Interview„Die Investoren könnten den Aufschwung vorwegnehmen“

Von ihren Tiefständen haben sich die Aktienkurse mittlerweile erholtGetty Images

Als Österreicher erlebt Alexander Schütz gerade das Ende des Shutdowns wie er in Deutschland noch bevorsteht. Gefreut hat er sich auf einen kleinen Braunen in einem typischen Wiener Kaffeehaus. Auch ein Grillabend mit Freunden und ein Wiedersehen mit seinen Eltern stehen auf seiner persönlichen Wunschliste. Als Geschäftsführer des in Wien sitzenden Fondshauses C-Quadrat muss er sich aber weiterhin mit den Folgen der Pandemie für sein Unternehmen und die Finanzmärkte herumschlagen.

Herr Schütz, kommen ihre Kollegen nach dem Ende des Shutdowns nun wieder ganz normal ins Büro?

ALEXANDER SCHÜTZ: Nachdem alles in der Quarantäne so gut mit Homeworking geklappt hat, und wir 110 Prozent einsatzfähig waren und sind, haben wir keinen Stress, das zu ändern. Bei uns gilt die Devise, dass die Mitarbeiter, die gerne ins Büro gehen möchten und müssen, dies jetzt gerne tun können – solange sie große Menschenansammlungen wie zum Beispiel öffentliche Verkehrsmittel vermeiden. Eine Rückkehr zum Normalbetrieb planen wir erst ab 1. Mai.

Wie haben Sie denn während des Shutdowns kommuniziert?

Bisher haben wir Kommunikationsgruppen gebildet, die sich über verschiedene Plattformen – Whatsapp, E-Mail, Videokonferenzen und Telefon – zu unterschiedlichen Themen austauschen. Die meisten unserer Mitarbeiter haben auch schon bisher viel Zeit auf Geschäftsreisen verbracht und sich immer wieder in Meetings eingewählt, ganz so groß war die Umstellung nicht. Für mich persönlich war es sogar wesentlich angenehmer, von zu Hause aus an Video- und Telefonkonferenzen teilzunehmen und nicht von einem Flughafen oder Taxi aus.

Was haben Sie denn an der Zeit Zuhause am meisten genossen?

Bisher habe ich im Schnitt etwa zwei Stunden täglich im Flugzeug gesessen und drei bis vier Tage pro Woche im Ausland verbracht. Zu Hause habe ich meine Familie kennengelernt und festgestellt, dass sie doch sehr nett ist. Insbesondere meine zwei Hunde haben sich sehr gefreut, dass ich vier Wochen am Stück zu Hause war. Meine Frau hat am Ende gemeint, dass Corona nicht so schlimm sein kann wie meine guten Tipps beim Kochen, ich hoffe das war als Scherz gemeint.

Und in Ihrer Funktion als Firmenchef?

Beruflich habe ich die Zeit genutzt, mit meinem Partner Cristobal Mendez de Vigo und meinen Vorstandskollegen darüber nachzudenken, wie wir die C-Quadrat Gruppe schlanker und effizienter machen können, welche neuen Produkte in der nächsten Dekade nachgefragt sein könnten und wie wir uns auf eine neue Welt im Vertrieb einstellen können. Die Umsetzung wird dann der nächste Schritt. Wir haben die C-Quadrat Investment Group von der Börse genommen und die Anteile der HNA Gruppe zurückgekauft, weil wie die Umsetzung der strategischen Ziele nicht mehr gesehen haben. Jetzt sind wir so wie zuvor dafür offen mit einen im Ausland starken strategischen Partner Gespräche zu führen, die uns entweder die Märkte in Asien oder die in den USA näherbringen.

Welche Fondsstrategie des Hauses C-Quadrat hat sich als am resistentesten entpuppt, welcher als am anfälligsten?

Im Vorteil waren ganz eindeutig jene Fonds oder Strategien, die durch ihre flexible Asset-Klassengewichtung rechtzeitig die Aktienquote reduzieren konnten und erst dann wieder investieren werden, wenn es nachhaltig an den Börsen nach oben geht. Dazu zählen zum Beispiel die regelbasierten Trendfolgefonds von ARTS Asset Management. Sehr gut haben sich auch unsere Dual Return Vision Microfinanz Fonds geschlagen, die ESG-Fonds oder Produkte, die wenig Korrelation zu den breiten Aktienindizes haben wie Mezzanin-Kapital und Kredite.

Mussten Sie hohe Abflüsse hinnehmen?

Rückgaben gab es bisher nur in einem zu vernachlässigenden Ausmaß. Es gibt derzeit auch nur wenige Asset-Klassen, in die man ausweichen könnte. 

Das Coronavirus verbreitet sich ja nach wie vor, auch in Schwellenländern. Könnten den Mikrofinanz-Fonds noch harte Zeiten bevorstehen?

