Hilfspaket Diese Finanzhilfen gibt es in der Corona-Krise

Symbolbild Gehalt
Symbolbild Gehalt
© Christian Dubovan / Unsplash
Das Hilfspaket der Bundesregierung soll Kleinunternehmer und Kreditnehmer in der Krise entlasten. Auch die Finanzbranche arbeitet an Lösungen, wie Verbraucher jetzt flüssig bleiben – ohne gleich ihre Altersvorsorge oder andere Verträge zu kündigen

Seit die Wirtschaft weitgehend still steht ist bei vielen Bürgern Ebbe in der Kasse. Bei den Gewerbetreibenden natürlich, die ihre Läden und Betriebe schließen mussten. Bei den Dienstleistern, denen von einem Tag auf den anderen sämtliche Aufträge weggebrochen sind. Aber auch bei vielen Angestellten, die jetzt in Kurzarbeit geschickt werden und deshalb mit weniger Geld auskommen müssen. Und jeder, der weniger einnimmt, fragt sich natürlich auch, wie er die Verluste ausgleichen kann – oder wie man jetzt die Ausgaben reduziert. Vor allem große Posten wie Miete und Altersvorsorge geraten da in den Blick. An einigen Stellen gibt es jetzt ganz ungewöhnliche Corona-Hilfen, mit denen zuvor keiner gerechnet hätte:

Soforthilfe - Zuschüsse anfordern

Als sofortigen Betriebskostenzuschuss zahlt die Bundesregierung an Selbständige bis zu 9000 Euro aus, wenn sie nicht mehr als fünf Mitarbeiter haben. Das ist kein Kredit, sondern ausdrücklich eine Hilfsmaßnahme, die nicht zurückgezahlt werden muss. Damit sollen Einzel- und Kleinunternehmer drei Monate ohne Einnahmen überbrücken können. Weitere Informationen gibt es hier:

https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Schlaglichter/Corona-Schutzschild/2020-03-19-Milliardenhilfe-fuer-alle.html

https://www.kfw.de/KfW-Konzern/Newsroom/Aktuelles/KfW-Corona-Hilfe-2.html

Steuerzahlungen – auf später verschieben

Vielen Selbstständigen und Kleinunternehmern hilft es auch schon, jetzt keine Steuervorauszahlungen leisten zu müssen. Denn die Abschläge, die bereits für das laufende Kalenderjahr zu entrichten sind, orientieren sich stets an der Höhe der Einnahmen im vorausgegangenen Jahr. Da 2019 für viele gut gelaufen sein dürfte, sind also meist üppige Vorauszahlungen fällig, die viele wegen wegbrechender Einnahmen nicht leisten können. Das Finanzamt passt die Vorauszahlungen aber jetzt nach unten an, wenn sich Betroffene bei ihm melden. Und die Beträge werden ebenfalls gestundet, also aufgeschoben. Informationen finden Sie hier:

https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Schlaglichter/Corona-Schutzschild/2020-03-19-steuerliche-Massnahmen.html

Kredite – Raten aussetzen

Die Sparkassen bieten ihren Kunden laut Deutschem Sparkassen- und Giroverband an, das Abtragen von Konsumentenkrediten einige Monate auszusetzen. Inklusive Zins und Tilgung. Im Gespräch ist auch, Dispokredite zum Nullzins einzurichten. So könnten sich Verbraucher in den kommenden Monaten finanziell Luft verschaffen, indem sie ihre Girokonten überziehen. Die Anträge dafür sollen Kunden über ein Onlinetool bei den Sparkassen stellen können.

Zum Überbrücken kurzfristiger Engpässe sind solche Überziehungen auch sicher sinnvoll. Vorsicht aber, wenn sich gerade dadurch noch höhere Schulden anhäufen – denn irgendwann müssen die später natürlich abgezahlt werden!

Auch bei Immobilienkrediten können die Raten jetzt kurzfristig gestoppt werden. Wer derzeit wegen Corona-Einnahmeausfällen nicht wie gewohnt seine Hausschulden abtragen kann, der sollte sich schleunigst mit dem Kreditberater seiner Bank auseinandersetzen. Bis 30. Juni ist es laut dem beschlossenen Hilfspaket der Bundesregierung möglich, mit Monatszahlungen auszusetzen. Reduziert werden konnten sie auch bereits zuvor ohnehin. Das Aussetzen ist lediglich eine Zahlungspause – wird der Shutdown also wieder aufgehoben und die Einnahmen fließen wieder, werden die Raten weiter abgestottert. Entweder in der üblichen Höhe oder entsprechend angepasst, falls sich das Einkommen ändert.

Das Darlehen verlängert sich durch die Corona-Stundung insgesamt einfach um die entsprechenden Monate, die man bis Juni aussetzt. Die Bank darf keine Verzugszinsen erheben und den Vertrag jetzt auch nicht kündigen. Damit soll allen Immobilienbesitzern die Angst genommen werden, ihr Wohneigentum unverschuldet zu verlieren. Ob das Gesetz notfalls über den 30. Juni hinaus verlängert wird, bleibt abzuwarten. Die Regierung hat sich diese Möglichkeit im Gesetzestext ausdrücklich vorbehalten.

Wer mit den Raten aussetzen will: Der Kontakt online oder telefonisch reicht aus, sagen erste Banken und Sparkassen.

Versicherungen – Pause machen

Auch erste Versicherer räumen ihren Kunden jetzt eine Zahlungspause ein. Sie fürchten offenbar, dass sonst massenhaft Lebens- und Rentenpolicen gekündigt werden. Die Kunden können daher Beitragszahlungen vorübergehend aussetzen. Das gilt etwa für die private Altersvorsorge ebenso wie für die betriebliche bAV. Aber auch für Berufsunfähigkeitsversicherungen, die bei vielen Versicherten oft auch knapp 100 Euro im Monat ausmachen.

