Der Staat ist eigentlich kein guter Investor

Der Gedanke, den Staat mit dem Investieren von Volksvermögen zu betrauen, ist mir im Grunde nicht angenehm, weil ich überzeugt bin, dass das Investieren privat besser zu gestalten wäre. Gleichwohl habe ich nach dreißigjährigem und weithin vergeblichem Anrennen feststellen müssen, dass die Bürger hierzulande und vor allem die gewählten Politiker mehrheitlich nicht zu überzeugen sind, ihr Erspartes in produktiven und sogar dynamischen Anlageformen arbeiten zu lassen. Deshalb mag es ein erster und durchaus pädagogisch symbolträchtiger Schritt sein, wenn zunächst mittels eines deutschen Staatsfonds der Gedanke des Investierens in Sachwerte publik gemacht wird. Dazu könnten die derzeitigen Goldbestände der Deutschen Bundesbank als Startkapital eingesetzt werden, wohl wissend, dass 120 Milliarden Euro gerade einmal 1.400 Euro pro Bundesbürger ausmachen. Dieser deutsche Pensionsfonds könnte dann jährlich durch die Gewinne der Bundesbank zusätzlich gespeist werden, so dass im Verlauf von Jahren und Jahrzehnten ein signifikantes Vermögen heranwachsen würde, mit dem die Rentendefizite geschmälert werden können. Auf diese Weise ließe sich auch die Gefahr vermeiden, dass Gold durch die aufkommenden Kryptowährungen seiner ihm von vielen zugeschriebenen traditionellen Rolle als Währung verlustig geht. Die Alternative zum „Fiat-Geld“ besteht in der Zukunft nämlich nicht mehr im teuren Verwahren von unhandlichem Gold, sondern im digital hinterlegten aber nicht beliebig vermehrbarem virtuellen Geld.

Aus Chicago
Ihr

Dr. Christoph Bruns


Christoph Bruns ist Fondsmanager, Vorstand und Teilhaber der Fondsgesellschaft Loys AG. Weitere Kolumnen: Die USA – ein Land von gestern, Das Ende des Adenauer-Dogmas und Deutsche Leitkultur bei der Geldanlage


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