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Daniel Saurenz Die Welt geht nicht unter – und was das für Anleger bedeutet

Chart eines fallenden Index auf einem Börsenhandelsmonitor
Nichts für schwache Nerven: Anleger brauchen momentan einen langen Atem
© IMAGO / Westlight
Viele Anleger neigen dazu, ihre Depots in der Krise zu versichern und in die Euphorie zu kaufen. Gegenwärtig ist Krise. Oder etwa nicht?

In den USA messen kundige Experten für Stimmung und Stimmungen wöchentlich den Grad an Euphorie oder Angst bei Börsenbriefen und deren Abonnenten. Als Verfasser solcher Briefe hat man nach 20 Jahren die Erfahrung, dass viele Anleger in guten Zeiten wenig von Absicherung hören möchten und in schlechten Zeiten Angst vor weiteren Verlusten haben. Dabei lässt sich auch 2022 ein Depot verlustfrei durch das Jahr führen. Dies war und ist möglich. Dafür müssen Anleger jedoch zwingend antizyklisch durch das Jahr kommen.

Anders als 2020 gab es 2022 mehrere Chancen, sein Depot krisenfest zu machen und Puts, sprich Absicherungen, einzukaufen und die Cash-Quote massiv hochzufahren. Mitte August als der Dax bei fast 14.000 notierte war die Stimmung viel zu gut. Gleiches war im Frühsommer zu beobachten, als sogar die 15.000 Punkte bis auf 200 Zähler in Reichweite waren. Da lag es am guten und gesunden Menschenverstand, Risiken und Chancen zu gewichten und nachzuschärfen. Denn 2022 ist kein lustiges Börsenjahr, wir hatten die bereits Ende 2021 angekündigt und befürchtet. Zu viele Probleme nach Corona treffen auf politische Unsicherheiten und die Zinswende der Notenbanken. Das ist zu viel des Guten. Bisher.

„Seit dem Notenbankertreffen in Jackson Hole ist klar, dass die Gangart in der Zinspolitik noch härter wird als von den Märkten erwartet. Erwartungsgemäß groß war dort deshalb der Schock“, sagt Stefan Riße, Kapitalmarktstratege Acatis Investment. Bei Zinserhöhungen geht es jedoch um die nominalen Zinsen, die realen Zinsen ergeben sich aus Zinshöhe und Inflation. „Da steht immer noch ein Minus“, betont Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege bei Robomarkets. Er verweist auf den negativen Realzins in Deutschland, der bei deutlich über fünf Prozent liegt.

Fonds bleiben gut bestückt

„Interessanterweise fließen bisher aus Aktienfonds keine Mittel ab weltweit betrachtet. Das war in Krisen sonst immer so. Das stimmt insofern hoffnungsfroh, als das wegen der offensichtlichen Alternativlosigkeit die Leute trotz widriger Aussichten womöglich an ihren Aktien festhalten“, sagt Riße. „Die Zinssteigerungen sorgen aber dafür, dass Unternehmen mit hohen Schuldenstand unter Umständen Probleme bekommen haben, wie auch solche mit hohem Kapitalbedarf“, erklärt Experte Molnar ein großes Problem.

Doch kommen wir auf die eingangs erwähnten Absicherungen für den Aktienmarkt zurück. Der Dax hat beinahe 4000 Punkte von seinem Rekordlevel zum Jahresstart verloren. Berücksichtigt man noch fast zehn Prozent Inflation und betrachtet man, dass der Dax respektive ein breit aufgestelltes Portfolio im Schnitt jährlich sieben bis acht Prozent Rendite bei Anlegern abliefern, dann sieht man wie stark die Verluste 2022 wirklich sind. Heißt auch – für offensive Absicherungen ist es jetzt zu spät. „Der Konjunkturausblick ist zwar nach wie vor schwierig, doch sind wir der Meinung, dass die Risikoprämie für Aktien in der zweiten Jahreshälfte attraktiver wird“, schrieb zuletzt auch Marko Kolanovic von JP Morgan.

Börsenbriefe in den USA wie auch in Deutschland messen eine sich merklich eintrübende Stimmung bei Abonnenten und Anlegern. Antizyklisch bedeutet dies, dass man in die schlechte Laune des Herbstes hinein bei einem Dax unter 12.500 Stück für Stück die Absicherungen verkaufen sollte und dann ebenso Stück für Stück sein Depot mittel- und langfristig ausstatten sollte.

Es gibt übrigens im Zertifikatemarkt mit Memory-Express-Papieren eine Gattung, die Renditen von zehn Prozent und mehr pro Jahr ermöglicht bei Laufzeiten bis 2026 oder 2027. Mit anderen Worten – man kann dem Dax vier oder fünf Jahre Zeit geben, eine Erholung einzuleiten und dann gibt es eine Verzinsung oberhalb der aktuell extrem hohen Inflationsrate. Derartig spannende Konditionen liefern nur Zertifikate dieser Art und nur dann, wenn der Markt unter Wasser ist. So wie jetzt.

Daniel Saurenz betreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com


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