GeldanlageDie 50.000-Euro-Frage: Wohin noch mit dem Geld?

Symbolbild EuroscheineGetty Images

Eines hat die EZB diese Woche wieder mehr als deutlich gemacht: Sie wird die Zinsen nicht erhöhen. Sie will nicht einmal darüber diskutieren. Zumindest wird sie nicht vor Herbst darüber nachdenken und stattdessen bis zum März 2022 weiter ihr Anleihenkaufprogramm fortsetzen. Das heißt für Anleger vor allem eines: Mit einer Verzinsung von Tagesgeldkonten ist weiterhin nicht zu rechnen, mit steigenden Zinsen für Staatsanleihen ebenfalls nicht. Das ist vor allem deswegen problematisch, weil es derzeit viele Menschen geben wird, die angesichts der Corona-Lage und der vielen Beschränkungen höhere Geldpuffer angehäuft haben – und die auch lieber unangetastet lassen.

Selbstständige und Freiberufler zum Beispiel sind gezwungen, mehr Geld vorzuhalten – so sie denn überhaupt noch hohe Rücklagen haben – um über schwere Monate zu kommen. Denn üppige Staatshilfen können sie längst nicht in jedem Fall erwarten. Gerade ihnen hat das letzte Jahr ja gezeigt, wie wichtig die private Vorsorge ist – und das Cash auf dem Konto, wenn plötzlich Einnahmen ausbleiben. Und die Pandemie ist ja längst noch nicht vorbei.

Zudem träumen immer noch viele Alleinlebende, Großstädter und Familien hierzulande den großen Traum vom Eigenheim. Und gerade dafür ist ein riesiger Batzen Eigenkapital nötig, der vorgehalten werden muss. Einerseits als Sicherheit für den Bankkredit, andererseits zur Bezahlung der Kaufnebenkosten für Grunderwerbsteuer, Makler und Notar. Rund 110.000 bis 130.000 Euro sind beim Kauf eines durchschnittlichen Eigenheims heute als Barmittel nötig.

Gibt es noch kostenlose Parkplätze für Geld?

Wo also hortet man dieses Geld, wenn die Tagesgeldzinsen im Nullkomma-irgendwas-Bereich liegen und viele Banken sogar schon ab fünfstelligen Beträgen Negativzinsen verlangen? Kostet das Sparen nun also Geld? Das muss immer noch nicht sein, aber es wird zugegebenermaßen schwieriger, sein Geld zu parken – und nichts dafür zu bezahlen. Was also tun mit sagen wir mal 50.000 Euro, die man gespart hat? Es ist im Grunde gar nicht so schwer, diese Frage zu beantworten, wenn man ein paar Dinge beherzigt:

Tatsächlich fordern inzwischen immer mehr Banken hierzulande Negativzinsen. Während sie noch vor ein paar Jahren um Kundeneinlagen buhlten, wehren manche jetzt regelrecht die Neueinlagen ab. Weil sie dafür nämlich selber bei der Europäischen Zentralbank EZB Zinsen zahlen müssen, wenn sie dieses Geld dort ablagern – es also nicht sofort wieder an Unternehmen oder Privatleute in Form von Krediten verleihen. Letzteres sollte das Ziel der Banken sein, so stellt es sich die EZB vor. Tatsächlich aber vergeben Banken seit Corona vorsichtiger Kredite, weil sie nicht selber durch Kreditausfälle in Schwierigkeiten geraten wollen.

Schon 370 Banken und Sparkassen hierzulande verlangen derzeit Strafzinsen für Privatkonten, weitere 50 erheben sie auch auf Firmenkonten. Und es werden monatlich mehr Institute. Jede dritte dieser Banken fordert die Negativzinsen – in der Regel sind es minus 0,5 Prozent – schon ab einem Kontostand von 25.000 Euro, manche schon ab dem ersten Euro. Die meisten Banken aber greifen erst ab 50.000 oder 100.000 Euro zu – auch manche Direktbanken übrigens. Das Gemeine ist: Die Negativzinsen werden oft als „Verwahrentgelt“ bezeichnet und als solches auch oft nicht offen in den Entgeltinformationen ausgewiesen.

Denn die Banken argumentieren, dass es für das Auflisten solcher Verwahrentgelte keine Vorschriften seitens der Bafin gibt. Die Aufsichtsbehörde selbst nennt nämlich in ihren Musterformularen zu den offenlegungspflichtigen Informationen solche Verwahrentgelte nicht.  Im Zweifel gilt also: Fragen Sie Ihren Bankberater, ob es Negativzinsen gibt. Und wenn ja, dann wechseln Sie notfalls die Bank. Denn Institute, die keine Strafzinsen erheben gibt es noch mehr als genug. Oder mieten Sie sich notfalls ein Schließfach und horten Sie dort Ihr Geld in bar. Das ist mit rund 70 Euro Jahresgebühr immer noch günstiger als 250 Euro jährliche Strafzinsen, die auf 50.000 Euro zu zahlen sind.