Die Performance der Euro-Tranchen der Vision Mikrofinance Fonds seit Jahresbeginn beträgt derzeit zwischen 0 und -1 Prozent. Da kann sich jeder Investor freuen, dass er neben einem sozial nachhaltigen Investment auch ein Produkt mit nachhaltig sehr stabiler Performance im Portfolio hat. Auch wenn die mittel- bis langfristen Auswirkungen noch nicht zur Gänze abschätzbar sind, gilt jedenfalls, dass die Mikrofinanzinstitute, mit denen unsere Mikrofinanzfonds zusammenarbeiten gut kapitalisiert, aufsichtsrechtlich reguliert und überwacht sind. Des Weiteren haben die Anleihen sehr kurze Laufzeiten, wodurch das Gesamtrisiko massiv reduziert wird.

Gehen Sie davon aus, dass Österreich die Pandemie jetzt im jetzt Griff hat?

Die österreichische Bundesregierung hat rechtzeitig und konsequent Maßnahmen gesetzt, die zum Zeitpunkt des Inkrafttretens von Manchen als übertrieben bezeichnet wurden. Zustände wie in anderen Ländern Europas konnten aber dadurch trotz der Kritik daran verhindert werden. Dass die Maßnahmen jetzt schrittweise wieder gelockert werden, ist wichtig, damit die Wirtschaft nicht völlig zusammenbricht. Es ist aber ein Balanceakt, der intensiv verfolgt werden, stündlich überprüft und hinterfragt werden muss. Ob die Pandemie jemals unter Kontrolle gebracht werden kann, lässt sich erst sagen, wenn die ersten Impfstoffe entwickelt sein werden und wir wissen, wie rasch das Virus mutiert.

Glauben Sie, dass sich die Läden jetzt abrupt füllen werden und der Konsum schnell auf das vorherige Niveau zurückfindet?

Der Rückgang des Konsums kann schon noch einige Zeit anhalten. Ich glaube, dass es erst ab dem Moment, in dem eine wirksame Medizin zur Verfügung steht, zu einer schlagartigen Aufhellung der Stimmung und zu einem globalen Aufschwung kommen wird. Uns erwartet eher ein U- als ein V-Szenario, würde ich schätzen. Bei den Aktien könnte es sein, dass die Investoren den Aufschwung vorwegnehmen und wir bei den Indizes eher ein V als ein U sehen.

Im wirtschaftlichen Stillstand rudert so manches Unternehmen bei Akquisitionen zurück oder verhandelt nach. Halten Sie trotz der Lage an der Übernahme des Dachfonds-Spezialisten Ariqon fest?

Die Transaktion ist abgeschlossen und es fehlt nur mehr die aufsichtsrechtliche Genehmigung. Wir kennen die Ariqon schon sehr lange und das Fondsmanagement der Ariqon wurde lange Jahre von einem ehemaligen C-Quadrat Mitarbeiter geleitet. Jetzt hatten wir die Gelegenheit, die Fonds in die C-Quadrat Asset Management GmbH unter der Führung meines ebenfalls geschäftsführenden Kollegen Günther Kastner zu integrieren. Die bestehenden Vertriebspartner werden wir in ihrem Marketing weiterhin so unterstützen wie sie es seit vielen Jahren von uns gewohnt sind. Durch die großen Überschneidungen gibt es wirklich viele Synergieeffekte. Das war eine sehr spannende Transaktion, die wir sicher nicht rückgängig machen wollen.

Neben der Leitung von C-Quadrat sind Sie bis 2023 Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Wie läuft die Zusammenarbeit zwischen Kontrollgremium und Vorstand in Homeoffice-Zeiten?

Die Zusammenarbeit läuft ausgezeichnet. Jeder Aufsichtsrat wurde mit einem Cisco-Videokonferenz-System ausgestattet, das ausgezeichnet funktioniert. Das macht die häufigen Sitzungen und Ausschüsse sehr viel einfacher als es mit Telefonkonferenzen wäre. Die Mitglieder sind ja alle sehr erfahren und somit laufen auch die Videokonferenzen strukturiert und diszipliniert unter strenger Führung von Aufsichtsratschef Paul Achleitner ab.

Wie hoch schätzen Sie das Risiko ein, dass die realwirtschaftlichen Verwerfungen auf den Bankensektor übergreifen?

Nein, ich sehe derzeit nicht, dass die Krise den Bankensektor massiv gefährdet, solange die staatlichen Unterstützungen der notleidenden Unternehmen auch umgesetzt und eingehalten werden. 2008 ging die Krise vom Finanzsektor aus, der seither wesentlich strenger kontrolliert und durch regelmäßige Stresstest recht gut auf Krisenszenarios vorbereitet wurde.

Wie gefährdet ist die Deutsche Bank?

Die Deutsche Bank ist meines Erachtens in einem besseren Zustand, als der Aktienkurs vermuten lässt.

Hilft es, dass die Deutsche Bank in dieser Krise die Politik im Rücken hat?

Ich glaube nicht, dass die Deutsche Bank die Politik im Rücken hat oder haben will. Ich glaube, dass die Politik aktuell froh sein kann, dass es die Deutsche Bank gibt und wesentlich mithilft, diese Krise ordentlich zu bewältigen.

 


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