Dax-UmbauDie Zukunftsaussichten des MDax liegen im Dunkeln

Der Dax wird größer, der MDax schrumpftimago images / STPP

Die Deutsche Börse macht Ernst: Im September kommenden Jahres wird der deutsche Leitindex Dax von 30 auf 40 Werte aufgestockt. Das hat nicht nur Folgen für das bekannteste deutsche Börsenbarometer, sondern auch für dessen „kleinen Bruder“, den MDax. Die zehn Unternehmen, die bald in den Dax aufsteigen, werden nämlich aus dem Nebenwerteindex ausgewählt – und für sie rücken keine anderen Firmen nach. Während der Dax wächst, schrumpft also der MDax von heute 60 auf künftig nur noch 50 Werte.

Anlageprofis sind uneins, was die Reform – oder eher: das Reförmchen – der Indexfamilie für den MDax und in der Folge auch für Nebenwerteinvestoren bedeutet. Während die einen befürchten, dass das Marktbarometer durch die Schrumpfkur in die Bedeutungslosigkeit abrutschen könnte, sehen andere die geplante Verkleinerung als Konzentration auf das Wesentliche.

Marc Decker, Leiter des Asset-Managements bei der Privatbank Merck Finck, befürchtet durch die Dax-Erweiterung „negative Kaskadeneffekte“ für den MDax. Dieser müsse schließlich seine Top-Unternehmen an die nächsthöhere Liga abgeben. „Zu begrüßen wäre, wenn die aktuelle Reform ein erster Schritt zu einer tiefgreifenderen Reform wäre“, sagt Decker. „Ein Anfang ist jedenfalls gemacht.“

Schärferes Profil?

Genau umgekehrt sieht es Deckers Kollege Andreas Strobl, Fondsmanager bei Berenberg. Er ist überzeugt: Der Aderlass, der den MDax rund ein Drittel seines Börsenwertes kostet, wird den Index für Anleger eher interessanter machen. Seiner Ansicht nach wird das Profil des MDax dadurch geschärft. Der Fokus liege in Zukunft wieder stärker auf kleineren, wachstumsstarken Unternehmen, sagt Strobl – also auf just jenen Investmentkandidaten, die Nebenwerte-Anleger besonders attraktiv finden.

Welche MDax-Unternehmen nächstes Jahr in den Dax aufsteigen, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch ungewiss. Als Kandidaten werden unter anderem der Duftstoffhersteller Symrise, der Onlinehändler Zalando und der Energieversorger Uniper gehandelt. Klar ist nur: Bereits kurz vor Weihnachten dieses Jahres wird es im MDax eine Rochade geben. Die hat allerdings nichts mit der Reform des „großen Bruders“ Dax zu tun. Im Zuge der regelmäßigen Anpassungen rutscht der Finanzdienstleister Grenke Ende Dezember vom MDax in den SDax. Seinen Platz nimmt die Siemens-Abspaltung Siemens Energy ein. Die nächste reguläre Index-Überprüfung steht Anfang März 2021 an.

Investoren könnten versucht sein, auf die Index-Aufsteiger im MDax zu wetten, in der Hoffnung, dass deren Kurse vor der Aufnahme in den wichtigsten deutschen Börsenindex zulegen. Sie sollten dieser Versuchung allerdings widerstehen, warnt Marko Behring, Leiter des Asset Managements bei der Fürst Fugger Privatbank. Der Index-Effekt ist nämlich in der Regel nicht von Dauer. „Kurssteigerungen aufgrund einer möglichen Indexaufnahme sind meist kurzfristiger Natur und verpuffen oft schon bald danach“, sagt Behring.

Immer wieder lässt sich beobachten, dass es mit Kursrallys bei Indexaufsteigern schon am Tag, an dem sie in das nächstgrößere Börsenbarometer aufsteigen, wieder vorbei ist. Für eine Wette auf die Dax-Aufsteiger im kommenden Jahr wäre es jetzt außerdem deutlich zu früh: „Bis Herbst 2021 ist noch viel Zeit“, sagt Behring. „Da können sich einige Marktkapitalisierungen im MDax noch ordentlich drehen.“

 


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