Die HDI Lebensversicherung AG etwa verspricht dabei „Kulanz für alle Kunden und alle Vertragsarten“. Ab sofort könnten Kunden auch ohne sonstige Nachweise beantragen, dass sie ihre Beiträge für bis zu sechs Monate nicht zahlen müssten. Längstens können sie bis zum 31. Dezember dieses Jahres ihre Zahlungen aussetzen. Das sei jedoch keine Beitragsfreistellung, betont die Versicherung, sondern tatsächlich nur eine Corona-Pause, das heißt: Der volle Versicherungsschutz bleibe während der Beitragspause lückenlos erhalten. Bei der Beitragsfreistellung dagegen ist üblicherweise der Schutz reduziert oder er entfällt ganz. Tritt also während einer Beitragsfreistellung dann doch der Versicherungsfall ein, also etwa eine Berufsunfähigkeit, dann fallen die Leistungen oft geringer aus oder die Versicherung winkt ganz ab. Bei der Corona-Pause sei das nicht der Fall, der Schutz bleibt.

Nach der Einzahlpause können die Kunden dann entscheiden, ob sie die Beiträge nachzahlen – oder nicht. Wer den Rückstand aufholt, hat dann bei Alterssparverträgen später keine Einbußen. Wer nicht nachzahlen kann, muss mit etwas geringeren Auszahlungen rechnen, da er ja einige Monate kein Kapital eingezahlt hat, was sich deshalb auch nicht vermehren kann. Zinsen auf die ausgesetzten Beiträge fielen nicht an, sagt das Unternehmen.

Anträge per E-Mail an HDI-Leben-Coronapause@hdi.de

Die Volkswohlbund Lebensversicherung bietet ebenfalls eine Aussetzung der Beiträge bis zu einem Jahr an. Sie will auch bis zu drei Monatsbeiträge stunden. Einige andere Versicherer arbeiten dem Vernehmen nach ebenfalls an Sonderlösungen.

Ärger gibt es dagegen mit einigen Versicherungen, bei denen sich Gastwirte und Hoteliers gegen Betriebsschließungen abgesichert hatten. Dachten sie zumindest. Doch in solchen Verträgen sind zwar Fälle festgehalten sind wie einzelne Betriebsschließungen durch die Gesundheitsämter – etwa wenn ein Gast eine Lebensmittelvergiftung bekommen hat – oder bestimmte Krankheiten. Doch Versicherer argumentieren bereits jetzt, eine generelle Schließung aller Restaurations- und Übernachtungsbetriebe falle nicht darunter. Und Corona als Erkrankung dürfte wohl auch in keinem Vertrag ausdrücklich erwähnt sein. An dieser Stelle gibt es also keine finanzielle Erleichterung.

Ähnlich sieht es bei jenen Versicherungen aus, mit denen sich Gastronomen oder Veranstalter gegen den Ausfall von Events und Festlichkeiten schützen wollen. Auch hier dürften die Versicherungsunternehmen darauf berufen, im unvorhersehbaren Fall einer Pandemie nicht zu leisten.

Miete – mit dem Eigentümer sprechen

Auch erste Vermieter und Wohnungsunternehmen bieten ihren Bewohnern jetzt Hilfe an. Manche verschicken Briefe, in denen sie zum Beispiel Kleingewerbetreibenden die Ladenmiete für zwei oder drei Monate erlassen. Und selbst große Wohnungsunternehmen sehen derzeit vor allem von Mieterhöhungen ab oder wollen sogar Bezahlpläne mit betroffenen Mietern ausarbeiten. Selbst solche, die in der Vergangenheit wegen hoher Mietsteigerungen in der Kritik standen. Auf Kündigungen wegen Zahlungsverzug müssen die Unternehmen nun von Gesetzes wegen verzichten, so schreibt es das Hilfspaket der Bundesregierung ab 1. April vor.

Die ABG Frankfurt Holding verzichtet zum Beispiel derzeit auf Mieterhöhungen sowie Zahlungs- oder Räumungsklagen. Sie bietet Ratenzahlungen bei Mietrückstand an und unterstützt ihre Gewerbemieter mit Stundungsregelungen und Entlastungsangeboten im Einzelfall.

Deutsche Wohnen hat einen 30 Millionen Euro schweren Hilfsfonds eingerichtet, der Mietern helfen soll, wenn sie keine staatliche Unterstützung bekommen.

Das kommunale Wohnungsunternehmen Jenawohnen GmbH verzichtet auf Kündigungen bei Mietrückstand und will Gewerbekunden nach Absprache finanziell entlasten.

Die LEG Immobilien AG setzt zurzeit keine Mieterhöhungen um, verzichtet auf Kündigungen oder Räumungen. Auch die Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte Wohnstadt verzichtet auf Kündigungen und Räumungen wegen der Corona-Krise und bietet individuelle Lösungen für Mieter mit Zahlungsproblemen.

Die SAGA Unternehmensgruppe verlängert Stundungsvereinbarungen und setzt Mieterhöhungen vorerst aus. Vivawest verzichtet ebenfalls vorerst auf Mieterhöhungen und bietet Beratung an.

Vonovia informiert ihre 350.000 Mieterhaushalte per Anschreiben über die Möglichkeiten der Mietstundung und individuelle Lösungen. Ebenso will die WIRO Wohnen in Rostock Wohnungsgesellschaft mit Mietern nach Lösungen suchen, damit gefährdete Mieter wegen Corona nicht ihre Wohnung verlieren.


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