Vorsicht vor Schattenbanken

Wichtig für Anleger ist: Die ausgewählte Bank sollte ihren Sitz in einem wirtschaftsstarken EU-Land haben (dazu zählen neben Deutschland die Niederlande, Schweden, Österreich und Frankreich). Denn nur dann ist garantiert, dass der Heimatstaat der Bank notfalls für die Entschädigung der Anleger aufkommen kann, falls die Bank sich doch nicht als so stabil herausstellt und in die Schieflage rutscht (die Greensill-Bank lässt grüßen).

Laut EU-Richtlinie sind gesetzlich 100.000 Euro pro Bank und Kunde abgesichert, so viel kann also jeder Bundesbürger relativ gefahrlos anlegen – pro Bank (nicht pro Konto, wie manchmal geschrieben wird). Wer mehr gespart hat, muss das Geld also auf mehrere Banken verteilen – oder als Ehepaar anlegen, dann sind 200.000 Euro geschützt. Bis 100.000 Euro pro Kunde erstattet also im Insolvenzfall die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) die Sparer. Darüber hinaus garantiert der freiwillige Entschädigungsfonds des deutschen Bankenverbands BdB sogar für Millioneneinlagen pro Sparer – wenn das Geld bei einer deutschen Bank liegt, die diesem BdB angeschlossen ist. Und Sparkassenverbünde sowie Volksbanken sichern sich gegenseitige Stützung im Pleitefall zu, damit es gar nicht erst zur Institutsinsolvenz kommt. Am besten sollte man einer altbekannten Bank mit bewährtem Geschäftsmodell vertrauen. Besonders hohe Zinssätze und Branchen-Neueinsteiger dagegen bergen immer ein gewisses Risiko.

Ein halbwegs guter Tagesgeldzins für 50.000 Euro liegt derzeit bei 0,2 Prozent. Das ist nicht viel, aber immerhin mehr als nichts. Das bieten etwa NIBC oder Sberbank, bei der Ford Bank sind es 0,15 Prozent. Zu wenig? Dann legen Sie das Geld doch für 12 Monate fest, dann zahlen dieselben Banken rund 0,3 Prozent, die Credit Agricole 0,36 Prozent Zinsen fürs Festgeld. Vermittlerplattformen locken zwar mit bis zu 0,7 Prozent Zinsen, also mit erheblich mehr. Aber: Dann liegt das Geld bei estnischen, tschechischen oder bulgarischen Banken. Das sollte man sich lieber verkneifen, wenn es wirklich sicher angelegt sein soll. Bevor man das also macht: Lieber eine längere Laufzeit fürs Festgeld wählen, dann bekommt man auch bei Ford Bank oder der Credit Agricole 0,7 oder 0,81 Prozent (für 5 Jahre). Für Immobilienkäufer, die sich bereits nach einem Kaufobjekt umsehen, taugt dieser Rat natürlich nicht, da sie an ihren Geldpuffer drankommen müssen, wenn sie ein Wunschobjekt finden. Für alle, die noch mitten in der Sparphase sind, funktioniert das aber sehr wohl.

Der Extratipp: Oder zeichnen Sie Genossenschaftsanteile bei einer örtlichen Volksbank und werden Sie deren Mitinhaber. So lassen sich bis zu 70.000 Euro anlegen und durchschnittlich 3 Prozent Dividende pro Jahr kassieren. Die Dividende schwankt jedoch mit dem wirtschaftlichen Erfolg der Institute, 2020 schütteten viele der Genossen zum Beispiel nichts aus, wegen der unsicheren Lage durch die Pandemie. In diesem Jahr dürften sich die Auszahlungen aber wieder etwas normalisieren. Eine Garantie auf so hohe Dividenden gibt es also nicht, zudem fallen die Genossenschaftsanteile nicht unter die Einlagensicherung. Doch wegen des Volksbank-Stützungsverbunds ist es dennoch eine recht sichere Sache. Bevor eine Volksbank nämlich hierzulande pleitegeht, werden die übrigen Genossen Geld nachschießen, um das zu verhindern. Oder Institute werden fusionieren, so wie jüngst im Fall Heilbronn. Wer ganz sicher gehen will, bleibt aber lieber beim klassischen Tagesgeld.