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Bankgeschäft Deutsche Bank erwägt Rückkehr in den Handel mit verbrieften Hypotheken

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt
Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt
© Bloomberg
Das Geschäft mit verbrieften Krediten für Wohnimmobilien genießt seit der Finanzkrise 2008 keinen guten Ruf. Dennoch denkt die Deutsche Bank darüber nach, wieder in dieses Geschäft einzusteigen. Das sind die Gründe

Die Deutsche Bank denkt informierten Kreisen zufolge darüber nach, wieder in den Handel mit verbrieften Krediten für Wohnimmobilien einzusteigen. Die Überlegungen reihen sich ein in andere Ideen zur Expansion des Handelsgeschäfts, das zuletzt die Erträge angekurbelt hat. Wie zu hören ist, hat Chefhändler Ram Nayak die Idee intern als möglichen Schritt zum Ausbau des Geschäftsbereichs Festverzinsliche Wertpapiere und Währungen (FIC) in den Raum gestellt. Der Schritt würde keine umfangreichen zusätzlichen Ressourcen erfordern, hieß es. 

Die Erwägungen seien allerdings noch in einem sehr frühem Stadium, berichtete eine darüber informierte Person. Auch sei keine Expansion ins Emissionsgeschäft vorgesehen, sondern nur als Market Maker für die Papiere halbstaatlicher Emittenten wie Fannie Mae und Freddie Mac. Bekannt sind diese durch Wohnbaukredite hinterlegten Anleihen in den USA unter dem Akronym RMBS (Residential Mortgage-Backed Securities). Eine Deutsche-Bank-Sprecherin lehnte eine Stellungnahme ab. 

Bankchef Christian Sewing will die Dynanik im Bereich FIC auch dann weiter aufrechterhalten, wenn sich das günstige Marktumfeld der vergangenen Jahre normalisiert. Sein ursprünglicher Plan für den Konzernumbau aus dem Jahr 2019 hatte beim Handelsgeschäft energisch den Rotstift angesetzt. Als Volatilität an den Märkten das Trading-Segment jedoch ankurbelte, justierte Sewing nach.

Die Rückkehr in den RMBS-Handel wäre eine weitere Abkehr von der ursprünglichen Strategie, das Handelsgeschäft auf weniger, kräftige Kernsäulen zu konzentrieren. Die Bank ist bereits in den Bereich Kreditausfall-Swaps für bonitätsschwache Emittenten eingestiegen. Inzwischen wagt sie sich auch wieder in den Handel mit Basismetallen vor. 2013 war sie aus dem Rohstoffgeschäft fast komplett ausgestiegen.

Mehrwert ohne große Investitionen in Personal und andere Ressourcen

Im Basismetall-Bereich hat die Bank nach rund einjähriger Nachdenkphase erst einen Mitarbeiter eingestellt. Dies zeigt, dass die Bank bestrebt ist, nicht voreilig in Bereiche zurückzukehren, in denen sie ihr Engagement nach der Finanzkrise gestutzt hatte.

Nayak versucht informierten Kreisen zufolge, das bestehende Angebot durch Produkte zu ergänzen, die er als verwandt erachtet. Dabei gehe es darum, Mehrwert ohne große Investitionen in Personal und andere Ressourcen zu schaffen. Das Geschäft mit den so genannten Agency-RMBS könne den Handel mit US-Treasuries und anderen Zinsprodukten erweitern, hieß es. In diesem Segment tummeln sich schon viele andere Banken. Dem Vernehmen nach erwägt Nayak das Angebot dieser Dienste, weil ihn Kunden danach fragen. 

Keine Pläne habe die Deutsche Bank, wieder selbst solche Wertpapiere zu strukturieren und sie an den Markt zu bringen. Produkte in diesem Segment waren eine der Ursachen der Finanzkrise 2008. Die USA hatten vor diesem Hintergrund Banken zu Geldbußen in Milliardenhöhe verdonnert. Die Deutsche Bank zahlte im Rahmen eines Vergleichs 2016 mehr als 7 Mrd. Dollar. Zwei Jahre später übernahm Sewing die Leitung des Konzerns. 

Unter Nayak, der sein Amt Mitte 2019 übernommen hat, hat die Sparte FIC einen sprunghaften Anstieg der Erträge verzeichnet. Analysten prognostizieren für dieses Jahr einen Anstieg auf 8,95 Mrd. Euro, von 5,52 Mrd. Euro vor drei Jahren. Die Deutsche Bank geht davon aus, dass die Marktvolatilität, die den branchenweiten Handelsboom begünstigt hat, im nächsten Jahr nachlassen wird.

©2022 Bloomberg L.P.

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