Daniel Saurenz Die Sparer leiden mit und ohne EZB-Zinswende

Wer sich den Traum von der eigenen Immobilie erfüllen will, sollte sein Budget genau kennen
Was haben Sparer von der Zinswende? Nichts!
© Getty Images
Negative Zinsen auf den Sparkonten dürften bald Geschichte sein. Doch negative Realzinsen sind weitaus schlimmer. Für Sparer bedeutet die Kehrtwende der Zentralbank keinerlei Hoffnung. Im Gegenteil

Da ist sie also, die EZB. Sie zieht der US-Notenbank hinterher und leitet behutsam die geldpolitische Wende ein. Für Sparerinnen und Sparer jedoch ist dies völlig ohne Belang. Denn entscheidend ist die Bilanz, wieviel Geld man verbrennt, wenn man Inflation und Zins gegenüberstellt. Und so waren die Zeiten der Jahre 2016 bis 2020 mit negativen Zinsen auf dem Sparkonto sogar besser als die Gegenwart. Denn ein Prozent Negativzins bei zwei Prozent Inflation ergab drei Prozent verbranntes Geld pro Jahr. Anleger ließen von 100.000 Euro also 3000 Euro liegen.

Auf dem Sparkonto wird man bald bei null oder sogar wieder bei einem Prozent Verzinsung ankommen, bei acht Prozent Geldentwertung ist der bittere Saldo aber nicht besser. Heißt – von 100.000 Euro bleiben EZB hin oder her gerade mal 92.000 Euro über am Jahresende. Wer nicht mit intelligenten Dividendenaktien, Zertifikaten oder anderen Formen des Ertrags ausgleicht, wird kalt enteignet. So ist die bittere Realität, die alle Sparer verinnerlichen müssen und die Aktivität erfordert. Gerade jetzt, wo Aktien mal nicht am Allzeithoch hängen.

„Die Inflation wird sich so schnell nicht abschwächen. Durch den weitgehenden Ausfall der Getreidelieferungen durch die Ukraine und Russland werden die Lebensmittelpreise weiter anziehen und die Energiepreise als Preistreiber wahrscheinlich ablösen. Auch Zweitrundeneffekte bei den Löhnen sind absehbar“, sagt Stefan Riße, Kapitalmarktstratege bei Acatis Investment.

„Eine überfällige Erholungsrallye läuft jetzt und kann durch einen sogenannten Shortsqueeze sehr ordentlich ausfallen. Im Verlauf des Jahres oder spätestens 2023 könnten die Belastungen aus Rezessionsangst bei gleichzeitig steigenden Zinsen aber für einen weiteren Kursrutsch sorgen“, zeigt sich Jürgen Molnar vom Broker Robomarkets etwas skeptisch für einen glatt durchlaufenden Aktienmarkt. Dies hieße aber umso mehr, dass Anleger immer wieder Chancen finden in korrigierenden Märkten, um ihre Aktienquoten zu erhöhen und die Inflation auszugleichen.

Kurzfristig schlägt sich der Dax übrigens trotz EZB und Fed gar nicht schlecht. „Die Kurse haben jetzt zur ersten Bärenmarktrallye angesetzt. Dadurch hat sich die Stimmung zwar aufgehellt, nach wie vor herrscht aber Pessimismus vor, was für den Frühsommer für eine Fortsetzung der Erholung spricht“, sagt Stefan Riße, Kapitalmarktstratege bei Acatis Investment.

Im Grunde ist es für Sparer auch gar nicht so kompliziert. Gute Informationen über die Aktienmärkte sind wichtig. Hinzu nimmt man nicht die Annahme, dass man unbedingt das Tief des Marktes treffen müsse, sondern kauft in Etappen und in ängstliche Marktphasen antizyklisch hinein. Hierfür muss man den inneren Schweinehund bei der Geldanlage überwinden. Doch acht Prozent Vermögensverlust pro Jahr sollten ein gutes Argument gegen den Schweinehund sein. 

Daniel Saurenz betreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com


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