KolumneDie Börse tickt wie Grün gegen Schwarz

Frankfurter Börse
Frankfurter Börseimago images / Rainer Unkel

Wären Annalena Baerbock oder Armin Laschet am Aktienmarkt handelbar, so müsste man gegenwärtig wohl die CDU kaufen und die Grünen verkaufen. Denn bei Aktien ist stets entscheidend, was schon eingepreist ist. Und da scheint bei den Schwarzen mehr Erholungspotenzial während Grün in der Vergangenheit gern unsanft gelandet ist. An der Börse tickt es genauso. Aus diesem Grund steigen die Kurse seit Wochen nicht mehr, obwohl die Unternehmen so brillieren wie zuletzt vor Jahren.

Apple, Facebook, Amazon und auch der Google-Mutterkonzern Alphabet glänzten bereits mit starken Quartalszahlen. An der Börse fielen die Reaktionen aber verhalten aus, hohe Erwartungen waren bereits eingepreist. Es gibt weitere Gründen, warum Anleger gerade jetzt stärker über eine Depotversicherung nachdenken sollten.

Die amerikanischen Technologieaktien sind weiterhin das Maß aller Dinge und bleiben stramm auf Wachstumskurs. Apple ist ein besonders gutes Beispiel: Die ohnehin hohen Umsatzprognosen übertraf der Konzern um 12 Mrd. Dollar, nun folgt ein Aktienrückkaufprogramm über 90 Mrd. Dollar. Zur Einordnung: Im US-Leitindex S&P 500 sind 400 Mitglieder weniger als 90 Mrd. Dollar wert, im DAX bringen nur sieben Werte mehr auf die Börsenwaage.

Bekanntlich wird an den Märkten aber die Zukunft in sechs bis neun Monaten gehandelt. Und hier stellt sich die Frage, welche Faktoren die Kurse noch weiter nach oben führen sollen. Aufgrund des Einbruchs im Vorjahr liegt die Messlatte für das zweite Quartal bei einem satten Gewinnanstieg von 50 Prozent. Mit Blick auf das Gesamtjahr wird ein Zuwachs von 26 Prozent eingepreist.

Impulse fehlen

Wenn aber schon die jetzt gemeldeten und besser als erwarteten Bilanzen für das erste Quartal keine Kauflaune mehr entfachen, dürfte sich dies auch mit den anstehenden Berichten nicht ändern. Daher lohnt sich eine Absicherung seines Aktiendepots oder eine Teilabsicherung. „Mit Turbo-Puts auf den DAX lässt sich ein Depot bestehend aus DAX-Aktien einfach absichern“, erklärt Marcus Landau, Zertifikate-Sales bei der DZ Bank.

„Voraussetzung ist allerdings, dass das Depot in etwa dem DAX 1:1 folgt. Dann werden Verluste im Depot durch Gewinne im Turbo-Put annähernd ausgeglichen“, so Landau weiter. Gut bewertet ist der DAX-Turbo-Put mit der WKN JM9ZA7 (JP Morgan) und wer sein Depot aus US-Aktien absichern will, kauft den S&P 500-Turbo-Put mit der WKN HZ9E97 (onemarktes). Beide Papiere haben einen moderaten Hebel von 3.

Neue Geldgeschenke aus Washington sind nicht mehr in Sicht, Joe Biden hat bereits geliefert und verschreckt mit seinen Steuerplänen. Gleiches gilt für die US-Notenbank. Vor dem Hintergrund der brummenden Konjunktur und anziehenden Inflation könnte im Juni erstmals über eine Reduzierung der Anleihekäufe gesprochen werden.

Auch sonst wird das Umfeld etwas schwieriger. Die Inflation im Euroraum lag im März mit 1,3 Prozent deutlich über der Vorjahresrate. Am Währungsmarkt zeigt der Euro Stärke und steht mehr als zehn Prozent über dem Niveau von vor zwölf Monaten. Kein ideales Umfeld für die deutsche Exportwirtschaft.

Sell in May…

Und auch die Saisonalität dreht mit dem Monatswechsel nach unten. Börsenregeln wie „Sell in May“ werden zwar oft belächelt, sind aber nicht ganz von der Hand zu weisen. Wer seit dem Jahr 2000 jeweils nur im Zeitfenster von Mai bis Oktober im DAX investiert war und zu Beginn 100.000 Euro investierte, hat jetzt noch gut 40.000 Euro.

Mit einer klassischen Buy-and-hold-Strategie wäre das Vermögen auf 225.000 Euro gestiegen. Hier wirkt sich die starke Phase zwischen Oktober bis Mai aus, die nach Berechnungen der Markttechniker von Index Radar eine Rendite von acht Prozent pro Jahr lieferte, während der DAX lediglich knapp vier Prozent schaffte. Viele Anleger unterschätzen diesen saisonalen Faktor, der auch in diesem Jahr wieder zutreffen könnte.

Eine gesunde Atempause wäre daher nicht überraschend. Aber wie tief könnte der Markt fallen? Im langjährigen Durchschnitt korrigiert der DAX ausgehend vom Jahreshoch bis zum Tief um rund 17 Prozent. Ein Minus von acht bis zwölf Prozent ist selbst in starken Börsenjahren zu sehen. Übertragen auf die aktuelle Ausgangläge entspräche dies einer Zielregion von rund 13.600 bis 14.200 Punkten. Es gibt somit gute Gründe, die kräftigen Gewinne der vergangenen Monate in Sicherheit zu bringen.

Doch auch positive Aspekte kann man vermelden: „Korrekturen gab es in jedem Börsenaufschwung, der einen großen Einbruch folgte“, erläutert Stefan Riße, Kapitalmarktstratege bei Acatis Investment. „Wir haben daher auch weiter eine Kurssicherung mitlaufen in unserem nachhaltigen Mischfonds ACATIS Fair Value Modulor Vermögensverwaltungsfonds. Die hat uns letztes Jahr schon die ganz großen Verluste erspart“, so Riße.

Es wäre höchst ungewöhnlich, wenn 2021 per Saldo kein gutes Börsenjahr würde. Gab es im S&P 500 ein Rückschlag von mehr als 30 Prozent folgte dem ersten Jahr der Erholung in allen Fällen seit 1970 auch ein zweites positives Jahr“, sagt Riße. Absicherungen kann ein Depot gegenwärtig also durchaus haben und sollte man auch einbauen, den großen Crash zu erwarten wäre aber überzogen.


Daniel Saurenz betreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter Info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com