LeserfrageLohnen sich Aktien von Dax-Aufsteigern?

Viermal pro Jahr prüft ein Komitee der Deutschen Börse, ob der Aktienindex Dax die Kursentwicklung der 30 größten und umsatzstärksten deutschen Aktien noch angemessen widerspiegelt. Drei Dutzend Male mussten Firmen seit Gründung 1988 den Dax verlassen. Drei Dutzend Male stiegen dafür andere Unternehmen in die erste Börsenliga auf, darunter so bekannte Firmen wie SAP, Münchener Rück, Deutsche Post oder Adidas.

Vom Aufstieg versprechen sich Unternehmen mehr Prestige – und nicht zuletzt steigende Kurse. Denn der Boom passiver Indexfonds (ETFs), die den Index eins zu eins abbilden, legt eine einfache Handelsstrategie nahe: Wenn doch alleine in Deutschland neun verschiedene Indexfonds dem Dax folgen und zusammen rund 17 Mrd. Euro verwalten – müssen dann die Kurse der Aufsteiger nicht automatisch steigen? Schließlich sind die Fonds gezwungen, die Aktien der Aufsteiger anteilig zu kaufen.

Dummerweise gibt es an der Börse selten etwas geschenkt. In der Vergangenheit sind viele Aktien auf dem Höhepunkt einer Euphoriewelle und zu hoher Bewertungen in den Dax aufgenommen worden. Zudem nehmen Spekulanten wie Investoren den Zukauf der passiven Indexfonds meist vorweg, was für zusätzliche Fallhöhe der Aufsteiger am Tag der Indexaufnahme sorgt. Schließlich ist die Nachfrage der Indexfonds den Profis lange vorher bekannt.

Nur vier Aktien waren besser als der Dax

Das schlägt sich auch in den Kursentwicklungen nieder: Blickt man etwa auf die elf Dax-Aufsteiger seit der Finanzkrise 2008, haben sich nur vier Titel seit der Aufnahme oder während ihres Gastspiels besser geschlagen als der Dax selbst. Sieben schnitten schlechter ab, darunter auch die jüngsten Aufsteiger Vonovia (13 Prozentpunkte schlechter als der Dax seit Aufnahme im September 2015) und Pro Sieben Sat 1 Media (24 Prozentpunkte schlechter seit dem Aufstieg im März 2016). Einzig die Versechsfachung des Aktienkurses von Fresenius seit 2009 sticht deutlich positiv heraus.

Es mag gute Gründe geben, die Aktien der Dax-Aufsteiger zu kaufen. Aktuelle Kandidaten sind etwa der Luftfahrtkonzern EADS, die Möbelholding Steinhoff und der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen. Die Chancen, mit ihnen langfristig besser abzuschneiden als der Dax selbst, sind jedoch schlecht. Insgesamt haben die Dax-Aufsteiger in der Vergangenheit nicht etwa zu steigenden Indexkursen beigetragen, sondern den Dax belastet. Hätte etwa ein Investor den Korb an Dax-Aktien zur Auflage des Dax 1988 oder auch vor der Finanzkrise 2007 in der jeweiligen Zusammensetzung gekauft, liegen gelassen und alle Änderungen ignoriert, so wäre sein Ertrag höher gewesen als der von Investoren in den laufend angepassten Dax – und das selbst ohne Berücksichtigung von Gebühren und Transaktionskosten.


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